Was sind Cluster-Kopfschmerzen?
Cluster-Kopfschmerzen gehören zu den schlimmsten bekannten Schmerzformen. Ohne Behandlung sind sie für die Betroffenen kaum auszuhalten. Die Bezeichnung „Cluster“ (englisch für Anhäufung) weist darauf hin, dass die Beschwerden nicht vereinzelt, sondern gebündelt auftreten: Auf beschwerdefreie Zeiten folgen aktive Phasen, die Cluster genannt werden.
Anders als die sehr häufige Migräne, unter der mehr als zehn Prozent der Menschen leiden, gehören Cluster-Kopfschmerzen zu den selteneren Erkrankungen. Nur etwa jeder Tausendste ist von dieser Kopfweh-Variante betroffen. Für die Schweiz bedeutet das: Schätzungsweise 9’000 Einwohner leiden gelegentlich oder häufig an Cluster-Attacken. Bei Männern treten sie etwa doppelt so häufig auf wie bei Frauen. Oft erscheinen die Cluster-Kopfschmerzen zum ersten Mal im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, aber auch in allen späteren Lebensphasen können sie auftreten. Kinder und Jugendliche sind dagegen nur sehr selten betroffen.
Varianten von Clusterkopfschmerzen
Je nachdem, in welchen zeitlichen Abständen die Cluster-Kopfschmerzen auftauchen, werden sie in eine dieser beiden Gruppen eingeteilt:
Episodische Cluster-Kopfschmerzen
Mehr als 80 Prozent der Cluster-Kopfschmerz-Patienten haben nur in bestimmten Phasen Schmerzen; dazwischen befinden sich beschwerdefreie Pausen, die mindestens drei Monate lang anhalten, manchmal sogar jahrelang. Diese grosse Mehrheit der Erkrankten leidet an dieser Variante der Cluster-Kopfschmerzen.
Typische Cluster-Episoden (auch aktive Cluster-Perioden genannt) umfassen einen Zeitraum von durchschnittlich etwa vier bis zwölf Wochen und liegen oft im Frühjahr oder Herbst. Wenn Sie sich in einer solchen aktiven Episode befinden, können die Cluster-Kopfschmerzen unterschiedlich oft auftauchen. Vielleicht haben Sie Glück und erleben nur einen einzelnen Anfall an jedem zweiten Tag. Wenn es weniger gut läuft, drohen täglich bis zu acht Schmerzattacken. Im Schnitt haben die Betroffenen ungefähr eine Attacke pro Tag. Häufig beginnen sie nachts oder in den frühen Morgenstunden und wecken die Betroffen aus dem Schlaf. Zwischen den schmerzhaften Cluster-Phasen liegen oft längere beschwerdefreie Zeiten; sie können über Monate oder sogar Jahre anhalten.
Chronische Cluster-Kopfschmerzen
Es gibt auch Cluster-Kopfschmerz-Patienten, die gar keine oder nur kurze Pausen erleben – bei ihnen kommt es ohne Episoden immer wieder zu Schmerzanfällen. Wenn eine Cluster-Episode länger als ein Jahr andauert oder wenn die Erholungspausen zwischen den Anfällen kürzer als drei Monate sind, spricht man von chronischen Cluster-Kopfschmerzen.
Die episodische Form der Cluster-Kopfschmerzen kann irgendwann in eine chronische Form übergehen; bei rund zehn Prozent aller Betroffenen ist das der Fall. Der umgekehrte Verlauf – chronische Cluster-Kopfschmerzen werden zu einem episodischen Leiden – erfolgt dagegen nur selten.
Symptome: Wie zeigen sich Cluster-Kopfschmerzen?
Typisch für Cluster-Kopfschmerzen sind bohrende oder stechende Schmerzen im Augen-, Stirn- und Schläfenbereich. Die Cluster-Attacken können so heftig sein, dass sie kaum auszuhalten sind – manche Patienten empfinden sie wie einen „Stich mit einem glühenden Messer ins Auge“. Cluster-Kopfschmerzen treten immer einseitig auf. Ein Anfall dauert meist zwischen 15 Minuten und drei Stunden; im Schnitt ca. eine Stunde.
Häufig werden die Schmerzen von weiteren Symptomen begleitet, die sich auf derselben Seite des Gesichts zeigen:
- Gerötetes Auge
- Augentränen
- Hängendes Augenlid
- Geschwollenes Augenlid
- Verstopfte Nase
- Laufende Nase
- Völlegefühl im Ohr
- Schweissbildung an der Stirn
Dazu kommt sehr häufig eine körperliche Unruhe, die für die Erkrankten quälend sein kann. Manche Betroffene laufen umher, schaukeln dabei in ihrer Unruhe mit dem Oberkörper oder schlagen sich auf die heftig schmerzende Stelle im Gesicht – in der Hoffnung, dass der Schmerz nachlässt. Meist erreicht die Schmerzintensität – sofern die Attacke nicht schnell behandelt wird – nach etwa 8 Minuten ihren Höhepunkt.
Ursachen: Wie entstehen Cluster-Kopfschmerzen?
Die Ursache der Clusterkopfschmerzen ist nicht bekannt. Eine wichtige Rolle dürfte der Hypothalamus spielen– eine Schaltzentrale im Zwischenhirn, die unter anderem unsere biologische Uhr und den Schlaf-Wach-Rhythmus regelt. Auch genetische Faktoren spielen offenbar eine Rolle. Cluster-Kopfschmerzen scheinen also zumindest teilweise erblich bedingt zu sein, auch wenn kein einzelnes „Cluster-Kopfschmerz-Gen“ existiert. Daneben soll auch das Rauchen eine mögliche Ursache sein – mindestens zwei Drittel aller Menschen mit Clusterkopfschmerzen rauchen oder haben geraucht.
Triggerfaktoren als Auslöser für Cluster-Kopfschmerz
Manchmal werden Cluster-Kopfschmerzanfälle von äusseren Reizen ausgelöst („getriggert“). Deshalb ist es sinnvoll, bekannte Triggerfaktoren konsequent zu meiden. Da sie nicht die Ursache, sondern nur der Auslöser für die Schmerzattacken sind, werden die Cluster-Kopfschmerzen auch ohne Trigger auftreten ausbleiben, aber die Häufigkeit der Schmerzattacken könnte sinken. Am häufigsten wird der Alkoholkonsum als Auslöser genannt.
In beschwerdefreien Episoden haben die individuell unterschiedlichen Trigger oft keine Auswirkung – was es oft schwierig macht, sie für die Betroffenen zu identifizieren.
Cluster-Kopfschmerz als Folge anderer Erkrankungen
Nicht immer treten Cluster-Kopfschmerzen als primäre (eigenständige) Krankheit auf, sie können in extrem seltenen Einzelfällen auch eine Folge anderer Beschwerden sein. In diesem Fall spricht man von sekundären oder symptomatische Cluster-Kopfschmerzen. Haben Sie schon länger Clusterkopfschmerzen, ist es allerdings sehr unwahrscheinlich, dass Sie die sekundäre Form haben. Wir können Sie gerne hinsichtlich der Abklärungen beraten.
Diagnose: Wie erkennt man Cluster-Kopfschmerzen?
Viele Krankheiten lassen sich mit Hilfe von Blutuntersuchungen im Labor oder mithilfe von bildgebenden Verfahren eindeutig diagnostizieren. Beim Cluster-Kopfschmerz ist das leider nicht möglich. Eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRI) kann aber trotzdem sinnvoll sein, um mithilfe dieser bildgebenden Diagnostik andere Erkrankungen auszuschliessen.
Wenn bei Ihnen der Verdacht besteht, dass Sie an Cluster-Kopfschmerzen leiden, ist Ihre Ärztin oder Ihr Arzt darauf angewiesen, dass Sie Ihre Kopfschmerz-Symptome sowie deren Dauer und Häufigkeit möglichst genau beschreiben. Ein Kopfschmerz-Tagebuch kann dabei eine sinnvolle Hilfe sein und die Diagnose unterstützen. Erst wenn feststeht, ob Sie unter Cluster-Kopfschmerzen oder einer der vielen anderen Kopfschmerz-Arten leiden, kann Ihr Arzt oder Ihre Ärztin gezielt gegen Ihre Schmerzen vorgehen.
Hier können Sie sich allgemein über Kopfschmerzen und deren unterschiedliche Erscheinungsformen informieren:
Therapie: Wie werden Cluster-Kopfschmerzen behandelt?
Cluster-Kopfschmerzen lassen sich nicht heilen, aber es ist möglich, die Häufigkeit und die Intensität der Kopfschmerzanfälle zu vermindern. Bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen gibt es zwei Vorgehensweisen, die sich ergänzen: die akute Kopfschmerz-Therapie während einer Schmerzattacke und die vorbeugende Cluster-Kopfschmerz-Therapie als Prophylaxe, um künftige Schmerzanfälle zu verzögern oder zu erleichtern.
Akute Therapie bei Cluster-Kopfschmerzen
Als wirksame Akutbehandlung von Cluster-Kopfschmerzen hat sich bei vielen Betroffenen die Inhalation von Sauerstoff bewährt. Das geschieht mithilfe einer Gesichtsmaske. Wird zu Beginn des Schmerzanfalls Sauerstoff eingeatmet, kann das die Cluster-Schmerzattacke bei vielen Betroffenen innerhalb von etwa 15 bis 20 Minuten beenden. Die Kosten für diese akute Cluster-Kopfschmerz-Therapie werden von der Krankenkasse übernommen, wenn die Behandlung nach der gesicherten Diagnose ärztlich verordnet wurde.
Ebenfalls zur Cluster-Kopfschmerz-Akuttherapie geeignet sind bestimmte Arzneistoffe aus der Gruppe der Triptane. Sie bewirken im Gehirn eine Verengung der Nervengefässe und beeinflussen die Freisetzung bestimmter Botenstoffe. Häufig wird der unter die Haut gespritzte Wirkstoff Sumatriptan eingesetzt; manchmal wird auch die Substanz Zolmitriptan in Form eines Nasensprays verabreicht, der aber deutlich länger braucht, um die Attacke zu beenden.
Prophylaxe bei Cluster-Kopfschmerzen
Um Cluster-Kopfschmerzen vorzubeugen, wird meist zuerst der Wirkstoff Verapamil verwendet. Entwickelt wurde es zwar als blutdrucksenkendes Medikament; es hat sich aber auch zur Prophylaxe der Clusterkopfschmerzen bewährt. Die Wirkung des Medikaments, das in Form von Tabletten eingenommen wird, tritt nicht sofort ein, sondern frühestens nach sieben bis 14 Tagen; häufig muss die Dosis im Verlauf noch angepasst werden.
Auf keinen Fall sollten Sie versuchen, Cluster-Kopfschmerzen ohne ärztlichen Rat selbst zu behandeln. Gängige Mittel gegen Kopfweh sind bei den heftigen Cluster-Kopfschmerz-Attacken wirkungslos oder brauchen zu lange, bis sie eine Wirkung haben. Wir empfehlen Ihnen, sich von Spezialisten behandeln zu lassen, zum Beispiel in unserer Kopfweh-Sprechstunde. Im USZ erhalten Sie eine kompetente Beratung nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen. Hier arbeiten Experten und Expertinnen verschiedener Fachdisziplinen Hand in Hand, um für Ihre Cluster-Kopfschmerzen die beste Lösung zu finden.
Details zu den Behandlungen