Die international renommierte Geigerin Anne-Sophie Mutter hat am Wochenende die Neonatologie des Universitätsspitals Zürich (USZ) besucht. Dabei erhielt sie Einblicke in die Musiktherapie für Früh- und Neugeborene. Auf ihrer Stradivari spielte sie für Kinder, Eltern und Mitarbeitende ein kleines Konzert.
Ein Aufenthalt auf der Neonatologie stellt Eltern und ihre Kinder oft vor besondere Herausforderungen. Neben der hochspezialisierten medizinischen Versorgung setzt das USZ deshalb auf ergänzende Angebote, die die Entwicklung der jüngsten Patientinnen und Patienten fördern und Familien in dieser anspruchsvollen Zeit unterstützen. Im Rahmen ihres Besuchs tauschte sich Anne-Sophie Mutter mit Fachpersonen und betroffenen Familien über die Rolle von Musik in der Betreuung der Kleinsten aus. Sie spielte auch ein kleines Konzert für die Frühgeborenen. «Es fühlt sich wie eine musikalische Umarmung an», sagt die weltbekannte Geigerin.
Musiktherapie als Teil der Versorgung
Die Musiktherapie gehört an der Klinik für Neonatologie am USZ seit über 10 Jahren zum Betreuungsangebot für Früh- und Neugeborene. Das familienzentrierte und ressourcenorientierte Konzept wurde von der Musiktherapeutin und Forscherin Friederike Haslbeck während der vergangenen 25 Jahre in Praxis und Forschung entwickelt: «Bei einer Frühgeburt werden Kinder früh von vertrauten Sinneseindrücken wie der Stimme der Mutter oder ihrem Herzschlag getrennt. Die Kreative Musiktherapie schafft positive, beruhigende und entwicklungsfördernde Hörerfahrungen und unterstützt gleichzeitig den Aufbau der Beziehung zwischen Eltern und Kind.» Die Interventionen richten sich nach den individuellen Bedürfnissen der Kinder und beziehen die Eltern aktiv ein. Häufig finden sie während des sogenannten «Känguruens» statt, wenn Eltern und Kind engen Hautkontakt haben. Durch das Monochord, ein vibroakustisches Saiteninstrument, das an die tiefen Vibrationen im Mutterleib erinnert, sowie sanftes Summen und Singen im Wiegenliederstil entstehen Klangräume, die entspannen und sich am jeweiligen Zustand des Kindes orientieren.
Forschung zur Wirkung von Musik
Frühgeborene Kinder sind zahlreichen Belastungen ausgesetzt. Gleichzeitig befindet sich ihr Gehirn in einer besonders sensiblen Entwicklungsphase. Deshalb untersucht die Klinik für Neonatologie am USZ in verschiedenen Forschungsprojekten den Einfluss von Musiktherapie auf die neurologische Entwicklung der Kinder, das Wohlbefinden der Eltern und die frühe Beziehungsgestaltung.
Eine randomisiert kontrollierte Studie des Universitätsspitals Zürich zeigte mithilfe von Magnetresonanztomographie (MRT), dass Kreative Musiktherapie die Gehirnentwicklung frühgeborener Kinder positiv beeinflussen kann. Kinder, die während ihres Aufenthalts auf der Neonatologie Musiktherapie erhielten, wiesen zum errechneten Geburtstermin besser ausgebildete Hirnfunktionen auf. Besonders betroffen waren Netzwerke in Hirnregionen, die für Kognition, Verhalten, Emotionen und die motorische Entwicklung von Bedeutung sind.
Die Forschenden verfolgen die Entwicklung der Kinder zudem über die Neugeborenenzeit hinaus bis ins Schulalter. Weitere Projekte untersuchen gemeinsam mit Partnerinstitutionen die Wirksamkeit musikalischer Interventionen für Frühgeborene und ihre Eltern sowie deren Einfluss auf physiologische Prozesse von Eltern und Kind.
Engagement für Frühgeborene und ihre Familien
Der Besuch von Anne-Sophie Mutter stand im Zusammenhang mit ihrem Engagement zugunsten von Frühgeborenen und ihren Familien. Bereits am Vorabend war sie als Solistin bei einem Benefizkonzert im Opernhaus Zürich zugunsten des Vereins «amiamusica» aufgetreten. Das Konzert auf der Neonatologie ist ein historischer Moment, weiss Dirk Bassler, Direktor der Klinik für Neonatologie am USZ: «Musiktherapie auf Weltniveau!»