In den letzten Jahren wurden durchschnittlich zwei Hantavirus Infektionen in der Schweiz diagnostiziert – vermutlich haben sich diese Personen jedoch im Ausland angesteckt. Die Hantavirus Infektion in Europa (siehe unten) verläuft in der Mehrzahl der Fälle beschwerdefrei (70-80%). Bei Patienten und Patientinnen, die an Beschwerden durch das Hantavirus erkranken, kommt es in ca. 30-50% der Fälle zu schweren, manchmal lebensbedrohlichen Verläufen. Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zu Übertragung und Prävention, Symptomen, Diagnose und Behandlung.
Was ist das Hantavirus?
Hantaviren gehören zur Ordnung der Bunyaviridae und kommen weltweit vor. Es gibt über 40 verschiedene Hantavirus-Typen, die je nach Region unterschiedliche Erkrankungen auslösen. Die Hantaviren der «alten Welt» kommen in Europa und Asien vor. In Europa sind vor allem die Puumala- und Dobrava-Viren relevant. Diese Viren werden von Nagetieren oder deren Ausscheidungen (z. B. Rötelmäusen, Waldmäusen) übertragen und können beim Menschen das hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom (HFRS) verursachen.
Die Hantaviren der «neuen Welt» kommen in Nord- und Südamerika vor. Es gibt z.B. das Sin Nombre oder das Andes Virus. Hantaviren der «neuen Welt» verursachen primär das Hantavirus-Pulmonale Syndrom (HPS). Die Erkrankung verläuft häufig fulminant und hat eine hohe Letalität.
Übertragung: Wie infiziert man sich mit dem Hantavirus?
Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich durch:
- Einatmen von virushaltigem Staub (z. B. beim Reinigen von Scheunen, Holzschuppen oder Kellern, die von Nagetieren bewohnt werden)
- Direkten Kontakt mit Nagetierkot, -urin oder -speichel (z. B. beim Berühren kontaminierter Gegenstände)
- Bisse von infizierten Nagetieren (sehr selten)
- Engen Kontakt mit Hantavirus infizierter Person (ausschliesslich bei Hantavirusinfektionen (Sub-Typ: Andes) aus der «neuen Welt»; siehe unten)
Risikogruppen:
- Forst- und Landwirte
- Jäger/Jägerinnen
- Camper und Wanderer
- Personen, die in Endemiegebieten leben oder dort Holz lagern
Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist extrem selten und nur für bestimmte Varianten dokumentiert, z. B. das Andes-Virus in Südamerika. In diesen Fällen erfolgt die Ansteckung vermutlich über enge Kontakte mit Körperflüssigkeiten infizierter Personen. In Europa und der Schweiz gibt es keine bestätigten Fälle einer direkten Übertragung zwischen Menschen.
Symptome: Wie äussert sich eine Hantavirus-Infektion?
Die Inkubationszeit beträgt ein bis sieben Wochen. Die Symptome verlaufen oft in zwei Phasen, wobei sich die Krankheitsbilder der zweiten Phase, je nachdem, welcher Stamm die Infektion auslöst, stark unterscheiden.
Phase1 : Grippale Symptome
Am Anfang fühlen sich viele Betroffene erst einmal wie bei einer starken Grippe. Die Erkrankung beginnt meist plötzlich mit hohem Fieber, Schüttelfrost, Kopf- sowie Rücken- und Bauchschmerzen, Müdigkeit und Schwäche. Häufig kommen Übelkeit, Erbrechen, Schwindel, Benommenheit und gelegentlich Sehstörungen.
Phase 2: Nierenbeteiligung (HFRS)
Bestimmte Hantavirus-Typen vor allem aus Europa und Asien lösen in einer zweiten Phase die Erkrankung «hämorrhagische Fieber mit renalem Syndrom» (HFRS) aus, bei der vor allem die Nieren betroffen sind.
Es kommt zu einem Blutdruckabfall und zu einer Einschränkung der Nierenfunktion. Bei schweren Verläufen drohen akutes Nierenversagen, Schock und weitere Komplikationen. Selten kommt es zu Blutungen an Haut und Schleimhäuten. HFRS kann bei schweren Verläufen lebensbedrohlich werden. Entscheidend sind eine frühe Diagnose und engmaschige medizinische Überwachung.
Bei Verdacht auf HFRS sollte deshalb frühzeitig ärztlicher Rat eingeholt werden – vor allem dann, wenn nach möglichem Nagetierkontakt Fieber, starke Schmerzen oder Beschwerden beim Wasserlassen auftreten.
Phase 2: Hantavirus-Pulmonale Syndrom (HPS)
Das Hantavirus-Pulmonale Syndrom (HPS) ist eine seltene, aber potenziell lebensbedrohliche Erkrankung der Atemwege. Verursacht wird sie vor allem durch Hantaviren aus Nord- und Südamerika (z.B. Sin-Nombre-Virus, Andes-Virus). Nach der ersten Phase mit grippalen Symptomen kann sich der Zustand plötzlich deutlich verschlechtern. Es kommt zu Atemnot, da sich Flüssigkeit in der Lunge ansammelt. In dieser Phase spricht man vom eigentlichen pulmonalen Syndrom. Ohne rasche intensivmedizinische Behandlung kann HPS zu Atemversagen führen. Entscheidend sind bei HPS eine frühe Erkennung und eine sofortige intensivmedizinische Behandlung.
Durch globale Mobilität und Umweltveränderungen muss auch in der Schweiz bei entsprechender Exposition und Klinik an Hantavirus bedingte Erkrankungen gedacht werden.
Diagnose: Wie wird die Infektion nachgewiesen?
Vor allfälligen Bluttests fragt der Arzt/Ärztin nach einer möglichen Exposition (siehe oben „Übertragung: wie infiziert man sich“). Bei fehlender Exposition ist eine Hantavirus Infektion eigentlich ausgeschlossen.
Ist eine Exposition möglich gewesen, braucht es nunmehr Blutteste. Die Diagnose einer Hantavirus-Infektion wird durch den direkten Nachweis von Hantaviren im Blut, Sekret der oberen Luftwege oder Urin (molekularbiologisch) oder durch den Nachweis von Hanta-spezifischen Antikörper gestellt.
Hantavirus Behandlung: Therapieoptionen
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen Hantavirus. Die Behandlung richtet sich nach Symptomen und Schweregrad – fiebersenkende Mittel wie Paracetamol lindern Fieber und Schmerzen, während bei Nierenproblemen oder Atemnot intensivmedizinische Massnahmen wie Dialyse, Sauerstoffgabe oder Beatmung notwendig sein können
Prognose
Die meisten Patientinnen erholen sich vollständig. Die Sterblichkeit ist abhängig vom Erreger. Während z.B. bei einer Puumala-Infektion die Sterblichkeit in Europa bei unter 1% liegt, ist sie bei
Andes-Virus bedingter Erkrankung um ein Vielfaches höher. Eine frühzeitige und intensivmedizinische Behandlung verbessert die Chancen für das Überleben erheblich.
Vorbeugung: Wie kann man sich schützen?
Da es keinen Impfstoff gegen Hantavirus gibt, ist die Expositionsprophylaxe entscheidend:
- Fernhalten von Nagetieren in der Wildbahn: Lebensmittel sicher lagern, Müll entsorgen, Gebäude abdichten
- Schutz beim Reinigen von Arealen mit möglichem Nagetierbefall: Handschuhe tragen, Atemschutzmaske (FFP2) bei möglichem Aufwirbeln von Staub. Räume vorher gut lüften, Flächen befeuchten, damit kein Staub aufgewirbelt wird.
Häufige Fragen zum Hantavirus
Ja, seit 2016 ist das Hantavirus in der Schweiz meldepflichtig. Ärztinnen und Ärzte müssen Verdachts-, Erkrankungs- und Todesfälle dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) melden.
Nein, nach einer durchgemachten Infektion besteht lebenslange Immunität gegen den jeweiligen Virustyp
Hantaviren können in getrocknetem Nagetierkot oder -urin mehrere Wochen bis Monate infektiös bleiben.
Für die Hantaviren, die in Europa vorkommen, gibt es bisher keine bestätigten Fälle einer direkten Übertragung von Mensch zu Mensch. Mensch-zu-Mensch Übertragungen sind für das Andes-Virus (Südamerika, v. a. Argentinien und Chile) dokumentiert. In diesen Fällen erfolgte die Ansteckung vermutlich durch enge Kontakte mit Körperflüssigkeiten (z. B. Blut, Speichel) infizierter Personen, etwa innerhalb von Familien oder im Gesundheitswesen.