Eine Krebsdiagnose stellte das Leben von Mauro und Petra auf den Kopf. Was folgte, war eine schwierige Zeit voller Unsicherheit und Herausforderungen. Heute, fünf Jahre später, blicken die beiden voller Zuversicht nach vorne. Und Mauro hätte sich nie träumen lassen, einmal an den Olympischen Winterspielen teilnehmen zu dürfen.
Vor fünf Jahren stand ich mitten im Leben. Meine Frau Petra und ich hatten gerade geheiratet und freuten uns auf die Zukunft. Ich fühlte mich gesund, war sportlich aktiv und trainierte regelmässig. Nichts deutete darauf hin, dass ich krank sein könnte. Dann kam die Diagnose: Lymphdrüsenkrebs. Sie traf uns völlig unerwartet und stellte unser Leben von einem Tag auf den anderen auf den Kopf. Unsicherheit, Wut und Traurigkeit begleiteten uns während dieser Zeit. Doch irgendwann wurde mir klar, dass ich nicht ändern konnte, was geschehen war. Also richteten Petra und ich den Blick nach vorne und fragten uns: Wie schaffen wir es, diesen Weg gemeinsam zu gehen?
Lernen, mit der neuen Realität umzugehen
Während meiner Behandlungen verbrachte ich viele Tage und Nächte im Universitätsspital Zürich (USZ). Eine der grössten Herausforderungen war das Alleinsein. Ich musste lernen, Gefühle zuzulassen – die schwierigen ebenso wie die hoffnungsvollen. Gleichzeitig wollte ich nicht, dass der Krebs mein ganzes Leben bestimmt. Deshalb versuchte ich bewusst, schöne Momente mit der Familie oder mit Freunden zu schaffen, die ein Stück Normalität zurückbrachten.
Eine weitere Belastung war, dass ich mich nicht mehr auf meinen Körper verlassen konnte. Vor der Krankheit war ich als mehrfacher Schweizer Meister im American Football am Zenit meiner körperlichen Leistungsfähigkeit. Die Behandlungen waren jedoch sehr anstrengend und schwächten mich stark. Während der Chemotherapien und nach der Stammzelltransplantation bewegte ich mich deshalb so oft wie möglich. Das gab meinem Alltag Struktur und half mir, Schritt für Schritt wieder Vertrauen zu gewinnen.
Petra und andere Weggefährtinnen und -gefährten
Diese Geschichte ist auch die Geschichte meiner Frau. Sie war während der gesamten Zeit an meiner Seite, reduzierte ihr Arbeitspensum, fuhr die langen Strecken ans USZ, organisierte unseren Alltag und hielt den Kontakt zu Familie und Freunden. Während der Corona-Pandemie war sie oft die einzige Besucherin, die mich sehen durfte. Als Pflegefachfrau kannte sie die Begleitung von Patientinnen und Patienten in schwierigen Situationen. Doch plötzlich war der eigene Ehemann der Patient. Gemeinsame Erlebnisse, ein Ausflug oder ein Tag in der Natur brachten Normalität zurück und rückten die Krankheit für einen Moment in den Hintergrund.
Zu unseren Weggefährtinnen und Weggefährten gehörten auch die Mitarbeitenden des Leukämie-, Lymphom- und Myelomzentrums am USZ. Über Monate hinweg begleiteten uns Ärztinnen, Ärzte und Pflegefachpersonen durch Höhen und Tiefen, beantworteten unsere Fragen und standen uns mit Rat und Unterstützung zur Seite. Das Wissen, von einem erfahrenen Team begleitet zu werden, gab uns Sicherheit und half uns, Zuversicht zu bewahren.
Zurück ins Leben und zu neuen Träumen
Heute, fünf Jahre später, geht es mir wieder gut und ich gelte als geheilt. Ich konnte inzwischen mein Masterstudium abschliessen, das ich kurz vor meiner Erkrankung begonnen hatte. Sport spielt wieder eine grosse Rolle in meinem Leben, und mit dem Bobsport habe ich sogar eine neue Leidenschaft entdeckt. Zum Bobsport kam ich eher zufällig: Während des Trainings für mein Comeback nach der Erkrankung sprach mich ein Bobpilot an und fragte, ob ich mir vorstellen könne, einmal einen Versuch im Bob zu wagen. Daraus wurde mehr, als ich jemals erwartet hätte: 2026 durfte ich als Anschieber im liechtensteinischen Viererbob-Team nach Cortina d’Ampezzo reisen. Schon die Teilnahme an der Eröffnungsfeier und das Leben im olympischen Dorf waren beeindruckende Erlebnisse. Besonders genoss ich es, die einzigartige Atmosphäre aufzusaugen und Athletinnen und Athleten aus aller Welt kennenzulernen.
Die Krankheit war ein schmerzhafter Einschnitt und hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Sie hat mir aber auch neue Perspektiven eröffnet und Wege aufgezeigt, die ich sonst vielleicht nie eingeschlagen hätte. Dafür bin ich dankbar und freue mich auf alles, was vor mir liegt.
Hoffnung weitergeben
Diese Geschichte zeigt uns, dass Hoffnung ein starker Antrieb ist und ein Schicksalsschlag auch der Anfang von etwas Neuem sein kann. Mauro war einer der Cancer Survivors, die am Cancer Survivors Day 2026 des Universitären Krebszentrums, Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ), ihre Geschichte erzählt haben.
Den vollständigen Vortrag von Petra und Mauro finden Sie hier: Cancer Survivors Day 2026 – Mediaspace Universität Zürich