Neuabau MITTE1|2

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Architektur, die auf den Ort und die Menschen reagiert

Wie gestaltet man einen Neubau, der Spitzenmedizin ermöglicht und zugleich den bestehenden Ort weiterentwickelt? MITTE1|2 zeigt den Ansatz von Christ & Gantenbein. Ein Blick auf vier weitere Projekte des Basler Architekturbüros.

Mit dem Neubau Campus MITTE1|2 entsteht am USZ ein zentraler Baustein für die medizinische Versorgung der kommenden Jahrzehnte. Die neuen Gebäude werden unter anderem Platz für ein neues Notfallzentrum, über 300 Betten, 23 Operationssäle sowie ein Interventionszentrum für Schlaganfall- und Herzpatientinnen und -patienten bieten. Damit schaffen wir die Voraussetzungen für das Spital der Zukunft. Im Zentrum stehen dabei nicht grosse Gesten, sondern gute Abläufe, kurze Wege, eine moderne Infrastruktur und Räume, die Patientinnen, Patienten und Mitarbeitende im Alltag unterstützen.

Geplant wurde MITTE1|2 vom Basler Architekturbüro Christ & Gantenbein. Gegründet wurde es 1998 von Emanuel Christ und Christoph Gantenbein, die seit 2018 zugleich als ordentliche Professoren für Architektur und Entwurf an der ETH Zürich lehren und in ihrer Arbeit Praxis und Forschung eng miteinander verknüpfen. Das Büro hat seinen Hauptsitz in Basel und beschäftigt rund 120 Architektinnen und Architekten aus 20 Ländern. Christ & Gantenbein beschreibt seine Arbeit als breit angelegte Beschäftigung mit Architektur, von Kultur- und Bildungsbauten über Wohn- und Arbeitsräume bis hin zu anspruchsvollen öffentlichen Infrastrukturen.

Am USZ ist diese Erfahrung besonders wichtig. Ein Universitätsspital ist kein einzelnes Gebäude mit einer einzigen Funktion, sondern ein hochkomplexes Zusammenspiel aus Behandlung, Pflege, Forschung, Logistik, Technik und Orientierung. Der Entwurf von Christ & Gantenbein für den Campus MITTE1|2 öffnet das Areal zu einem durchlässigeren Campus und bindet die neuen Gebäude in den bestehenden historischen Gebäudebestand ein. Das Universitätsspital Zürich wird so zu einem zentralen städtebaulichen Baustein des Hochschulgebiets und verkörpert die Verbindung von Städtebau, Architektur und optimalen Bedingungen für medizinische Spitzenleistungen.

Auch in anderen Projekten zeigt sich ein wiederkehrendes Thema: Neues soll nicht einfach auffallen, sondern den bestehenden Ort weiterentwickeln. Vier Beispiele zeigen, wie Christ & Gantenbein diese Aufgabe in unterschiedlichen Kontexten umgesetzt hat.

Schweizerisches Nationalmuseum, Zürich

Landesmuseum Zürich

Beim Schweizerischen Nationalmuseum in Zürich ging es um die Erweiterung eines historischen Gebäudes aus dem Jahr 1898. Christ & Gantenbein übernahm neben dem Erweiterungsbau auch die Sanierung des denkmalgeschützten Altbaus von Gustav Gull. Das Architekturbüro gewann 2002 den internationalen Wettbewerb und plante einen Neubau auf der Parkseite, der das bestehende U-förmige Museum ergänzt und die Wege im Haus neu verbindet. Die Erweiterung schafft flexible Ausstellungsräume, ein Studienzentrum mit Bibliothek, ein Auditorium sowie zusätzliche Angebote wie ein Café und ein Restaurant. Sowohl die Sanierung als auch der Erweiterungsbau erfolgten bei laufendem Museumsbetrieb.

Interessant ist dabei weniger der Kontrast zwischen Alt und Neu als die Art, wie beides miteinander ins Gespräch kommt. Das Dach des Neubaus nimmt die bewegte Dachlandschaft des historischen Museums auf, ohne sie zu kopieren. Gleichzeitig erfüllt der Neubau heutige Anforderungen an Energie und Nutzung. Für ein Spitalprojekt wie MITTE1|2 ist dieser Gedanke gut nachvollziehbar: Auch am USZ entsteht Neues nicht auf der grünen Wiese, sondern mitten in einem gewachsenen, laufenden und historisch geprägten Campus.

Kunstmuseum Basel, Erweiterung

Kunstmuseum Basel

Ein weiteres bekanntes Projekt ist die Erweiterung des Kunstmuseums Basel. Das historische Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1936 und beherbergt die älteste öffentliche Kunstsammlung Europas. Da die Sammlung und das Ausstellungsprogramm mehr Raum benötigten, entstand gegenüber dem bestehenden Museum ein Neubau. Christ & Gantenbein gewann 2010 den internationalen Wettbewerb für die Erweiterung.

Der Neubau ist eigenständig, zugleich aber klar auf das bestehende Gebäude bezogen. Die Fassade greift klassische Elemente wie Sockel, Mittelteil und oberen Abschluss auf und interpretiert sie zeitgenössisch. Auch hier geht es um eine Balance, die für öffentliche Gebäude entscheidend ist: Sie sollen Orientierung geben, zum Ort passen und neue Nutzungen ermöglichen, ohne das Bestehende zu verdrängen.

Lindt Home of Chocolate, Kilchberg

Lindt Home of Chocolate

Mit dem Lindt Home of Chocolate in Kilchberg hat Christ & Gantenbein ein Gebäude entworfen, das ganz auf das Besuchserlebnis und die Bewegung durch den Raum ausgerichtet ist. Das Projekt inszeniert den Weg der Besucherinnen und Besucher als Abfolge unterschiedlicher Räume und Themen, die sich um ein zentrales Atrium gruppieren: Auditorium, Ausstellung, Pilot Plant (Schauanlage), Chocolateria, Shop und Café. Das Thema Schokolade wird so auf unterschiedliche Weise erlebbar gemacht.

Für ein Spital lässt sich daraus kein direkter Vergleich ziehen, denn die Anforderungen sind völlig andere. Trotzdem zeigt das Projekt, wie Architektur Menschen durch ein Gebäude führen kann. Genau diese Frage ist auch bei MITTE1|2 zentral: Patientinnen und Patienten, Angehörige und Mitarbeitende sollen sich in einer komplexen Umgebung möglichst gut orientieren können.

Roche Multifunctional Workspace Building, Grenzach-Wyhlen

Roche Multifunctional Workspace Building

Auf dem Roche-Campus in Grenzach-Wyhlen nahe der Schweizer Grenze hat Christ & Gantenbein das Multifunctional Workspace Building realisiert. Der Campus besteht seit über hundert Jahren und ist heute Arbeitsort für rund 1450 Mitarbeitende der Roche Pharma AG in Deutschland. Das Gebäude ist bereits das dritte realisierte Projekt des Büros auf diesem Campus.

Im Zentrum steht ein Arbeitsumfeld, das Austausch und Zusammenarbeit ermöglicht. Christ & Gantenbein beschreibt das Gebäude als Ort für das, was nicht aus der Distanz geleistet werden kann: persönliche Begegnung, Zusammenarbeit, Flexibilität und unterschiedliche Formen des Arbeitens. Damit ist dieses Beispiel näher an den Fragen, die sich auch bei einem Spitalneubau stellen: Wie schafft man Räume, die technisch anspruchsvoll sind und trotzdem den Menschen dienen? Wie kann Architektur Teams, Prozesse und Begegnungen im Alltag unterstützen?

Räume, die im Alltag funktionieren

Die Beispiele zeigen: Christ & Gantenbein arbeitet häufig dort, wo verschiedene Anforderungen zusammenkommen, historische Gebäude und neue Nutzungen, öffentliche Räume und interne Prozesse, technische Vorgaben und menschliche Bedürfnisse. Genau diese Verbindung ist auch bei unserem Neubauprojekt entscheidend.

Mit MITTE1|2 erhält das USZ eine moderne Infrastruktur für universitäre Spitzenmedizin. Dazu gehören unter anderem Einzelzimmer, ein neues Notfallzentrum, 23 Operationssäle, ein Interventionszentrum für Schlaganfall- und Herzpatientinnen und -patienten sowie sorgfältig geplante Wege und Abläufe. Damit entsteht ein Spital der Zukunft, das nicht nur medizinische Entwicklung ermöglicht, sondern auch den Alltag der Mitarbeitenden erleichtert und die Versorgung der Patientinnen und Patienten weiter verbessert.

Weitere Informationen zum Neubau Campus MITTE1|2 finden Sie auf der Projektseite