Was ist Zöliakie?
Zöliakie ist eine Autoimmunerkrankung des Dünndarms und keine Lebensmittelallergie. Sie wird durch eine Unverträglichkeit des Dünndarms gegenüber Gluten ausgelöst. Gluten ist ein Klebereiweiss, das vor allem in Getreideprodukten aus Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Dinkel vorkommt. Auch alte Getreidesorten wie Einkorn, Kamut und Emmer enthalten Gluten und sind nicht glutenfrei.
Für gesunde Menschen ist Gluten unbedenklich, für Menschen mit Zöliakie ist es jedoch problematisch, da ihr Körper auf dieses Klebereiweiss mit Entzündung reagiert. Nehmen sie trotz dieser Unverträglichkeit Gluten zu sich, löst es eine Überreaktion des Immunsystems aus. Der Körper bildet Antikörper wie bei einer viralen oder bakteriellen Infektion. Diese Antikörper greifen die Darmzotten im Dünndarm an und zerstören sie.

Der Verzehr von Gluten löst bei Zöliakie eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut aus. Dadurch sterben mit der Zeit die Zotten des Dünndarmes ab.
Folgen einer Zöliakie
Die Zöliakie führt zu einer chronischen Entzündung der Darmschleimhaut, und diese wiederum zu einer Verkleinerung der Oberfläche des Dünndarmes, der sogenannten Zottenatrophie. Das hat weitreichende Folgen, denn der Dünndarm ist das wichtigste Organ für die Verdauung und Nährstoffaufnahme. Hier werden die Nahrungsbestandteile mit Hilfe von Verdauungsenzymen aufgespalten, damit sie über die fingerförmigen Dünndarmzotten ins Blut aufgenommen werden können. Verkümmern diese Zotten durch eine Entzündung, kann der Darm Nährstoffe aus der Nahrung nicht mehr ausreichend aufnehmen.
Eine unbehandelte Zöliakie kann zu Mangelerscheinungen führen, darunter Eisen-, Folsäure-, Calcium-, Zinkmangel sowie einem Mangel an den fettlöslichen Vitaminen A, D, E und K. Durch die geschädigte Darmschleimhaut entsteht bei Zöliakie zusätzlich oftmals noch eine Laktoseintoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit).
Zöliakie kann in jedem Alter auftreten, meistens jedoch bei Kindern und jungen Erwachsenen zwischen 25 und 40 Jahren. Frauen sind etwa dreimal häufiger betroffen als Männer. Bleibt die Krankheit unbehandelt, kann sie den Körper langfristig schädigen. Warum Zöliakie bei manchen Menschen ausbricht und bei anderen nicht, ist noch nicht vollständig geklärt.
Zöliakie Formen
Es gibt verschiedene Formen der Zöliakie, die sich in ihren Symptomen und dem Verlauf unterscheiden:
- Klassische Zöliakie: Die häufigste Form, bei der typische Symptome wie Durchfall, Gewichtsverlust, Bauchschmerzen und Blähungen auftreten. Diese Form wird häufig bei Kleinkindern diagnostiziert.
- Atypische Zöliakie: Diese Form hat weniger offensichtliche Symptome, wie etwa Bauchbeschwerden oder Verdauungsprobleme. Stattdessen können Symptome wie Müdigkeit, Hautprobleme oder Gelenkschmerzen im Vordergrund stehen.
- Stille Zöliakie (silent): Hier sind keine offensichtlichen Symptome erkennbar, dennoch gibt es Schäden an der Dünndarmschleimhaut. Diese Form wird oft häufig nur durch Bluttests oder eine Darmbiopsie entdeckt.
- Latente Zöliakie: Menschen mit dieser Form von Glutenunverträglichkeit haben keine aktuellen Symptome oder Darmschäden, sind aber genetisch prädisponiert. Die Krankheit kann später aktiv werden, besonders bei glutenhaltiger Ernährung.
- Refraktäre Zöliakie: Eine seltene und schwere Form, bei der die Symptome trotz einer strikt glutenfreien Diät weiterhin bestehen und der Darm nicht heilt. Diese Form kann schwerwiegende Komplikationen verursachen und erfordert eine spezialisierte Behandlung.
Zöliakie: Ursachen und Risikofaktoren im Überblick
Die Ursachen einer Zöliakie sind komplex und multifaktoriell. Sie umfassen genetische, immunologische und Umweltfaktoren:
Genetische Veranlagung bei Zöliakie
Die Hauptursache für Zöliakie ist eine genetische Veranlagung. Etwa 95 % der Menschen mit Zöliakie tragen die Gene HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 in sich. Diese Gene werden mit der Entwicklung der Krankheit in Verbindung gebracht und bestimmen, wie der Körper auf Gluten reagiert. Das Vorhandensein dieser Gene bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Person an Zöliakie erkrankt. Knapp ein Drittel der Bevölkerung trägt diese Gene in sich, aber nur ein kleiner Teil erkrankt tatsächlich. Dies deutet darauf hin, dass neben den genetischen Faktoren weitere Auslöser notwendig sind.
Immunreaktion auf Gluten
Bei Menschen mit Zöliakie reagiert das Immunsystem auf Gluten, als würde es eine Bedrohung wie ein Virus oder eine bakterielle Infektion erkennen. Diese fehlgeleitete Immunreaktion führt zur Bildung von Antikörpern, die nicht nur das Gluten angreifen, sondern auch die Dünndarmschleimhaut, insbesondere die Darmzotten, schädigen. Diese Entzündung beeinträchtigt die Fähigkeit des Darms, Nährstoffe aus der Nahrung aufzunehmen.
Umweltfaktoren erhöhen das Zöliakie Risiko
Es wird vermutet, dass Umweltfaktoren eine Rolle dabei spielen, ob eine Person mit einer genetischen Veranlagung tatsächlich an Zöliakie erkrankt. Dazu gehören zum Beispiel
- Frühkindliche Ernährung: Studien deuten darauf hin, dass der Zeitpunkt und die Art der Einführung glutenhaltiger Lebensmittel in die Ernährung eines Kindes das Risiko beeinflussen können.
- Virusinfektionen: Einige Virusinfektionen (z. B. Rotaviren) können das Risiko für die Entwicklung einer Zöliakie erhöhen, indem sie das Immunsystem stimulieren und eine Autoimmunreaktion auslösen.
- Stress und andere Gesundheitsfaktoren: Es gibt Hinweise darauf, dass körperliche oder psychische Belastungen das Zöliakierisiko erhöhen.
Symptome Zöliakie: Anzeichen und Warnsignale erkennen
Eine Glutenunverträglichkeit kann sowohl körperliche als auch systemische Auswirkungen haben. Die Symptome der Zöliakie sind vielfältig und individuell verschieden. Häufige Symptome sind
Zöliakie Symptome bei Erwachsenen
- Appetitlosigkeit
- Bauchschmerzen
- Blähungen
- Durchfall
- Blutarmut
- Eisenmangel und andere Vitaminmängel (z.B. Vitamin B12, Vitamin D)
- Erschöpfung und Müdigkeit aufgrund von Nährstoffmangel
- Depressive Verstimmungen, Reizbarkeit oder Angstzustände, oft aufgrund von Nährstoffmangel oder unklarer Krankheitslast
- Dermatitis herpetiformis (juckende Hauterkrankung mit Bläschenbildung)
- Erbrechen
- Gelenk- und Muskelschmerzen
- Gewichtsverlust
- Knochenschmerzen und Osteoporose aufgrund von Kalzium- und Vitamin-D-Mangel
- Mundgeschwüre (Aphthen)
- Verstopfung
- Zahnschäden
Zöliakie Symptome bei Kleinkindern
- Bauchschmerzen
- Durchfall oder massiger, stark riechender Stuhlgang
- Blähbauch
- Blässe
- Gewichtsverlust
- Übelkeit
- verzögerte Pubertät
- Wachstumsstill- oder -rückstand
In einigen Fällen, vor allem bei der stummen Zöliakie, treten keine offensichtlichen Symptome auf, obwohl der Dünndarm geschädigt ist. Daher bleibt die Krankheit oft unbemerkt.
Zöliakie: Diagnose und Untersuchungen
Die Zöliakie-Diagnose wird durch einen spezifischen Antikörpernachweis und eine Dünndarmbiopsie gestellt. Gerade bei kleinen Kindern ist eine gesicherte Diagnose sehr wichtig. Bleibt die Erkrankung bei ihnen unerkannt, kann es zu Wachstums- und Entwicklungsstörungen kommen. Wegen der unspezifischen Symptome vergehen vor allem bei älteren Kindern und Erwachsenen noch immer durchschnittlich zehn Jahre, bis die „Diagnose Zöliakie“ gestellt wird.
Die Diagnose der Zöliakie erfolgt in mehreren Schritten und erfordert eine Kombination aus klinischer Beurteilung, Laboruntersuchungen und bildgebenden Verfahren. Zunächst wird die Ärztin oder der Arzt aufgrund der Symptome und der Krankengeschichte der Patientin oder des Patienten eine Verdachtsdiagnose stellen. Insbesondere bei Verdacht auf Zöliakie ist es wichtig, dass die betroffene Person vor der Diagnosestellung weiterhin Gluten zu sich nimmt, da die Tests sonst unzuverlässig sein können.
Blutuntersuchung
Der erste Schritt zur Diagnose ist in der Regel eine Blutuntersuchung, bei der nach bestimmten Antikörpern gesucht wird. Die wichtigsten Marker sind tTG-IgA (Transglutaminase-Antikörper) und EMA (Endomysium-Antikörper. Erhöhte Antikörperwerte weisen häufig auf eine Zöliakie hin, können aber auch bei anderen Erkrankungen auftreten.
Darmbiopsie
Sind die Bluttests positiv, folgt in der Regel eine Darmbiopsie, um die Diagnose zu bestätigen. Dabei wird Gewebe aus dem Dünndarm entnommen, um nach typischen Veränderungen der Darmschleimhaut zu suchen, wie zum Beispiel einer Zottenatrophie, also der Zerstörung der fingerförmigen Ausstülpungen der Schleimhaut, die für die Nährstoffaufnahme wichtig sind. Die Biopsie ist der Goldstandard für die Diagnose der Zöliakie, da sie direkte Hinweise auf die Schädigung der Dünndarmschleimhaut liefert.
Genetische Untersuchung
In einigen Fällen kann auch eine genetische Untersuchung durchgeführt werden, um die genetische Veranlagung zu überprüfen. Das Vorhandensein der Gene HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 ist mit einem erhöhten Risiko für Zöliakie verbunden, allerdings ist die genetische Untersuchung für die Diagnose nicht ausreichend, da nicht alle Träger dieser Gene tatsächlich an Zöliakie erkranken.
Zöliakie: Vorbeugung, Früherkennung, Prognose
Zöliakie ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die durch den Verzehr von Gluten ausgelöst wird. Eine frühzeitige Diagnose und eine strikte glutenfreie Ernährung sind entscheidend für die Lebensqualität der Betroffenen. Aber gibt es Möglichkeiten Zöliakie vorzubeugen? Kann man Zöliakie frühzeitig erkennen? Und wie ist die Prognose bei Glutenunverträglichkeit? Die wichtigsten Antworten:
Kann man Zöliakie vorbeugen?
Einer Zöliakie können Sie derzeit nicht direkt vorbeugen, da es sich um eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung handelt. Wenn Sie durch das Tragen entsprechender Gene wie HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 ein erhöhtes Risiko haben, an Zöliakie zu erkranken, können Sie jedoch versuchen, das Erkrankungsrisiko zu minimieren. Die beste Massnahme bleibt die Früherkennung.
Zöliakie: Früherkennung mit Bluttest
Eine Früherkennung der Zöliakie ist vor allem durch Bluttests auf spezifische Antikörper wie tTG-IgA,und EMA möglich. Erhöhte Antikörperwerte können auf eine Zöliakie hinweisen, auch wenn die Symptome noch nicht deutlich ausgeprägt sind. Bei Verdacht auf Zöliakie, insbesondere bei Risikopersonen wie Familienmitgliedern von Betroffenen, kann eine frühzeitige Diagnose helfen, die Krankheit rechtzeitig zu behandeln und Folgeschäden zu vermeiden. Die Bestätigung erfolgt in der Regel durch eine Darmbiopsie.
Zöliakie: Gute Prognose bei frühzeitiger Diagnose
Die Prognose bei Zöliakie ist in der Regel sehr gut, wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und konsequent mit einer glutenfreien Diät behandelt wird. Durch den Verzicht auf Gluten heilt die Darmschleimhaut in den meisten Fällen wieder aus und die Symptome verschwinden. Unbehandelt hat die Zöliakie jedoch bei vielen Betroffenen schwerwiegende Langzeitfolgen wie Nährstoffmangel, Osteoporose oder sogar ein erhöhtes Risiko für bestimmte Krebsarten. Eine rechtzeitige und konsequente glutenfreie Ernährung kann diese Komplikationen verhindern und eine normale Lebenserwartung ermöglichen.
Behandlung Zöliakie: Warum eine glutenfreie Ernährung essenziell ist
Die Behandlung der Zöliakie besteht im Wesentlichen in einer lebenslangen streng glutenfreien Diät. Das bedeutet, dass Sie als Betroffene oder Betroffener alle Lebensmittel, die Weizen, Roggen, Gerste oder andere glutenhaltige Getreidesorten enthalten, meiden müssen. Durch den Verzicht auf Gluten heilt die Darmschleimhaut in der Regel ab und die Symptome verschwinden. In einigen Fällen kann es notwendig sein, zusätzlich Vitamine oder Mineralstoffe einzunehmen, um die durch die Dünndarmschädigung entstandenen Nährstoffdefizite auszugleichen.
Betroffene erhalten nach der Diagnose eine umfassende Schulung und Betreuung durch qualifiziertes Fachpersonal, zum Beispiel durch eine gesetzlich anerkannte Ernährungsberaterin oder einen gesetzlich anerkannten Ernährungsberater.
Eine engmaschige ärztliche Überwachung und regelmässige Kontrolluntersuchungen sind wichtig, um sicherzustellen, dass die Diät korrekt eingehalten wird und keine weiteren Komplikationen auftreten.
Details zu den Behandlungen