Prostata – Aufbau, Funktion, Erkrankungen

Kaum ein Organ wird so oft übersehen und gleichzeitig mit so viel Sorge betrachtet wie die Prostata. Sie ist klein und unscheinbar, spielt aber eine entscheidende Rolle im männlichen Körper. Für viele Männer rückt sie erst dann ins Bewusstsein, wenn Probleme auftreten.

Dabei verdient die Prostata mehr Aufmerksamkeit – nicht nur bei Krankheit, sondern auch im gesunden Zustand. Denn sie übernimmt lebenswichtige Aufgaben für die Fortpflanzung und hat einen grossen Einfluss auf das allgemeine Wohlbefinden eines jeden Mannes.

Was ist die Prostata?

Die Prostata (auch Vorsteherdrüse) ist eine kleine Drüse, die ausschliesslich bei Männern vorkommt. Sie zählt zu den inneren männlichen Geschlechtsorganen. Ihre Hauptaufgabe besteht darin, einen Teil der Samenflüssigkeit zu produzieren, die beim Samenerguss ausgeschieden wird. Diese Flüssigkeit enthält unter anderem Enzyme und Nährstoffe, die für die Beweglichkeit und Vitalität der Spermien wichtig sind.

Prostata Anatomie: Wo liegt die Prostata des Mannes?

Die Prostata liegt direkt unterhalb der Harnblase und umgibt den oberen Teil der Harnröhre, also den Kanal, durch den der Urin von der Blase nach aussen fliesst. Gleichzeitig liegt sie vor dem Enddarm, weshalb Ärztinnen und Ärzte sie bei einer Vorsorgeuntersuchung über den After ertasten können. Aufgrund ihrer Lage können Veränderungen der Prostata wie eine Vergrösserung den Urinfluss oder auch die Sexualfunktion beeinflussen.

Illustration männliche Geschlechtsorgane und Prostata

Woraus besteht die Prostata?

Die Prostata besteht hauptsächlich aus drei Gewebearten: dem Drüsengewebe, der glatten Muskulatur und dem Bindegewebe. Diese Gewebe sind eng miteinander verzahnt und bilden eine funktionelle Einheit. Die Muskulatur und das Bindegewebe zusammen nennt man das Stroma – es ist das stützende und verbindende Gewebe, das sich zwischen den Drüsenläppchen befindet.

Das Stroma spielt eine wichtige Rolle für die Funktion der Prostata: Die glatte Muskulatur hilft dabei, das Prostatasekret beim Samenerguss aktiv auszustossen, während das Bindegewebe die Drüsen stabilisiert und mit Nährstoffen versorgt. Entzündungen oder Gewebswucherungen können die Struktur der Prostata verändern und so die Produktion und den Abfluss der Sekrete beeinträchtigen. Dies kann wiederum Auswirkungen auf die Harnfunktion, das Wasserlassen und somit auf das Wohlbefinden haben.

Prostata: Drüsengewebe

Das Drüsengewebe bildet die eigentlichen Sekrete der Prostata. Diese leicht milchige Flüssigkeit enthält Enzyme, wie das prostataspezifische Antigen (PSA), sowie Zink und Zitronensäure. Diese Stoffe verflüssigen das Ejakulat und fördern die Beweglichkeit der Spermien. Das Sekret macht etwa 20 bis 30 Prozent des Samenergusses aus.

Prostata: Muskelgewebe

Zwischen den Drüsen liegen glatte Muskelzellen, die sich beim Orgasmus zusammenziehen. Durch diese Muskelkontraktionen wird das Sekret aktiv in die Harnröhre gepresst, wo es sich mit den Spermien aus den Samenbläschen und den Hoden vermischt. Dieser Vorgang ist ein wichtiger Teil der Ejakulation.

Prostata Bindegewebe

Die Prostata ist von einer festen, bindegewebigen Kapsel umgeben. Diese gibt dem Organ Halt und grenzt es von der Umgebung ab. Innerhalb der Prostata verlaufen auch kleine Blutgefässe, Nervenfasern und Ausführungsgänge, über die das Sekret in die Harnröhre gelangt.

Prostata Zonen

Aus medizinischer Sicht wird die Prostata oft in verschiedene Zonen unterteilt, vor allem in die periphere, zentrale und Übergangszone. Diese Einteilung ist wichtig, da bestimmte Erkrankungen bevorzugt in bestimmten Zonen auftreten. So entwickelt sich Prostatakrebs beispielsweise häufig in der peripheren Zone, während eine gutartige Prostatavergrösserung meist in der Übergangszone beginnt.

Wie gross und schwer ist eine normale Prostata?

Die gesunde Prostata eines erwachsenen Mannes ist etwa so gross wie eine Kastanie und wiegt rund 20 Gramm. Ihre durchschnittlichen Masse liegen bei 3 bis 4 Zentimetern in der Breite, 2,5 bis 3 Zentimetern in der Höhe und 3 bis 4 Zentimetern in der Tiefe. Ihr Volumen beträgt etwa 20 bis 25 Milliliter. Mit zunehmendem Alter kann die Prostata an Grösse zunehmen. Dies ist häufig altersbedingt und gutartig, kann jedoch manchmal auch mit Beschwerden verbunden sein.

Aufgabe und Funktion der Prostata und des Prostatasekrets

Die Prostata ist ein kleines, aber sehr wichtiges Organ im männlichen Körper. Ihre Hauptaufgabe besteht in der Produktion eines Teils der Samenflüssigkeit. Diese ist keine einfache „Beilage“. Das Prostatasekret schützt und versorgt die Spermien mit wichtigen Nährstoffen und Enzymen, die ihre Beweglichkeit und Überlebensfähigkeit steigern. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die Spermien bei der Fortpflanzung erfolgreich sind.

Beim Samenerguss ziehen sich die Muskelfasern in der Prostata zusammen und drücken die produzierte Flüssigkeit gezielt in die Harnröhre. Dort vermischt sie sich mit den Spermien aus den Hoden sowie der Flüssigkeit aus den Samenbläschen. Diese Mischung bildet das Ejakulat.

Neben ihrer entscheidenden Rolle bei der Fortpflanzung hat die Prostata auch eine wichtige Funktion im Harntrakt. Sie umgibt den oberen Teil der Harnröhre, durch den der Urin aus der Blase nach aussen gelangt. Solange die Prostata gesund ist, hat sie kaum Einfluss auf das Wasserlassen. Vergrössert oder entzündet sie sich jedoch, kann sie den Harnfluss einschränken. Das kann zu Beschwerden wie häufigem Harndrang oder einem schwachen Harnstrahl führen.

Zusätzlich ist die Prostata an hormonellen Abläufen beteiligt, da sie auf männliche Geschlechtshormone (Androgene) reagiert und deren Wirkung verstärkt. Diese Hormone beeinflussen sowohl das Wachstum der Prostata als auch ihre Funktion.

PSA – das prostataspezifische Antigen: Funktion in der Prostata

PSA ist ein spezielles Enzym, das von den Zellen der Prostata produziert wird. Es gehört zur Samenflüssigkeit und hat eine wichtige Aufgabe: Es hilft dabei, das Ejakulat nach dem Samenerguss flüssiger zu machen. So können sich die Spermien besser bewegen und haben eine höhere Chance, eine Eizelle zu erreichen. Demnach sorgt PSA also dafür, dass der Samen nicht zu dickflüssig ist und die Spermien frei schwimmen können.

Im Blut kann PSA in kleinen Mengen nachgewiesen werden. Ein erhöhter PSA-Wert kann ein Hinweis auf Veränderungen oder Erkrankungen der Prostata sein, wie zum Beispiel eine Entzündung, eine gutartige Vergrösserung oder Prostatakrebs. Deshalb wird PSA oft als wichtiger Wert bei der Prostatavorsorge verwendet.

Die Aufgabe der Prostata im Hormonstoffwechsel (DHT)

Die Prostata ist ein hormonabhängiges Organ, das heisst: Sie reagiert besonders auf männliche Geschlechtshormone, die sogenannten Androgene. Das wichtigste Androgen ist das Testosteron, das hauptsächlich in den Hoden produziert wird.

In der Prostata wird Testosteron durch ein Enzym in eine stärkere Form umgewandelt, das Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon ist entscheidend für das Wachstum, die Entwicklung und die Funktion der Prostata. Es sorgt dafür, dass die Drüsenzellen aktiv bleiben und die Prostatasekrete produziert werden.

Die Prostata ist stark vom männlichen Hormonstoffwechsel abhängig. Das Gleichgewicht der Androgene reguliert ihr Wachstum und ihre Funktion, weshalb Veränderungen im Hormonhaushalt die Gesundheit der Prostata beeinflussen können.

Wie unterstützt die Prostata die Ejakulation?

Die Prostata spielt eine zentrale Rolle beim Samenerguss. Sie produziert ein spezielles, milchiges Sekret, das wichtige Bestandteile wie Enzyme (z. B. PSA), Zink und Zitronensäure enthält. In der Harnröhre vermischt sich dieses Sekret mit den Spermien aus den Hoden und dem Sekret der Samenbläschen. Zusammen bilden sie das Ejakulat.

Während des Orgasmus zieht sich die glatte Muskulatur der Prostata rhythmisch zusammen und presst das Prostatasekret aktiv in die Harnröhre. Gleichzeitig sorgt ein Schliessmechanismus dafür, dass kein Urin in das Ejakulat gelangt und das Ejakulat nicht zurück in die Blase fliesst. So trägt die Prostata entscheidend zur Fortpflanzungsfunktion bei, indem sie das Ejakulat vollständig und gezielt freisetzt.

Prostata: Erkrankungen (Krankheiten) und Entzündungen

Die Prostata ist ein kleines Organ mit grosser Bedeutung, das leider nicht immer gesund bleibt. Viele Männer erleben im Laufe ihres Lebens prostatabedingte Probleme: von Entzündungen über gutartige Veränderungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen wie Prostatakrebs. Zu den häufigsten Erkrankungen zählen die gutartige Prostatavergrösserung (benigne Prostatahyperplasie), die Prostatitis (Prostatentzündung) und Prostatakrebs.

Gutartige Prostatavergrösserung (Benigne Prostatahyperplasie – BPH)

Typische Anzeichen einer gutartigen Vergrösserung der Prostata sind häufiger Harndrang, Schwierigkeiten beim Wasserlassen und das unangenehme Gefühl, die Blase werde nie ganz leer. In der Fachsprache spricht man in diesem Fall von einem Prostatasyndrom (BPS) oder einer Benignen Prostatahyperplasie (BPH).

Die BPH ist die häufigste Prostataerkrankung bei älteren Männern. Ab dem 50. Lebensjahr ist etwa jeder dritte Mann betroffen, ab 60 sogar jeder zweite. Obwohl die Erkrankung gutartig ist, kann sie erhebliche Beschwerden verursachen und den Alltag stark beeinträchtigen.

Durch das Wachstum der Prostata kann die Harnröhre eingeengt werden. Dies führt zu typischen Problemen wie einem schwachen Harnstrahl, häufigem Harndrang – besonders nachts – und dem Gefühl, die Blase nicht vollständig entleeren zu können.

 

Prostatitis – Entzündung der Prostata

Die Prostata kann sich schmerzhaft entzünden. Schätzungen zufolge erkranken bis zu 15 % aller Männer mindestens einmal im Leben an einer Prostatitis. Meist sind Bakterien (vor allem Darmkeime) die Auslöser, in vielen Fällen bleibt die genaue Ursache jedoch unklar. Das Risiko dafür steigt mit dem Alter, besonders ab 40 Jahren.

Medizinisch unterscheidet man mehrere Formen der Prostataentzündung:

  • Bakterielle Prostatitis
  • Abakterielle Prostatitis (ohne nachweisbare Bakterien)
  • Asymptomatische Prostatitis

 

Prostatakrebs (Prostatakarzinom, Prostatatumor)

Prostatakrebs ist die häufigste Krebsart bei Männern. Er tritt selten vor dem 50. Lebensjahr auf. Da erste Symptome oft fehlen, bleibt die Erkrankung lange unbemerkt. Umso wichtiger sind die Prostatakrebs-Früherkennung und regelmässige Kontrollen, zum Beispiel durch die Bestimmung des PSA-Werts. Welche Warnzeichen Sie ernst nehmen sollten, wie die Diagnose Prostatakrebs gestellt wird und welche Therapie- und Behandlungsmöglichkeiten bei einem Prostatakarzinom heute zur Verfügung stehen, erfahren Sie in unserem ausführlichen Beitrag Prostatakrebs.

Prostatakarzinomzentrum am USZ

Am Universitätsspital Zürich (USZ) bündeln Expertinnen und Experten aus verschiedenen medizinischen Disziplinen ihre Kompetenz im zertifizierten Prostatakarzinomzentrum. Das Zentrum ist nach den Qualitätsstandards der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) anerkannt. Hier arbeitet spezialisiertes Fachpersonal aus den Bereichen Urologie, Onkologie, Radiologie, Nuklearmedizin und Pathologie eng zusammen. Jeder Fall wird im interdisziplinären Tumorboard individuell besprochen, um eine optimale, auf den Patienten zugeschnittene Therapie zu gewährleisten. Die Behandlung in DKG-zertifizierten Zentren erfolgt nach streng geprüften Richtlinien und ist Studien zufolge mit einer höheren Überlebenschance verbunden.

Mehr zum Prostatakarzinomzentrum

Wie bleibt die Prostata gesund?

Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen, die Prostata zu stärken und Beschwerden vorzubeugen. Hier unsere Tipps:

  • Bleiben Sie aktiv: Regelmässige Bewegung fördert die Durchblutung und unterstützt die Gesundheit der Prostata.
  • Schützen Sie sich vor Kälte: Unterkühlung kann zu Muskelverspannungen rund um Prostata und Harnröhre führen. Die passende Kleidung hält Sie warm und fit für Outdoor-Aktivitäten.
  • Trinken Sie ausreichend: Viel Flüssigkeit spült die Harnwege durch und hilft, Infektionen vorzubeugen. Ideal sind Mineralwasser und verdünnte Fruchtsäfte.
  • Achten Sie auf Ihre Ernährung: Vermeiden Sie zu viel Fett, bevorzugen Sie pflanzliche Öle wie Lein- oder Olivenöl und sorgen Sie für ausreichend Vitamine – sie schützen die Zellen.
  • Regelmässige Vorsorge: Ab 50 Jahren sollte die Prostata jährlich beim Arzt untersucht werden – eine einfache und schmerzfreie Routineuntersuchung.

Diagnostik und Vorsorge bei Prostataerkrankungen

In der Schweiz gibt es kein flächendeckendes Programm zur Prostatavorsorge. Die Entscheidung für eine Vorsorgeuntersuchung liegt beim einzelnen Mann und seiner Ärztin oder seinem Arzt. Ab einem Alter von etwa 50 Jahren – oder ab dem 45. Lebensjahr bei familiärer Vorbelastung – empfehlen wir Ihnen eine Abklärung, um Erkrankungen wie Prostatakrebs frühzeitig zu erkennen.

Zur Diagnostik gehören der PSA-Test, bei dem das prostataspezifische Antigen im Blut gemessen wird und Bildgebende Verfahren (MRI) die bei auffälligen Befunden eingesetzt werden. Eine die digitale rektale Untersuchung (Tastuntersuchung) kann zusätzlich durchgeführt werden.

Da die Kosten für PSA-Tests und weitere Untersuchungen nicht immer von der Grundversicherung übernommen werden, ist eine individuelle Absprache mit der Ärztin / dem Arzt wichtig. Eine informierte Entscheidung stärkt die Vorsorge und ermöglicht eine frühzeitige Behandlung von Prostatakrankheiten.

Wie aussagekräftig ist der PSA-Wert?

Der PSA-Wert gibt die Konzentration des sogenannten prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut an. PSA ist ein Eiweiss, das von der Prostata produziert wird und normalerweise in geringen Mengen ins Blut gelangt. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf eine Veränderung oder Erkrankung der Prostata hinweisen, zu denen neben Prostatakrebs auch gutartige Prostatavergrösserungen oder Entzündungen (Prostatitis) gehören.

Studien belegen, dass die Tastuntersuchung im Vergleich zum PSA-Test deutlich weniger verlässlich ist. Sie übersieht häufig krankhafte Veränderungen (falsch-negative Befunde) und liefert gleichzeitig vermehrt Hinweise auf Auffälligkeiten, die sich später als unbedenklich herausstellen (falsch-positive Befunde). Diese Fehleinschätzungen können unnötige Folgeuntersuchungen nach sich ziehen, die Risiken bergen.

Allerdings ist ein erhöhter PSA-Wert nicht automatisch ein Zeichen für Krebs, sondern zeigt lediglich an, dass die Prostata genauer untersucht werden sollte. Ebenso können andere Faktoren wie Infektionen oder Reizungen den Wert vorübergehend erhöhen. Deshalb dient der PSA-Test als wichtiger Hinweisgeber, jedoch immer im Zusammenhang mit weiteren Untersuchungen und der ärztlichen Beurteilung.

Im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung nutzen wir am USZ einen neuen, innovativen Bluttest. Neben dem Proteinmarker PSA werden dabei auch weitere genetische Biomarker im Blut untersucht. Dieser neue Test heisst Stockholm3-Test.

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