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Beckenboden – nicht nur ein Frauenthema

21. Juni 2022

Nicht nur Schwangere oder Frauen nach Geburt können von einem geschwächten oder abgesenkten Beckenboden betroffen sein. Im Beckenboden- und Kontinenzzentrum am USZ werden jährlich rund 3’000 Menschen mit einer Beckenbodenproblematik behandelt. Rund die Hälfte sind Männer.

“Bei einer Schwangerschaft rückt der Beckenboden bei Frauen oft das erste Mal ins Bewusstsein”, weiss Cornelia Betschart Meier. Die Leitende Ärztin an der Klinik für Gynäkologie koordiniert das Beckenboden- und Kontinenzzentrum am USZ seit vier Jahren. “Bei Männern taucht das Thema erst später auf”, ergänzt Marko Kozomara-Hocke, Oberarzt in der Klinik für Urologie. Inkontinenz kann bei beiden Geschlechtern zum Problem werden. Einzig die Ursache unterscheidet sich: Bei Frauen ist es eher die Belastung des Beckenbodens – zum Beispiel durch eine Schwangerschaft –, wohingegen bei Männern die Veränderung der Prostata mit dem Alter zur Blasenüberaktivität führen kann. Um herauszufinden, woher eine Inkontinenz rührt, wird oft eine urodynamische Untersuchung durchgeführt. Dabei wird die Blase mit Wasser gefüllt, und dann beobachten die Spezialistinnen und Spezialisten, wie sie sich verhält. “Diese Untersuchung ist leider unangenehm für die Patienten, aber sehr effizient”, so Marko Kozomara-Hocke. Zum Beispiel, um herauszufinden, wie die Blase reagiert, wenn die Patientin hustet. So kann zwischen Urinverlust bei Belastung oder bei Harndrang unterschieden werden.

Physiotherapie kann viel bewirken

Je nach Art der Inkontinenz unterscheiden sich auch die Behandlungen. Die einfachste und häufigste Therapie ist die Abgabe von Medikamenten. Diese beruhigen und stärken die Blasenmuskulatur. In über der Hälfte der Fälle hilft eine spezialisierte Physiotherapie mit Beckenbodentraining und Verhaltensanpassungen sehr gut. “Am häufigsten behandeln wir Menschen mit Inkontinenzen und Schmerzen”, sagt Mirjam Stauffer. Die Fachbereichsexpertin Therapie leitet das sechsköpfige Physiotherapieteam, das sich um Patienten mit Beschwerden im Bereich Beckenboden kümmert. “Mittels gezielter Anamnese und exakter Untersuchung können wir auch bei komplexen Thematiken eine hilfreiche Therapie anbieten”, sagt sie. Das bedeutet nicht immer, dass die Krankheit dadurch verschwindet, eine Verbesserung der Symptome erleben aber sehr viele Betroffene.

Acht Disziplinen involviert

Frauen werden auch mit einer Hormontherapie oder einem sogenannten Pessar therapiert. Das ist ein Plastikring oder -würfel, der, in die Scheide eingeführt, den Organen Halt gibt. Etwa ein Drittel aller Patientinnen muss jedoch operativ behandelt werden. «Operiert wird häufig bei starken Senkungen der Blase oder der Gebärmutter», sagt Cornelia Betschart Meier. Welche Operationstechnik zum Einsatz kommt, hängt vom betroffenen Organ und vom Schweregrad der Senkung ab. Funktioniert die Blase nicht mehr richtig, kommen auch elektrische Therapien infrage. «Das Prinzip ist einfach», erklärt Marko Kozomara. «Wir setzen Nadeln, so fein wie Akupunkturnadeln, durch die Haut an die Nerven und setzen sie unter Strom. Das führt zu Veränderungen in den Hirnregionen, die die Blase steuern.» Je nach Ursache der Inkontinenz hat diese Therapie gute Erfolgschancen. Aber egal, welche Therapie zum Einsatz kommt: Gemeinsam ist ihnen, dass im Beckenbodenzentrum acht Disziplinen und vier Berufsgruppen eng zusammenarbeiten, um die beste Therapie für das jeweilige Problem zu finden.

Cornelia Betschart Meier, PD Dr. med.

Stv. Klinikdirektorin, Klinik für Gynäkologie
Co-Leiterin Kontinenz- und Beckenbodenzentrum

Spezialgebiete: Urogynäkologie, Sprechstunde und Operationen, Laparoskopische Gynäkologie, Vulvasprechstunde
Tel. +41 44 255 53 26

Marko Kozomara-Hocke, Dr. med.

Oberarzt meV, Klinik für Urologie

Spezialgebiete: Neuro-Urologie, Diagnostik und Therapie von Blasenfunktionsstörungen, Sakrale Neuromodulation, Botox®-Injektionen, Transurethrale Prostataoperationen (inkl. Lasertherapie)
Tel. +41 44 255 54 40

Verantwortliche Fachbereiche

Klinik für Gynäkologie

Klinik für Urologie