Blinddarmentzündung (Appendizitis)

Heftige Schmerzen im rechtsseitigen Unterbauch: Das sind die typischen Anzeichen für eine Blinddarmentzündung. Die Schmerzen können dabei wandern, werden aber typischerweise immer schlimmer mit im Verlauf auch Schmerzen bei Bewegung. Wenn der Blinddarm noch nicht perforiert, also noch nicht geplatzt ist, ist die Operation im Sinne einer Blinddarmentfernung und auch der postoperative Verlauf meist unproblematisch. Ist der Blinddarm hingegen schon perforiert, ist die Behandlung schwieriger und die Komplikationsrate höher. Es ist also gut, wenn die Blinddarmentzündung möglichst früh entdeckt und operiert wird.

Was ist eine Blinddarmentzündung?

Blinddarmentzündungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen: Mehr als sieben von hundert Menschen leiden irgendwann in ihrem Leben an einem entzündeten Blinddarm. Rund 12.000 Schweizerinnen und Schweizer kommen jährlich wegen einer Blinddarmoperation ins Spital. Doch genaugenommen handelt es sich um einen entzündeten Wurmfortsatz (medizinisch „Appendix“ genannt). Dieses wurmförmige Anhängsel am Anfang vom Dickdarm kann sich entzünden, was dann Appendicitis genannt wird. Im Volksmund wird die Appendix Blinddarm genannt, weil dieses kleine vom Dickdarm ausgehende Gebilde blind endet, also einem blind endenden Stück Darm entspricht. Was Mediziner als Appendizitis bezeichnen wird entsprechend im Volksmund dann Blinddarmentzündung genannt.

Illustration Details Darm und Blinddarm sowie dem Wurmfortsatz

Eine Appendizitis kann in jedem Alter auftreten; mehr als zwei Drittel der Betroffenen erkranken jedoch vor dem 30. Lebensjahr, vor allem im Schulalter. Bei Jungen und Männern kommt ein entzündeter Blinddarm häufiger vor als bei Mädchen und Frauen, bei Kleinkindern treten Blinddarmentzündungen dagegen nur selten auf.

Ursachen: Wie entsteht eine Blinddarmentzündung?

Der am Blinddarm hängende Wurmfortsatz (Appendix) ist meist acht bis zehn Zentimeter lang, kann aber auch deutlich länger oder kürzer sein. An einem Ende ist dieses Anhängsel verschlossen, bildet also eine Sackgasse; das andere Ende des Wurmfortsatzes geht über in das Coecum, das ist der Anfang des Dickdarms. Dieser Übergang kann verstopfen, zum Beispiel durch verhärtete Stuhlklümpchen, sogenannte Kotsteine. In selteneren Fällen können auch Obstkerne oder andere Fremdkörper die Ursache sein. Wenn sich ein solcher Verschluss gebildet hat oder wenn der Übergang zum Blinddarm anderswie versperrt wird, stauen sich die im Appendix vorhandenen Sekrete. Sie werden nicht mehr abtransportiert, es kommt zu einer Vermehrung von Bakterien, und als Folge reagiert das Immunsystem mit einer Entzündung.

Symptome: Wie zeigt sich eine Blinddarmentzündung?

Jeder hat wohl schon einmal Bauchschmerzen erlebt, ohne ihren genauen Ursprung zu kennen. Auch ein entzündeter Wurmfortsatz sendet nicht immer Signale aus, die eindeutig auf eine Appendizitis hinweisen.

Dennoch gibt es verschiedene Anzeichen, die typisch für eine Blinddarmentzündung sind:

  • Zu Beginn: meist noch nicht so starke Schmerzen in der Nähe des Bauchnabels.
  • Nach wenigen Stunden: Der Schmerz verlagert sich in den rechten Unterbauch.
  • Das Anziehen des rechten Beins tut besonders weh.
  • Aufrechte Haltung und Erschütterungen z.B. beim Gehen bereitet zusätzlichen Schmerz.
  • Verlagerung der Schmerzen in den gesamten Bauchraum. Jegliche Berührung des Bauches ist sehr schmerzhaft.

Der Wurmfortsatz liegt nicht bei jedem Menschen an der gleichen Stelle. Manchmal, zum Beispiel bei einer Schwangerschaft, kann der Appendix seine Lage deutlich verändert sein. Deshalb ist es durchaus möglich, dass bei Ihnen Blinddarmschmerzen auftreten, die nicht mit den typischen Merkmalen einer Appendizitis übereinstimmen. So kann etwa der gesamte Bauchraum wehtun, oder die Schmerzen strahlen nicht auf die rechte Seite des unteren Bauchraums aus, sondern auf seine linke Seite.

Diagnose: Wie lässt sich eine Blinddarmentzündung feststellen?

Wenn bei Ihnen der Verdacht auf einen entzündeten Blinddarm besteht, wird Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Ihren Bauch abtasten. Hier gibt es bestimmte Stellen, die bei einer Appendizitis starke Schmerzen auslösen, sobald sie gedrückt werden. Wenn das der Fall ist, werden Sie Ihre Bauchdecke reflexartig anspannen – und die Diagnose Blinddarmentzündung kann schon klinisch, d.h. durch die Untersuchung, mit grosser Sicherheit gestellt werden. Doch so einfach ist es nicht immer.

Selbst bei scheinbar eindeutigen Anzeichen für eine Appendizitis ist es nicht ausgeschlossen, dass hinter den empfundenen Schmerzen eine andere Erkrankung steckt. So kann es zum Beispiel zu einer Ausstülpung des Dünndarms kommen, zu einem sogenannten Meckel-Divertikel, bei dem die Möglichkeit besteht, dass es mit einer Blinddarmentzündung verwechselt wird. Bei Frauen können auch Entzündungen der Eierstöcke ähnliche Beschwerden bereiten.

Untersuchungsmethoden Blinddarmentzündung

Zur Absicherung der Diagnose kommen weitere Untersuchungsmethoden infrage:

Die genaueste Blinddarm-Diagnose lässt sich mit einer Bauchspiegelung (Laparoskopie) und der histologischen Diagnose durch die Pathologen, die den Appendix nach Entfernung untersuchen, erstellen. Wenn eine Appendizitis vorliegt, zeigt sich das bei der Bauchspiegelung meist in Form einen aufgetriebenen, geröteten Appendix, oder in Form eines Lochs in der Appendix mit Stuhl oder Eiteraustritt.

Krankheitsbild: Wie verläuft eine Blinddarmentzündung?

Je nachdem, wer betroffen ist, kann eine Appendizitis unterschiedlich ablaufen:

  • Ältere Menschen erleben in vielen Fällen keine plötzlich auftretenden, krampfartigen Schmerzen, sondern einen schleichenden Verlauf der Blinddarmentzündung.
  • Kinder spüren oft heftige Schmerzen, die sich über den gesamten Bauchraum erstrecken. Übelkeit und Erbrechen treten bei ihnen häufiger auf als bei Erwachsenen.
  • Schwangere spüren die Blinddarmschmerzen oft an untypischen Stellen, weil ihre vergrösserte Gebärmutter der Darm nach kopfwärts weggedrückt wird. Es kommt vor, dass sich bei ihnen eine Appendizitis auch im mittleren oder oberen Bereich des Bauches bemerkbar macht. Und sogar am Rücken.

Ansonsten verlaufen Blinddarmentzündungen bei Frauen nicht anders als bei Männern.

Wenn Sie befürchten, dass sich bei Ihnen der Blinddarm (der Wurmfortsatz) entzündet haben könnte, sollten Sie keinen Moment zögern, sondern rasch ärztlichen Rat einholen. Denn eine zu spät behandelte Appendizitis kann lebensgefährlich werden. Im schlimmsten Fall entsteht durch den blockierten Ausgang des Wurmfortsatzes ein Druck, der den Darm aufreissen lässt. Bei dieser sogenannten Perforation verspüren die Betroffenen zunächst einen besonders starken Schmerz.– denn in diesem Moment fliessen Kot, Bakterien und anderer Darminhalt in den Bauchraum, was zu einer Bauchfellreizung spürt, und starke Schmerzen verursacht.

Therapie: Wie wird eine Blinddarmentzündung behandelt?

Kaum eine Operation gehört in der Medizin schon so lange zum chirurgischen Repertoire wie die Blinddarmoperation – bei dem Appendix an ihrer Basis am Coecum, dem Beginn des Dickdarms- abgesetzt wird. Die Entfernung eines entzündeten Blinddarms, Appendektomie genannt, verläuft in den allermeisten Fällen problemlos. Als Patientin oder Patient können Sie nach einer Blinddarmoperation das Spital normalerweise schon nach wenigen Tagen wieder verlassen, v.a. wenn der Blinddarm noch keine Perforation hatte.

Neben der herkömmlichen „offenen“ Operation, bei der der Bauch über einen grösseren Schnitt eröffnet wird, kommt heute überwiegend die minimal-invasive (wenig eingreifende) laparoskopische Operation zum Einsatz. Bei dieser Methode, die umgangssprachlich auch „Schlüsselloch-OP“ genannt wird, durchtrennen kleine Schnitte die Bauchdecke. Durch eine dieser Öffnungen, knapp unterhalb des Bauchnabels, blickt der Chirurg oder die Chirurgin mit einer kleinen Kamera in den Bauchraum. Durch etwas tiefer gelegene weitere zwei Öffnungen werden anschliessend die Operationsinstrumente eingeführt, und dass die Appendix versorgende Gefäss und die Appendix an ihrer Basis abgesetzt und in einem Bergebeutel herausgezogen.

Eine in der Medizin gelegentlich diskutierte Alternative zur Operation ist die sogenannte konservative Behandlung einer Blinddarmentzündung. Hierbei soll die Appendizitis durch die Verabreichung von Antibiotika bekämpft werden. Studien haben gezeigt, dass das in manchen Fällen möglich ist. Aber die medikamentöse Behandlung kann nicht ausschliessen, dass die Blinddarmentzündung sicher zur Abheilung kommt oder dass sich der Blinddarm irgendwann erneut entzündet. Aktuell wird deshalb seine operative Entfernung bevorzugt – ganz nach dem Motto „sicher ist sicher“.