Arthritis – entzündliche Erkrankung der Gelenke

Gelenkschmerzen, Schwellungen und eine eingeschränkte Beweglichkeit: Das sind die typischen Anzeichen der Arthritis. Dieser Name bezeichnet keine einzelne Krankheit, sondern ist der Überbegriff für verschiedene Gelenkerkrankungen. Trotz vielfältiger Arthritis-Ursachen und unterschiedlicher Arthritis-Symptome haben alle Erscheinungsformen eines gemeinsam: Wer von Arthritis betroffen ist, leidet unter einer Entzündung der Gelenke. Eine rechtzeitige und zielgenaue Arthritis-Therapie kann dafür sorgen, dass der Verlauf der schmerzhaften Gelenkentzündung verlangsamt oder sogar gestoppt wird.

Was ist Arthritis?

Der Begriff Arthritis setzt sich aus dem griechischen Wort „arthron“ (Gelenk) und der Endung „-itis“ (Entzündung) zusammen. Neben Arthritis gehört auch Arthrose zur umfangreichen Gruppe der Gelenkerkrankungen. Die beiden Begriffe werden gelegentlich verwechselt. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Arthrose bezeichnet Verschleiss, Arthritis dagegen eine Entzündung.

Da Arthrose durch Abnutzung der Gelenkknorpel entsteht, sind vor allem ältere Menschen betroffen – bei den über 65-jährigen erkrankt sogar die Mehrheit an Arthrose. Mehr über Ursachen, Risikofaktoren, Arthrose-Symptome und die Behandlung von Arthrose finden Sie hier:

 

Anders als Arthrose tritt die entzündliche Gelenkerkrankung Arthritis in jedem Alter auf. Sie kann ein einzelnes Gelenk befallen (dann wird sie Monoarthritis genannt), aber auch mehrere Gelenke (Oligoarthritis) oder viele (wenn es mehr als fünf Gelenke sind, heisst sie Polyarthritis).

Arthritis kann sich auf unterschiedliche Weise und in einer Vielzahl von Arthritis-Formen und -Unterformen zeigen. Hier eine kurze Übersicht über die häufigsten Arthritis-Arten:

Rheumatoide Arthritis

Die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung ist die rheumatoide Arthritis, die früher auch chronische Polyarthritis genannt wurde. Sie gehört zur grossen Gruppe der rheumatischen Erkrankungen. Rheumatismus – kurz Rheuma – gilt als Volkskrankheit Nummer eins: In der Schweiz leiden rund zwei Millionen Menschen daran. Etwa 90’000 von ihnen (rund ein Prozent der Bevölkerung) sind von rheumatoider Arthritis betroffen, Frauen etwa dreimal so häufig wie Männer. Auch Kinder können schon an rheumatoider Arthritis erkranken, aber meist beginnt die Erkrankung im Alter zwischen 40 und 50 Jahren.

Typische Symptome sind: Schmerzen und Schwellungen an den Grundgelenken der Finger und Zehen sowie eine Unbeweglichkeit der betroffenen Gelenke nach dem Aufwachen („Morgensteifigkeit“). Sie kann bis zu einer Stunde andauern. Die Schmerzen der rheumatoiden Arthritis treten oft schubweise auf: Symptomfreie Zeiten und schmerzhafte Tage wechseln sich ab. Wenn Sie an dieser Form der Arthritis leiden, könnte es sein, dass es auch in Ihrer Verwandtschaft Betroffene gibt: Die rheumatoide Arthritis tritt familiär gehäuft auf. Erfahren Sie mehr über rheumatoide Arthritis.

Psoriasis-Arthritis

Sie wird auch psoriatische Arthritis genannt und betrifft Patienten und Patientinnen, die zuvor an Schuppenflechte (Psoriasis) erkrankt waren oder immer noch darunter leiden. Oft tritt die Psoriasis-Arthritis erst viele Jahre nach dem Beginn der Schuppenflechte auf. Befallen sind häufig die Kniegelenke, die Wirbelsäule sowie die Gelenke der Finger und Zehen – aber anders als bei der rheumatoiden Arthritis können bei der psoriatischen Arthritis auch die Endgelenke betroffen sein.

Reaktive Arthritis

Sie wird auch postinfektiöse Arthritis genannt, ist also eine Arthritis, die nach einer Infektion auftritt. Zum Beispiel wenige Tage bis mehrere Wochen nach einer bakteriellen Darminfektion oder Harnröhrenentzündung. Arthritis im Anschluss an eine Entzündung der Harnröhre betrifft oft junge Männer. Die von der reaktiven Arthritis befallenen Gelenke befinden sich meist in der unteren Körperregion; am häufigsten sind Kniegelenke und Fussgelenke betroffen.

Enteropathische Spondyloarthritis

Sie wird auch kurz enteropathische Arthritis genannt oder enteropathische Spondylitis; eine Spondylitis ist die Entzündung von Wirbelkörpern. Diese Form der Arthritis tritt zusammen mit einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung auf, vor allem mit Morbus Crohn oder Colitis ulcerosa. Typische Anzeichen für eine enteropathische Spondyloarthritis sind Schmerzen im unteren Rücken, die vor allem nachts erscheinen. Die Beschwerden beginnen häufig vor dem 45. Lebensjahr und nehmen im Ruhezustand nicht ab.

Spondyloarthritiden

Bei einer Untergruppe von entzündlich-rheumatischen Erkrankungen kann neben den Gelenken auch die Wirbelsäule befallen sein. Zu den Spondyloarthritiden gehören die axiale Spondyloarthritis, die Psoriasisarthritis, die reaktive Arthritis und die Enteropathische Spondyloarthritis.

Axiale Spondyloarthritis

Früher wurde sie auch ankylosierende Spondyloarthritis oder Spondylitis ankylosans genannt („ankylosierend“ heisst versteifend) und war vor allem unter dem Namen Morbus Bechterew bekannt. Der neue Begriff umfasst auch milde Formen. Diese Form der Arthritis befällt die gesamte Wirbelsäule. Wiederkehrende und fortschreitende Entzündungen können im Extremfall zu einer Verknöcherung der Wirbelsäule führen.

Lyme-Arthritis

Sie wird auch Lyme-Borreliose-Arthritis oder Borrelien-Arthritis genannt. Diese Form der entzündlichen Gelenkerkrankung entsteht mehrere Wochen oder Monate nach einem Zeckenstich (oft als „Zeckenbiss“ bezeichnet). Dabei wird der Körper zunächst mit Borrelien infiziert. Wenn sich diese Bakterien auf Gelenke ausbreiten, kann die Borreliose zu einer wiederkehrenden oder dauerhaften (chronischen) Arthritis führen. Die Gelenkentzündung betrifft häufig das Kniegelenk. Im Unterschied zur septischen Arthritis können die Erreger nur indirekt im Gelenk nachgewiesen werden. Bei beiden Erkrankungen müssen zur Behandlung Antibiotika verabreicht werden.

Arthritis urica

Sie wird auch Gichtarthritis oder mikrokristalline Arthritis genannt und ist vor allem unter dem Namen Gicht bekannt. Sie entsteht, wenn sich Harnsäurekristalle in Gelenken ablagern. Oft wird Gicht jedoch weniger als Arthritisform, sondern als eigenständige Erkrankung betrachtet. Sie tritt bei rund zwei Prozent der Bevölkerung auf und betrifft in der Schweiz etwa 150.000 Menschen – ganz überwiegend Männer. Denn Frauen besitzen weibliche Geschlechtshormone, die eine entzündungshemmende Wirkung haben und die Ausscheidung von Harnsäure fördern.

Symptome: Wie zeigt sich Arthritis?

Eine entzündliche Gelenkerkrankung kann plötzlich auftreten und manchmal sind die begleitenden Schmerzen schon nach kurzer Zeit wieder verschwunden. Sie kann sich aber auch schleichend entwickeln und zum dauerhaften Problem werden. Ärztinnen und Ärzte unterscheiden deshalb zwei grundsätzlich unterschiedliche Erscheinungsweisen: die akute Arthritis und die chronische Arthritis:

Akute Arthritis

Das betroffene Gelenk tut sehr weh, ist stark gerötet, angeschwollen und fühlt sich heiss an: Wenn diese Symptome bei Ihnen plötzlich auftreten, deutet das auf eine akute Arthritis hin. Diese Erscheinungsform der Gelenkentzündung hält meist weniger als sechs Wochen an und verschwindet oft von selbst. Manchmal wird die akute Arthritis von Fieber begleitet, und vielleicht fühlen Sie sich auch geschwächt.

Chronische Arthritis

Neben den Gelenkschmerzen und der Gelenkschwellung kommt es bei der chronischen Arthritis zu einem weiteren Arthritis-Symptom: Wenn Sie unter dieser Form einer Gelenkentzündung leiden, empfinden Sie neben den Schmerzen auch eine Steifheit der Gelenke. Die für Arthritis typische Gelenksteifheit zeigt sich vor allem morgens und kann durchaus eine halbe oder sogar ganze Stunde lang anhalten. Häufig tritt die chronische Arthritis in Schüben auf (also wiederkehrend) und hält länger als sechs Wochen an. Sie klingt nicht von selbst ab, sondern erfordert eine wirksame Behandlung.

Ursachen: Wie entsteht Arthritis?

Da es eine Vielzahl von Arthritis-Formen gibt, können auch die Ursachen für Arthritis ganz unterschiedlich sein. Unter anderem kommen für die Entstehung einer Gelenkentzündung Bakterien, Viren, Stoffwechselstörungen und Rheuma infrage. Manchmal sind auch mehrere Entstehungsfaktoren an Arthritis beteiligt.

Das gilt auch für die häufigste Form der entzündlichen Gelenkerkrankungen, für die rheumatoide Arthritis, bei der das eigene Immunsystem an der Entstehung beteiligt ist.

Es identifiziert Teile des eigenen Körpers als fremd und bekämpft sie. Die rheumatoide Arthritis ist deshalb eine Autoimmunkrankheit. Bestimmte Erbfaktoren und Rauchen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Diagnose: Wie lässt sich Arthritis feststellen?

Wenn Sie unter Gelenkschmerzen leiden, ist es wichtig, dass Ihr Arzt oder Ihre Ärztin aus der Vielzahl möglicher Arthritis-Formen die richtige herausfindet, damit sie gezielt behandelt werden kann. Falls es sich überhaupt um eine Arthritis handelt, bei der die medizinische Fachperson eine Gelenkschwellung tastet oder mittels Ultraschalluntersuchung nachweist. Bei Gelenkschmerzen ohne tastbaren Befund spricht man von Arthralgien. Die Arthritis lässt sich in der klinischen Untersuchung und im Ultraschall oder Röntgen von einer Arthrose (Gelenkverschleiss) unterscheiden. Die Arthrose verursacht in der Regel Anlaufschmerzen und wird zwar auch von einer Morgensteifigkeit begleitet, welche jedoch viel kürzer (ca. 15-30 Minuten) als bei einer Arthritis ist (> 1 Stunde).

Ein wichtiges Arthritis-Erkennungsmerkmal ist eine Entzündung der Gelenkinnenhaut. Sie kleidet das Innere der Gelenkkapsel aus, in der die Gelenkflüssigkeit entsteht. Wenn Ihr Arzt oder Ihre Ärztin eine tastbare Schwellung oder einen Druckschmerz über dem Gelenk erkennt, beweist er/sie das Vorliegen einer Arthritis. Verschiedene medizinische Untersuchungen helfen bei der Bestimmung der Arthritis-Form und deren Schweregrades. Dazu gehören

  • Bluttests,
  • Sonographie (Ultraschall) und
  • bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT und MRT.

Ihre Ärztin oder Ihr Arzt wird Sie auch nach möglichen Vorerkrankungen befragen, die als Auslöser für eine Arthritis infrage kommen könnten.

Therapie: Wie wird Arthritis behandelt?

Die Behandlung einer Gelenkentzündung hängt ganz davon ab, welche Ursache der jeweiligen Arthritis zugrunde liegt. Wenn sie zum Beispiel von Bakterien ausgelöst wurde, können Antibiotika für Abhilfe sorgen. Wenn das eigene Immunsystem bei der Entstehung der Arthritis beteiligt ist, müssen Antirheumatika verabreicht werden, welche das Immunsystem regulieren. Vorübergehend kann Kortison eingesetzt werden, das schneller wirkt und die Zeit bis zum Wirkungseintritt der meisten Antirheumatika überbrücken kann. Schmerzstillende Medikamente können die Arthritis-Beschwerden lindern, und Antirheumatika sollen dafür sorgen, dass Knorpel und Knochen erhalten bleiben und die Gelenke nicht deformiert werden.

Aber Medikamente sind nicht alles, wenn es um die Behandlung von Arthritis geht. Um die Beweglichkeit der Gelenke zu erhalten oder zu verbessern, hilft häufig Physiotherapie (Krankengymnastik). Auch Ergotherapie, Thermotherapie (Wärme oder Kälte) sowie Sport nützt vielen Arthritis-Patienten. Unter anderem können Sportarten wie Schwimmen, Aquagymnastik und Nordic Walking geeignet sein. Und wie bei vielen anderen Krankheiten gilt auch bei entzündeten Gelenken: Achten Sie bei Arthritis auf eine gesunde Ernährung und vermeiden Sie möglichst Übergewicht.

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