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Wenn der Prostatakrebs nach einer Operation wiederkommt: Zielgerichtete Strahlentherapie

16. November 2022

Prostatakrebs ist bei Männern in der Schweiz die häufigste Krebserkrankung. Bei einigen Patienten ist eine operative Entfernung nötig. Kommt der Krebs nach einer Operation wieder zurück, ist dies durch eine engmaschige Nachsorge schnell feststellbar. Eine fokussierte Bestrahlung hat eine hohe Wirksamkeit bei einer guten Verträglichkeit und wirkt sich positiv auf die Lebensqualität der Betroffenen aus.

Bei vier von zehn Patienten kommt es nach der operativen Entfernung des Prostatakrebs zu einem Wiederanstieg des sogenannten PSA-Wertes im Blut. PSA steht für Prostata spezifisches Antigen, dessen Konzentration mit einem Bluttest einfach bestimmt werden kann. Dieser erneute Anstieg des PSA-Wertes ist bei Männern, bei denen ein Prostatakrebs operativ entfernt wurde, ein sicheres Zeichen für ein erneutes Wachstum des Tumors. Meist ist der Ort, an dem die Krebszellen wieder wachsen, die ursprüngliche Stelle, an der sich der Krebs in der Prostata gebildet hat. Diese Stelle nennt man Prostata-Loge.

In der Vergangenheit wurde in dieser Situation durch eine Bestrahlung ebendieser Stelle bei etwa der Hälfte der Patienten eine Heilung erzielt. Dies insbesondere, wenn der PSA-Wert noch tief ist, also das Krebswachstum nach der operativen Entfernung des Tumors noch nicht weiter fortgeschritten ist und gestreut hat. Dies ist auch der Grund dafür, dass die Nachbehandlung und Nachsorge bei Patienten mit Prostatakrebs am CCCZ so engmaschig und sorgfältig durchgeführt werden. Die Bestrahlung erfolgte allerdings ohne, dass man den wieder gewachsenen Tumor auch tatsächlich sehen konnte, da er meist zu klein und damit unterhalb des Auflösungsvermögens von CT und MRI Bildgebung ist.

Eine klinische Studie und wissenschaftliche Begleituntersuchungen, die an zahlreichen Deutschen und Schweizer Universitätskliniken unter Beteiligung der Klinik für Radioonkologie (Prof. Dr. med. Matthias Guckenberger) durchgeführt wurden, konnten zeigen, dass mittels einer sogenannten Positronen-Emissions-Tomographie, kurz PET, die spezifisch auf ein Antigen der Membran von Prostatakrebszellen eingestellt ist (PET PSMA), der Ort des Tumorwachstums genau bestimmt konnte. Diese genaue Lokalisation auch sehr kleiner Tumore erlaubt in der Folge eine gezielte Bestrahlung, auch wenn der Tumor sich außerhalb der Prostata-Loge befindet, z.B. in Lymphknoten. Die Folge ist nicht nur eine verbesserte Wirksamkeit, sondern auch bessere Verträglichkeit der fokussierten Bestrahlung.

Auch im Hinblick auf die Lebensqualität, die in der Studie gemessen wurde, zeigte sich, dass eine frühe Bestrahlung nach Wiederwachstum von Krebszellen einen positiven Effekt hat: die gezielte Bestrahlung erlaubt es eine antihormonelle Therapie zu verhindern oder zumindest für einige Zeit hinauszuzögern. Damit bleiben dem Patienten die Nebenwirkungen einer antihormonellen Therapie erspart.

Wann immer möglich bieten wir am CCCZ unseren Patient:innen eine Teilnahme an klinischen Studien an. So können sie vom neuesten Stand der Wissenschaft und von neu verfügbaren Therapieansätzen profitieren.

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Zugehörige wissenschaftliche Veröffentlichungen

Eur Urol. 2021 Sep;80(3):306-315.

Dose-intensified Versus Conventional-dose Salvage Radiotherapy for Biochemically Recurrent Prostate Cancer After Prostatectomy: The SAKK 09/10 Randomized Phase 3 Trial.

Ghadjar P, Hayoz S, Bernhard J, Zwahlen DR, Hölscher T, Gut P, Polat B, Hildebrandt G, Müller AC, Plasswilm L, Papachristofilou A, Schär C, Sumila M, Zaugg K, Guckenberger M*, Ost P, Reuter C, Bosetti DG, Khanfir K, Gomez S, Wust P, Thalmann GN, Aebersold DM; Swiss Group for Clinical Cancer Research (SAKK). *CCCZ member
DOI: 10.1016/j.eururo.2021.05.033

 

Int J Radiat Oncol Biol Phys. 2022 Aug 1;113(5):1015-1024.

Metastasis-Free Survival and Patterns of Distant Metastatic Disease After Prostate-Specific Membrane Antigen Positron Emission Tomography (PSMA-PET)-Guided Salvage Radiation Therapy in Recurrent or Persistent Prostate Cancer After Prostatectomy.

Zamboglou C, Strouthos I, Sahlmann J, Farolfi A, Serani F, Medici F, Cavallini L, Morganti AG, Trapp C, Koerber SA, Peeken JC, Vogel MME, Schiller K, Combs SE, Eiber M, Vrachimis A, Ferentinos K, Spohn SKB, Kirste S, Gratzke C, Ruf J, Grosu AL, Ceci F, Fendler WP, Miksch J, Kroeze S, Guckenberger M*, Lanzafame H, Fanti S, Hruby G, Wiegel T, Emmett L, Schmidt-Hegemann NS, Henkenberens C. *CCCZ member
DOI: 10.1016/j.ijrobp.2022.04.048

 

Front Oncol. 2021 May 10;11:640467.

Combining 68Ga-PSMA-PET/CT-Directed and Elective Radiation Therapy Improves Outcome in Oligorecurrent Prostate Cancer: A Retrospective Multicenter Study.

Kirste S, Kroeze SGC, Henkenberens C, Schmidt-Hegemann NS, Vogel MME, Becker J, Zamboglou C, Burger I, Derlin T, Bartenstein P, Ruf J, la Fougère C, Eiber M, Christiansen H, Combs SE, Müller AC, Belka C, Guckenberger M*, Grosu AL. *CCCZ member
DOI: 10.3389/fonc.2021.640467

 

BMC Cancer. 2020 Apr 29;20(1):362.

Efficacy of PSMA ligand PET-based radiotherapy for recurrent prostate cancer after radical prostatectomy and salvage radiotherapy.

Oehus AK, Kroeze SGC, Schmidt-Hegemann NS, Vogel MME, Kirste S, Becker J, Burger IA, Derlin T, Bartenstein P, Eiber M, Mix M, la Fougère C, Belka C, Combs SE, Grosu AL, Müller AC, Guckenberger M*, Christiansen H, Henkenberens C. *CCCZ member
DOI: 10.1186/s12885-020-06883-5

 

Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2020 Sep;47(10):2328-2338

Prognostic risk classification for biochemical relapse-free survival in patients with oligorecurrent prostate cancer after [68Ga]PSMA-PET-guided metastasis-directed therapy.

Vogel MME, Kroeze SGC, Henkenberens C, Schmidt-Hegemann NS, Kirste S, Becker J, Burger IA, Derlin T, Bartenstein P, Mix M, la Fougère C, Eiber M, Christiansen H, Belka C, Grosu AL, Müller AC, Guckenberger M*, Combs SE. *CCCZ member

DOI: 10.1007/s00259-020-04760-8

Eur J Nucl Med Mol Imaging. 2020 Jul;47(8):1852-1863.

Influence of localization of PSMA-positive oligo-metastases on efficacy of metastasis-directed external-beam radiotherapy-a multicenter retrospective study.

Schmidt-Hegemann NS, Kroeze SGC, Henkenberens C, Vogel MME, Kirste S, Becker J, Burger IA, Derlin T, Bartenstein P, Eiber M, Mix M, la Fougère C, Müller AC, Grosu AL, Combs SE, Christiansen H, Guckenberger M*, Belka C. *CCCZ member

DOI: 10.1007/s00259-020-04708-y

 

Eur Urol Focus. 2021 Mar;7(2):309-316.

Prostate-specific Membrane Antigen Positron Emission Tomography-detected Oligorecurrent Prostate Cancer Treated with Metastases-directed Radiotherapy: Role of Addition and Duration of Androgen Deprivation.

Kroeze SGC, Henkenberens C, Schmidt-Hegemann NS, Vogel MME, Kirste S, Becker J, Burger IA, Derlin T, Bartenstein P, Eiber M, Mix M, la Fougère C, Christiansen H, Belka C, Combs SE, Grosu AL, Müller AC, Guckenberger M.* *CCCZ member

DOI: 10.1016/j.euf.2019.08.012

Kontakt

Matthias Guckenberger, Prof. Dr. med.

Klinikdirektor, Klinik für Radio-Onkologie
Stv. Leiter Prostatakarzinomzentrum
Director CCCZ Outreach and Education, Comprehensive Cancer Center Zürich
Ärztlicher Co-Direktor PB II a.i.

Spezialgebiete: Therapie des Lungen Karzinom, Therapie des Prostata Karzinom, Therapie von Oligometastasen

Verantwortliche Fachbereiche

Comprehensive Cancer Center Zürich

Klinik für Radio-Onkologie

Klinik für Urologie