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Fachartikel

Andreas Kremer – neuer Assistenzprofessor der Hepatologie

08. Februar 2022

Seit Juli 2021 ist Andreas Kremer Assistenzprofessor in der Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie. Im Interview verrät er, was ihn an der Hepatologie fasziniert und welche Forschungsprojekte er verfolgt.

Was sind die bisher wichtigsten Meilensteine Ihrer Laufbahn?

Nach dem Studium der Humanmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München begann ich meine Facharztausbildung am Klinikum Grosshadern. Danach ging ich für einen Forschungsaufenthalt an das Academic Medical Center der University of Amsterdam. Dieser Aufenthalt führte zu einem PhD-Abschluss. Um meine Facharztausbildung zum Internisten und Gastroenterologen zu finalisieren, wechselte ich zum Universitätsklinikum Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg. Dort etablierte ich eine eigene Arbeitsgruppe und baute eine hepatologische Studienambulanz auf. Ich fungierte als Leiter der klinischen Prüfung (LKP) und Principal Investigator (PI) in zahlreichen klinischer Phase I-IV Studien. Nach Erlangung des Facharztes habilitierte ich mich im Fach Innere Medizin. Berufsbegleitend absolvierte ich ein Studium zum Master of Health Business Administration (MHBA).

Ab 2018 war ich Oberarzt in der internistischen Notaufnahme. Später leitete ich das Leber-Transplantationsprogramm des Universitätsklinikums Erlangen sowie die hepatologische Ambulanz und Bettenstation. Zusätzlich etablierte ich eine Spezialsprechstunde für chronischen Pruritus bei internistischen Erkrankungen. Im März 2020 übernahm ich zusätzlich die Leitung der COVID-19 Isolationsstation, wurde Task Force Manager COVID-19 und war ständiges Mitglied im Krisenstab des Universitätsklinikums Erlangen.

Was fasziniert Sie an Ihrem Fachgebiet der Hepatologie?

Bereits als Student hat mich die Leber mit ihren unzähligen Funktionen und Aufgaben fasziniert. Daher habe ich unter anderem ein Fachbuch zur Biochemie im Urban & Fischer-Verlag veröffentlicht. Die Leber ist ein äusserst spannendes Organ mit sehr vielfältigen Aufgaben und einer unglaublichen Regenerationsfähigkeit, die bislang nur in Ansätzen verstanden ist. Um ein paar Beispiele zu geben:

  • Ein einzelner Hepatozyt führt mehr unterschiedliche biochemische Reaktionen durch als alle pharmazeutischen Industrien in einem Jahr.
  • Fällt die Funktion von Herz, Niere oder Lunge aus, können diese Organe mittlerweile recht gut durch Maschinen ersetzt werden wie Excor, Dialyse, Respirator oder Extrakorporale Membranoxygenierung. Fällt dagegen die Lebersynthese vollständig aus, müssen Patientinnen und Patienten innerhalb weniger Tage transplantiert werden oder sie versterben.

Was war ausschlaggebend, nach Zürich ans USZ zu kommen?

Das USZ gehört international zu den renommiertesten Universitätsspitälern. Es ist das grösste Lebertransplantationszentrum der Schweiz und hat mit seinem HPB Center internationalen Ruhm erlangt. Die weitreichende interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Spezialistinnen und Spezialisten, insbesondere der Pathologie, Viszeralchirurgie, Radiologie, Onkologie und Pädiatrie, ist sehr bereichernd und ermöglicht eine Patientenversorgung auf höchstem Niveau.

Welche fachlichen Qualifikationen gewinnt das USZ durch Ihre Anstellung?

Ich bin ein international anerkannter Experte auf dem Gebiet autoimmuner und cholestatischer Lebererkrankungen sowie für Pruritusbehandlung nicht-dermatologischer Ursachen. In diesen Bereichen habe ich bereits weitreichende molekularbiologische Forschungsarbeiten durchgeführt. Zudem bringe ich weitreichende Erfahrung in verschiedenen endoskopischen und minilaparoskopischen Untersuchungstechniken mit. Ich habe an nationalen und internationalen Leitlinien mitgearbeitet und mehr als 100 peer reviewed Publikationen auf dem Gebiet der Hepatologie und Gastroenterologie verfasst.

In welchen Bereichen betreiben Sie Forschung? 

Meine Forschungsarbeiten liegen vorwiegend im Gebiet hepatobiliärer Erkrankungen. Dabei hat meine Arbeitsgruppe folgende Schwerpunkte:

  • Wir untersuchen die Gut-liver-axis mit dem Ziel, ein besseres Verständnis zwischen Mikrobiom, Immunsystem und Signalstoffen des Darms und der Entstehung von Lebererkrankungen zu gewinnen.
  • Beim Leberkrebs (Hepatozelluläres Karzinom), erforschen wir den Einfluss des Immunsystems auf Entstehung und Fortschreiten des Leberkrebses sowie Veränderungen unter chirurgischer, radiologisch-interventioneller oder systemischer Therapie wie etwa Immuncheckpoint-Inhibitoren.
  • Die Erforschung der molekularen Mechanismen autoimmuner und cholestatischer Lebererkrankungen wie Autoimmunhepatitis, Primär Biliäre Cholangitis (PBC) und Primär Sklerosierende Cholangitis (PSC). Da die PSC in 80% der Fälle mit chronisch entzündeten Darmerkrankungen (IBD) assoziiert ist, spielt hier auch die Darm-Leber-Achse eine relevante Rolle.
  • Extrahepatische Begleiterscheinungen wie Juckreiz (Pruritus) und Müdigkeit (Fatigue): Dabei indentifizierten wir den Lipidmediator Lysophosphatidsäure (LPA), der im Rahmen der ATX-LPA-Achse wahrscheinlich eine Schlüsselrolle in der Pathogenese des cholestatischen Pruritus spielt

Haben Sie Fragen an Prof. Kremer?

Wir laden Sie herzlich ein, sich mit uns auszutauschen. Haben Sie eine offene Frage oder wünschen weitere Informationen? Nehmen Sie mit uns Kontakt auf.

Andreas Kremer, Prof. Dr. med.

Leitender Arzt und Stv. Leiter Hepatologie, Klinik für Gastroenterologie und Hepatologie

Spezialgebiete: Transplantationshepatologie, Hepatozelluläres Karzinom, Molekulare Mechanismen autoimmuner und cholestatischer Lebererkrankungen, Metabolisch-assoziierte Fettlebererkrankungen, Gut-liver-axis, Extrahepatische Manifestationen, Mini-Laparoskopie
Tel. +41 44 255 85 48

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