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Fachartikel

Künstlicher Pankreas

04. Oktober 2021

Pumpensysteme, die für eine regelmässige und kontrollierte Insulinzufuhr sorgen, eignen sich für immer mehr Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes. Damit lassen sich gravierende Folgeschäden verhindern. Bei der Initial- und Dauertherapie können sich Spezialist und Hausarzt gut ergänzen.

Insulin, das sich selbst spritzt

Typ-1-Diabetes ist eine in der Schweiz eher selten gestellt Diagnose – 25’000 Menschen sind hierzulande erkrankt. Oft sind es junge Menschen. Die Hälfte entwickelt die Stoffwechselerkrankung vor dem 30. Lebensjahr. «Sie sollten möglichst schnell nach der Diagnose eine Therapie bekommen, die dem aktuellen Stand des Wissens und der Technik entspricht», sagt Professor Roger Lehmann, stellvertretender Direktor der Klinik für Endokrinologie des Universitätsspitals Zürich. Denn je jünger die betroffene Person, desto grösser ist das Risiko von Folgeschäden an Augen, Nieren, Nerven, Herz und Gefässsystem.

«Man muss vorausschauend denken, weil junge Patientinnen und Patienten mit Typ-1-Diabetes- noch sehr viele Lebensjahre vor sich haben und sich die Risiken für Komplikationen kumulieren», sagt Lehmann. Nur den Hbc1-Wert zu kontrollieren, genüge nicht. Wichtig sei, einen möglichst stabilen, möglichst normalen Zuckerwert zu erreichen, ohne Hypoglykämien. «Stellt man den Blutzuckerwert bei einem Kind gut ein, hat es ein weitgehend normales Leben vor sich.» Spezialistinnen und Spezialisten sowie Hausärztinnen und Hausärzte könnten sich bei der Initial- und Dauertherapie gut ergänzen, indem sie die gemeinsam betreute Patientin und Patienten abwechselnd einbestellen.

Messungen in Echtzeit

Standardmässig behandelt wird nach dem «Basis-Bolus-Prinzip» mit lang wirkendem Insulin für den Grundbedarf und schnell wirksamem Insulin zu den Mahlzeiten. Die betroffenen Personen schätzen dafür die Kohlenhydratmenge ein und berechnen die Dosis, die sie sich spritzen, entsprechend. Kombiniert kann die Insulintherapie mit einem Sensor, der den aktuellen Blutzuckerwert misst und direkt oder via Handy abgelesen werden kann. Immer mehr Betroffene tragen für die Applikation des Hormons eine Insulinpumpe, bestehend aus Dosiergerät und Katheter. Moderne Systeme kombinieren Pumpe, Sensor und elektronische Steuerung und fungieren als «künstlicher Pankreas».

Die Pumpe ist so programmiert, dass sie den Basalbedarf an Insulin abgibt. Der Sensor misst in Echtzeit den Blutzuckerwert und kann bei tiefem Blutzucker die Insulinausschüttung drosseln oder stoppen und bei erhöhtem Blutzucker steigern. Vor einer Mahlzeit gibt die erkrankte Person die abgeschätzte Kohlenhydratmenge ein, die Pumpe berechnet dann die korrekte Insulindosis automatisch. Verfügbar sind verschiedene technische Systeme mit Batterie oder mit Akku. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten dieser Systeme vollständig oder weitgehend.

Automatische Datenanalyse

Etwa 500 Patientinnen und Patienten der Klinik für Endokrinologie des Universitätsspitals Zürich tragen ein Insulinpumpen-System. Betreut werden sie von einem erfahrenen Team aus Diabetologen, Diabetes- und Ernährungsberatern. Sie nutzen für Behandlung und Beratung die Daten, die das System laufend aufzeichnet und via Cloud zur Verfügung stellt: Blutzuckerwerte, tägliche Basal- sowie Bolusmenge, Anzahl der Mahlzeiten pro Tag sowie Sensortragedauer und Katheterwechsel. «Die Systeme sind heute technisch ausgereift und einfach bedienbar, sodass sie sich für immer mehr Betroffene eignen», sagt Diabetologe Lehmann. Es gehe darum, Folgeschäden wie Erblindung, Demenz, Amputation von Gliedmassen, Herzinfarkt oder Schlaganfall zu verhindern.

Versagen die Nieren ihren Dienst, kann eine Dialyse oder eine Nieren-Transplantation als Therapie in Frage kommen. Häufig werden Nieren und Pankreas, respektive Pankreasinseln, kombiniert transplantiert. Der Nachteil der Transplantationen ist, dass sie eine lebenslange immunsuppressive Therapie erfordern, sagt Roger Lehmann: «Gerade bei jungen Menschen möchte man das vermeiden».

Behandlung von Diabetes mellitus

Die Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und klinische Ernährung bietet folgende Therapien für die Behandlung von Diabetes mellitus an.

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Kontakt

Roger Lehmann, Prof. Dr. med.

Leitender Arzt, Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung
Stellvertretender Leiter des Transplantationszentrums und Vertreter Pankreas / Inselzellen, Transplantationszentrum

Spezialgebiete: Insulinpumpen und kontinuierliche Blutzuckermessung, Therapie sämtlicher Diabetestypen mit Schwerpunkt Gestationsdiabetes, Inseltransplantation
Tel. +41 44 255 36 20