Frau hält sich mit linker Hand an den Brustkorb

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Schlaganfall: Wenn die Ursache im Herzen liegt

Herz und Gehirn sind enger miteinander verbunden, als viele Menschen vermuten. Tatsächlich können bestimmte Herzerkrankungen einen Schlaganfall auslösen, oft ohne dass Betroffene zuvor Beschwerden bemerken. Im Interview erklärt Prof. Dr. med. Susanne Wegener, Leitende Ärztin der Klinik für Neurologie und Leiterin des Schlaganfallzentrums am USZ, wie Herz und Gehirn zusammenhängen, worauf man achten sollte und wie sich das Schlaganfallrisiko senken lässt.

Viele Menschen denken bei einem Schlaganfall zuerst an das Gehirn. Wie kann das Herz überhaupt die Ursache eines Schlaganfalls sein?

Herz und Gehirn sind über die grossen Blutgefässe direkt miteinander verbunden. Bildet sich im Herzen ein Blutgerinnsel, kann dieses mit dem Blutstrom ins Gehirn gelangen und dort ein Gefäss verschliessen. Die Folge kann ein Schlaganfall sein.

Welche Herzerkrankungen erhöhen das Schlaganfallrisiko besonders häufig und warum?

Eine der häufigsten Ursachen ist Vorhofflimmern, eine Herzrhythmusstörung, die vor allem im höheren Alter auftritt. Dabei schlägt das Herz unregelmässig, wodurch sich Blutgerinnsel bilden können. Gelangen diese ins Gehirn, können sie einen Schlaganfall auslösen. Viele Betroffene erhalten deshalb eine blutverdünnende Behandlung, um das Risiko zu senken.

Vorhofflimmern gilt als eine der wichtigsten Ursachen für herzbedingte Schlaganfälle. Weshalb ist diese Herzrhythmusstörung so tückisch?

Viele Menschen gehen davon aus, dass sie einen unregelmässigen Herzschlag sofort bemerken würden. Das ist jedoch oft nicht der Fall. Vorhofflimmern kann auch nur vorübergehend auftreten und lange unentdeckt bleiben. Deshalb sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. Ab dem 65. Lebensjahr kann ein Routine-EKG helfen, Vorhofflimmern frühzeitig zu erkennen. Wer einen unregelmässigen Puls oder andere Beschwerden bemerkt, sollte dies ärztlich abklären lassen.

Wie finden Ärztinnen und Ärzte heraus, ob ein Schlaganfall seinen Ursprung im Herzen hatte?

Bereits auf der Stroke Unit wird nach der wahrscheinlichen Ursache des Schlaganfalls gesucht. Dazu gehören Untersuchungen des Gehirns und der Hirngefässe mit MRT, CT und Ultraschall. Gleichzeitig wird auch das Herz untersucht, beispielsweise mit einer Echokardiographie und einem Langzeit-EKG. Moderne EKG-Minisensoren ermöglichen heute eine unkomplizierte Herzrhythmusüberwachung über 30 Tage.

Kann man einen herzbedingten Schlaganfall verhindern? Was können Menschen selbst tun, um ihr Risiko zu senken?

Ein gesunder Lebensstil spielt eine wichtige Rolle. Rauchen, Bewegungsmangel, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Blutfettwerte und chronischer Stress erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und damit auch für einen Schlaganfall. Ebenso wichtig sind regelmässige Vorsorgeuntersuchungen, um Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Was möchten Sie den Lesenden mitgeben?

Herz und Gehirn beeinflussen sich gegenseitig stärker, als vielen Menschen bewusst ist. Schlaganfälle können ihren Ursprung im Herzen haben, gleichzeitig können auch Erkrankungen des Gehirns Auswirkungen auf das Herz haben. Es lohnt sich, Herz und Hirn zu trainieren und bei Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einzuholen.

Verantwortliche Fachperson

Susanne Wegener, Prof. Dr. med.

Leitende Ärztin, Klinik für Neurologie

Tel. +41 44 255 55 11
Spezialgebiete: Schlaganfall und Neuroangiologie (Duplexsonographie), Kopfschmerz, Primär- und Sekundärprävention