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Im hohen Alter unabhängig dank gutem Hören mit einem Cochlea-Implantat

Zuletzt aktualisiert am 24. Oktober 2023 Erstmals publiziert am 20. Oktober 2023

Für die Teilnahme am sozialen Leben ist gutes Hören im Alter zentral. Immer mehr ältere Frauen und Männer entscheiden sich für ein Cochlea-Implantat, wenn das Hörgerät nicht mehr ausreicht. Das 5000. Cochlea-Implantat in der Schweiz erhielt denn auch ein 72-jähriger Patient. Hedy H. entschied sich mit 89 Jahren zur Operation.

Cochlea-Implantate (CI) sind vor allem als Hörhilfe für gehörlos geborene Kinder bekannt. Aber auch spätertaubte Personen können mit einem Cochlea-Implantat ihre Hörfähigkeit wieder verbessern. Vor Kurzem erhielt ein 72-jähriger Patient der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie (ORL) am USZ das 5000. Cochlea-Implantat der Schweiz.

Häufig werden nicht alle Möglichkeiten ausgeschöpft

«Gutes Hören im Alter ist sehr wichtig», so Alex Huber, Direktor der Klinik für Ohren-, Nasen-, Hals- und Gesichtschirurgie und Leiter des Cochlea-Implantat-Zentrums am USZ. «Die Akzeptanz für Hörgeräte ist mit den modernen Geräten in den letzten Jahren stark gewachsen. Lässt das Hörvermögen so stark nach, dass mit dem Hörgerät keine Verbesserung mehr erreicht wird, werden aber leider häufig keine Anstrengungen mehr unternommen, das Hören noch einmal zu verbessern und alle Möglichkeiten auszuschöpfen.»

Sozialer Ausschluss kann eine Demenz beschleunigen

Viele Betroffene entwickeln jedoch Hemmungen, am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, wenn sie aufgrund ihrer Taubheit Gesprächen nicht mehr folgen können, Konzertbesuche, aber auch Radio hören und Fernsehen keine Freude mehr machen und auch der telefonische Kontakt mit Angehörigen und Freunden nicht mehr möglich ist. Sie ziehen sich zurück und geraten dadurch zunehmend in eine soziale Isolation. Damit entfällt aber nicht nur die Teilhabe an Kultur und gemeinsamen Ereignissen, der wegfallende aktive Austausch und die fehlende Anregung können auch eine Demenz schneller voranschreiten lassen und dadurch zu einem verfrühten Verlust der Selbstständigkeit und zu Depressionen führen. Alex Huber plädiert deshalb dafür, auch im hohen Alter noch ein Cochlea-Implantat in Erwägung zu ziehen. «Für ein Cochlea-Implantat gibt es grundsätzlich keine Altersbeschränkung», so Alex Huber. «Weil das Hören mit dem CI nicht direkt mit dem «normalen» Hören vergleichbar ist, müssen alle CI-Trägerinnen und -Träger das Hören damit neu lernen und immer wieder trainieren. Das ist keine Altersfrage, wenn die Motivation dafür vorhanden ist.»

Mit 89 Jahren die Operation gewagt

Hedy H. hat ihr Cochlea-Implantat mit 89 Jahren erhalten. Zu einer seit Langem bestehenden einseitigen Hörschwäche sank auf ihrem bis dahin gut hörenden Ohr innerhalb kürzester Zeit die Hörfähigkeit auf nahezu Null. Eine medikamentöse Behandlung brachte keine anhaltende Besserung. Die aktive und gesellige Frau war plötzlich von Stille umgeben. Das CI-Team am USZ schlug ihr ein Cochlea-Implantat vor. Ein schwieriger Entscheid, den sie zusammen mit ihrer Familie beriet. Ein anderer älterer CI-Träger, den ihr das USZ für einen Austausch vermitteln konnte, bestärkte ihren Mut. «Ich bin gerne unterwegs und unter Leuten. Ein Leben ohne Hören konnte ich mir deshalb nicht vorstellen», erzählt sie heute, zehn Jahre nach der Operation und wenige Tage vor ihrem 99. Geburtstag.

Schon vor dem Eingriff plante sie zusammen mit ihren Angehörigen die Zeit danach, denn für die Fahrten zum Hörtraining, das Training zu Hause und die Verständigung im Alltag war sie vorübergehend auf die Unterstützung der Familie angewiesen. Aber schon nach 13 Trainings hörte sie mit dem Implantat wieder gut und lebt nach wie vor selbstständig. Auch mit der Technik des CI kommt sie gut zurecht. Gespräche, Telefonieren, Fernsehen und Spielen mit der Urenkelin sind problemlos möglich. Mit Gleichgewichtsübungen und dem wöchentlichen Training im Fitnesscenter hält sie sich auch körperlich fit. Einmal jährlich reist sie ins CI-Zentrum am USZ zur Kontrolle. «Mein Ehrgeiz hat mir sicher geholfen, dass ich rasch gut zurechtkam. Bis sich alles eingespielt hatte, dauerte es aber rund ein Jahr. Ohne meine Familie wäre es nicht gegangen», sagt sie rückblickend. «Wer den Willen und das passende Umfeld hat, dem kann ich aber nur zu diesem Schritt raten.»

Cochlea-Implantat-Zentrum

Wir betreuen Kinder und Erwachsene, die ein Cochlea-Implantat (CI) oder ein anderes Hör-Implantat erhalten, von der Vorabklärung über die Operation bis zur lebenslangen Kontrolle. Das CI-Team besteht aus Fachpersonen von interdisziplinären Bereichen wie Medizin, Elektrotechnik, Hörgeräteakustik und Logopädie.

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