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Früherkennung von Darmkrebs

Die Darmkrebs-Früherkennung wird ab 50 Jahren empfohlen. Dank ihr erkranken weniger Menschen an Darmkrebs und diese Erkrankung verläuft auch seltener tödlich.

Darmkrebs macht sich meist über lange Zeit nicht bemerkbar. Trotzdem kann man sowohl die Vorstufen der Erkrankung als auch den Darmkrebs fast immer finden – vorausgesetzt, man sucht danach.

Das geschieht bei der «Früherkennung»

Sie wird in der Schweiz allen Personen zwischen 50 und 69 Jahren empfohlen, die keine Beschwerden haben, die auf Darmkrebs hindeuten. Es ist aber möglich, dass sich diese Altersgrenzen künftig verschieben werden, einerseits, weil Darmkrebs gegenwärtig bei jüngeren Personen häufiger wird und andererseits, weil auch Personen bis mindestens zum 75. Lebensjahr von der Früherkennung profitieren.

Gegenwärtig gibt es sieben Methoden, um Darmkrebs zu erkennen, bevor er sich bemerkbar macht. Zwei davon, der Blut-im-Stuhl-Test und die Darmspiegelung (Koloskopie) werden in der Schweiz zur Früherkennung empfohlen, weil sie den grössten Nutzen bringen und wissenschaftlich gut geprüft sind. Was die Kosten betrifft sind beide – über die Jahre gerechnet – vergleichbar.

Das sogenannte «opportunistische» Screening findet ausserhalb dieser Untersuchungsprogramme statt. Dabei geht jede Person individuell zur Früherkennungsuntersuchung, Daten zu Erfolgen und Komplikationen werden nicht systematisch erfasst und sind deshalb nicht bekannt.

Was bringen regelmässige Früherkennungsuntersuchungen bei Darmkrebs? Die nackten Zahlen sehen so aus:

Betrachtet man es genauer, zeigt sich: Von den Darmtumoren, die anlässlich einer Früherkennungsuntersuchung entdeckt wurden, sind viele noch gut behandelbar. In einer US-Studie beispielsweise waren fast 40 Prozent der so diagnostizierten Tumore noch im Stadium 1, also in der Regel mit einer Operation heilbar. Von den Darmkrebserkrankungen, die sich durch Beschwerden bemerkbar machten, waren nur noch etwa sieben Prozent im Stadium 1.

Darmkrebs hat heutzutage eine gute Prognose, wenn er frühzeitig erkannt wird. Doch bei jedem fünften Betroffenen hat der Krebs zum Zeitpunkt der Diagnose bereits Metastasen gebildet.

Würden alle Menschen ab 50 Jahren – also dann, wenn die Wahrscheinlichkeit für Darmkrebs steigt – die Früherkennungsangebote annehmen, liesse sich die Sterblichkeit an Darmkrebs reduzieren. Das ist für die Sigmoidoskopie («kleine» Darmspiegelung) und den Test auf Blut im Stuhl erwiesen. Bei der «grossen» Darmspiegelung (Koloskopie) laufen gegenwärtig noch Studien, um diesen Nachweis zu erbringen. Es ist aber stark anzunehmen, dass die Koloskopie mindestens so wirksam ist wie die «kleine» Darmspiegelung.

Auch die Erkrankungsrate lässt sich mit der Darmspiegelung senken, nicht aber mit dem Test auf Blut im Stuhl. Denn bei der Darmspiegelung werden die Darm-Adenome, also die Vorläufer von Darmkrebs, erkannt und beseitigt. In Deutschland beispielsweise ging die Zahl der Neuerkrankungen an Darmkrebs seit 2002 um 17 Prozent zurück. Damals wurde dort die Vorsorge mittels Darmspiegelung gesetzlich eingeführt. Einer Schätzung zufolge wurden dadurch 270’000 Darmkrebs-Erkrankungen und 130’000 Todesfälle verhindert.

Früherkennungsmassnahmen haben aber nicht nur Vor- sondern auch Nachteile:

  • Sie können falsche Ergebnisse liefern, so dass der Betroffene sich entweder in falscher Sicherheit wiegt oder aber sich unnötig ängstigt und weitere Abklärungen benötigt, bis klar ist, dass er nicht an Darmkrebs leidet.
  • Sie können Komplikationen verursachen.
  • Sie sorgen zwar dafür, dass die Krankheit früher erkannt wird, können aber nichts an ihrem Verlauf ändern. Auch wenn die meisten Personen von der Früherkennung profitieren, kann es für einige bedeuten, dass sie dadurch länger im Bewusstsein leben, an einer nicht-heilbaren Erkrankung zu leiden und möglicherweise auch mehr Behandlungen erhalten, die ihre Lebensqualität beeinträchtigen. Es ist auch möglich, dass der Darmkrebs ohne Entdeckung bis zum Lebensende keine Beschwerden verursacht hätte.

Nach Abwägen aller Vor- und Nachteile sind Fachleute in allen westlichen Ländern zum Schluss gekommen, dass der Nutzen überwiegt und raten zur Früherkennung.

Wichtig beim Entscheid für eine Untersuchung ist, ob man lieber

  • die wirkungsvollere, aber unangenehmere Untersuchungsmethode – die Darmspiegelung – wählt und danach zehn Jahre lang keine weitere Früherkennungsuntersuchung braucht (sofern nichts Auffälliges gefunden wird).
  • die weniger gute, aber angenehmere Untersuchung – den Test auf Blut im Stuhl – wählt, mit dem Risiko, dass je nach Ergebnis trotzdem noch eine Darmspiegelung nötig wird.

Bei sehr tiefem Risiko sind die verschiedenen Früherkennungsmethoden etwa gleich gut. Je höher das Erkrankungsrisiko jedoch ist, desto eher wird die Wahl auf die Darmspiegelung fallen.

Was kann ich tun:

Egal, wie man sich entscheidet: Die Früherkennung wird umso wirksamer, je konsequenter sie durchgeführt wird. Eine einzelne Untersuchung bringt weniger als solche, die regelmässig – je nach Methode also alle zwei bis zehn Jahre – durchgeführt werden.

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