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Carotisstenose – Verengung der Halsschlagadern

Eine Carotisstenose ist eine Verengung der Halsschlagader (Arterie). Die häufigste Ursache für eine solche Verengung ist eine Arterienverkalkung, auch genannt Arteriosklerose. Dabei verlieren die Gefässe an Elastizität, verengen und verhärten sich. Seltenere Ursachen sind z. B. eine Gefässentzündung oder eine vorherige Bestrahlung am Hals. In den folgenden Abschnitten erfahren Sie mehr über die Verengung der Halsschlagader und wie diese am Universitätsspital Zürich diagnostiziert und behandelt wird.

Überblick: Was ist eine Carotisstenose?

Eine Carotisstenose ist eine Verengung der Halsschlagader, die meist aufgrund einer Gefässverkalkung entsteht. Die Halsschlagader heisst medizinisch „Arteria carotis“ und das Wort „Stenose“ steht für „Verengung“. Die Halsschlagadern versorgen grosse Teile des Gehirns mit Blut – und somit mit Sauerstoff und Nährstoffen. Nur so kann das Gehirn reibungslos funktionieren.

Wie in allen anderen Gefässen des Körpers können sich auch an den Halsschlagadern Ablagerungen bilden – sogenannte Plaques. Bei einer Arteriosklerose „verkalken“ die Gefässe zunehmend, verengen sich und verlieren ihre Elastizität. Eine verengte oder verschlossene Halsschlagader (Carotisstenose oder –verschluss) kann aufgrund der Minderdurchblutung des Gehirns einen Schlaganfall auslösen.

Bei einem ischämischen Schlaganfall erhält Gehirngewebe, das normalerweise über das verschlossene Gefäss versorgt wird, nicht mehr ausreichend Blut und somit zu wenig Sauerstoff. Die Gehirnzellen können nicht mehr ausreichend versorgt werden und es kommt zum Untergang von Hirngewebe. Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute, sonst drohen schwere Behinderungen und Pflegebedürftigkeit. Ein Schlaganfall ist ein absoluter Notfall und Sie müssen schon bei den ersten Symptomen den Rettungsdienst verständigen.

Carotisstenose: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen der Carotisstenose sind Ablagerungen von Kalk, aber auch von Fetten, Bindegewebe und Blutgerinnseln in den Halsschlagadern. Oft bilden sich die Plaques an der Verzweigung in die innere und äussere Halsschlagader (Karotisgabel). Die innere Halsschlagader versorgt Grossteile des Gehirns mit Blut. Ist sie verengt, gelangt weniger Blut ins Gehirn. Prinzipiell kann die Engstelle aber im gesamten Verlauf der Halsschlagader vorkommen.

Carotisstenose – Risikofaktoren

Es gibt verschiedene Risikofaktoren, welche zu einer Carotisstenose führen können.

  • Alter: Mit zunehmendem Alter werden die Arterien weniger elastisch und anfälliger für Ablagerungen und Verengungen – ein natürlicher Alterungsprozess.
  • Bluthochdruck (arterielle Hypertonie): Ein zu hoher Blutdruck schädigt die Arterienwand und macht sie anfälliger für Ablagerungen.
  • Hohe Blutfette: Zu viel Cholesterin im Blut lagert sich in den Arterien ab und führt zu Verengungen.
  • Hoher Blutzucker/Diabetes mellitus: Bei zu hohem Blutzucker (Diabetes mellitus) kommt es unter anderem zu einer Entzündung in der Arterienwand oder Schäden der Innenschicht der Arterien, welche zu einer Verengung führen können.
  • Rauchen: Giftige Verbrennungsprodukte des Tabaks schädigen über verschiedene Mechanismen die Arterien.
  • Übergewicht
  • Mangelnde Bewegung
  • Familiäre Veranlagung
  • Vorherige Bestrahlung: Schädigt Zellen in der Arterienwand, was auch zu Verengungen führen kann
  • Aufspaltung der Arterienwandschichten (Dissektion): Z.B. durch einen Unfall oder spontan (ohne ersichtliche Vorerkrankung) sowie bei gewissen Bindegewebserkrankungen
  • Entzündliche Arterienerkrankungen (Arteriitis)

Einige diese Faktoren können Sie durch einen gesunden Lebensstil positiv beeinflussen und so die Gefahr für eine Arterienverkalkung und damit Carotisstenose senken. Auf andere Faktoren haben Sie keinen Einfluss, etwa auf Ihr Alter oder Ihre Gene.

Carotisstenose: Symptome

Die Carotisstenose kann lange Zeit ohne Symptome verlaufen, was sie sehr gefährlich macht. Das erste Anzeichen kann bereits eine Streifung oder auch eine sogenannte transitorisch ischämische Attacke (TIA, schweizerdeutsch: „Schlägli“) sein, wobei es zu einer vorübergehenden Minderdurchblutung im Gehirn kommt. Dauert die komplette Unterbrechung des Blutstroms zu lange, folgt ein Schlaganfall mit ensprechender Narbe im Gerhirn.

Wird eine TIArichtig erkannt und behandelt, kann unter Umständen ein grosser Schlaganfall mit lebensbedrohlichen Folgen verhindert werden, da die Minderdurchblutung des Gehirns nur vorübergehend () besteht. Eine Unterscheidung von Streifung und Schlaganfall ist zum Zeitpunkt des Auftretens der Symptome noch nicht möglich.

Folgende Symptome können zum Beispiel auftreten:

  • Plötzliche Lähmung, meist einseitig, im Gesicht, an Armen oder Beinen oder der gesamten Körperseite
  • Plötzliche Gefühlsstörung im Gesicht, an Armen oder Beinen, oder der gesamten Körperseite
  • Sprachproduktions- oder Verständnisstörung (Aphasie)
  • Verwaschenes Sprechen (Dysarthrie)
  • Plötzliche Sehstörung, z.B. kurze vorübergehende Blindheit auf einem Auge
  • Plötzliche Bewusstseinsstörung

Diagnose Carotisstenose

Abklärungen bezüglich einer Carotisstenose werden am Universitätsspital Zürich entweder bei Verdacht durch die Hausärztin oder den Hausarzt nach Zuweisung oder im Rahmen eines Zufallsbefundes unternommen.

Hinweise für eine Carotisstenose erhalten wir in einem Anamnesegespräch mit Ihnen z.B. mit folgenden Fragen:

  • Sind bei Ihnen oder in Ihrer Familie Herz- oder Gefässerkrankungen vorbekannt?
  • Sind bei Ihnen schon einmal eine plötzliche Lähmung, Gefühls- oder Sehstörung aufgetreten?
  • Sind bei Ihnen Risikofaktoren für Herz- und Gefässerkrankungen bekannt wie z. B. Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder erhöhte Cholesterinwerte?
  • Rauchen Sie? Falls ja: Seit wann und wie viele Zigaretten pro Tag?

Mit einer körperlichen Untersuchung lassen sich weitere Hinweise für eine Carotisstenose finden wie z.B. einen abgeschwächten Puls der Halsschlagader oder ein Strömungsgeräusch über der Halsschlagader, welches mit dem Stethoskop zu hören ist.  Zudem können neurologische Ausfälle die vielleicht vom Patienten selbst nicht bemerkt wurden festgestellt werden.

Besteht der Verdacht auf eine Carotisstenose, kommt bei uns zunächst folgendes Verfahren zum Einsatz:

  • Farbkodierte Duplex-Sonografie: Ultraschalluntersuchung am Hals, bei der sich die Halsschlagadern, Ablagerungen (hart oder weich), Verengungen sowie der Blutfluss darstellen lassen. Es kann ausserdem der Schweregrad einer allfälligen Verengung (Carotisstenose) abgeschätzt werden. Je nach Lokalisation der Engstelle findet man eine Stenose nur wenn man auch die cerebralen Hirnarterien untersucht (transkranielle Duplex-Sonographie)

Konnte eine Carotisstenose diagnostiziert werden und ist eine Behandlung vorgesehen, können noch weitere bildgebende Verfahren zum Einsatz kommen:

  • Magnetresonanztomografie (MRI): Sie erhalten über eine Armvene ein Kontrastmittel verabreicht und im MRI werden Aufnahmen von den Gefässen (MR-Angiografie) und/oder vom Gehirn gemacht. Ein MRI verwendet keine Röntgenstrahlen, sondern starke Magnetfelder, die genaue Schnittbilder ermöglichen.
  • Computertomografie (CT) mit Kontrastmittel welche mit Röntgenstrahlen exakte anatomische Schnittbilder erzeugt.
  • Diagnostische Katheterangiografie mit intraarterieller Injektion von Kontrastmittel.

Ist die Halsschlagader um mehr als 70 Prozent verengt, besteht ein erhöhtes Risiko für einen Schlaganfall. Das Risiko ist zudem deutlich erhöht, wenn Sie schon einmal eine Streifung (TIA) oder einen ischämischen Schlaganfall durchgemacht haben. Dann ist eine Behandlung ratsam, bei der wir die Verengungen beseitigen. Oft lässt sich so ein erster oder erneuter Schlaganfall so verhindern.

Carotisstenose: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Eine Carotisstenose hat ihren Ursprung in der Regel in einer Arteriosklerose. Einige Risikofaktoren begünstigen die Gefässverkalkung. Manche können Sie selber durch einen gesunden Lebensstil beeinflussen. Einige Tipps, wie Sie einer Carotisstenose vorbeugen können:

  • Achten Sie auf einen gesunden Blutdruck. Und wenn Sie Bluthochdruck haben, lassen Sie diesen ausreichend behandeln. Das gilt auch für erhöhte Blutfette und Blutzuckerwerte, welche Sie bei Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt kontrollieren lassen können.
  • Rauchen Sie nicht, und wenn Sie Raucherin oder Raucher sind, versuchen Sie einen Rauchstopp.
  • Vermeiden Sie Übergewicht oder Fettleibigkeit (Adipositas). Versuchen Sie, einige Kilos abzunehmen.
  • Bewegen Sie sich viel im Alltag und treiben Sie Sport, etwa Ausdauersport wie Radfahren, Schwimmen oder Wandern. Gehen Sie zu Fuss statt mit dem Bus oder Tram.
  • Achten Sie auf eine gesunde Ernährung, zum Beispiel viel frisches Obst und Gemüse sowie Vollkornprodukte mit gesunden Ballaststoffen.

Gezielte Massnahmen zur Früherkennung von verengten Halsschlagadern gibt es nicht. Oft entdeckten Ärztinnen und Ärzte die Verengung der Halsschlagadern zufällig im Rahmen einer Routineuntersuchung.

Prognose und Verlauf bei Carotisstenose

Die Prognose und der Verlauf der Carotisstenose sind individuell verschieden. Wenn sie die Ärztin oder der Arzt rechtzeitig entdeckt, ist sie gut behandelbar und die Prognose ist günstig. Anders sieht es aus, wenn die Verengung der Halsschlagader bereits zu einem Schlaganfall geführt hat. Dieser kann schwere Behinderungen zur Folge haben, die den Alltag und die Lebensqualität erheblich einschränken.

Interdisziplinäre Behandlung am USZ

In einem neurovaskulären Board werden alle Fälle interdisziplinär besprochen. Beteiligt sind unter anderem Angiologen, Gefässchirurgen, Neurologen, Neurochirurgen und Neuroradiologen.

Carotisstenose: Behandlung mit oder ohne Operation

Die Verengungen der Halsschlagadern lassen sich mit oder ohne Operation behandeln. Beide Therapien zielen darauf ab, das Risiko eines Schlaganfalls zu senken. Welche Behandlungsstrategie wir nach einer interdisziplinären Besprechung wählen, hängt von dem Ausmass der Verengung, aber auch Ihrem Alter, allgemeinen Gesundheitszustand und Ihren persönlichen Wünschen ab.

Behandelnde Fachbereiche

Klinik für Angiologie

Klinik für Gefässchirurgie

Klinik für Neuroradiologie

Klinik für Nuklearmedizin

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Schlaganfallzentrum Zürich

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