Herzzentrum Zürich
Täglich schlägt unser Herz rund 100'000 Mal. Es ist das einzige Organ, das wir spüren. Das Herz bildet das Zentrum des Herz-Kreislauf-Systems und versorgt Organe und Gewebe kontinuierlich mit Blut – und damit mit lebensnotwendigem Sauerstoff und Nährstoffen. Herz-Kreislauerkrankungen verbleiben weiterhin weltweit die häufigste Todesursache.
Das menschliche Herz ist ein etwa faustgrosses, muskuläres Hohlorgan, das als zentrale Pumpe des kardiovaskulären Systems fungiert. Es liegt im Brustkorb, leicht nach links versetzt, geschützt hinter dem Brustbein (Sternum) und eingebettet zwischen den beiden Lungenflügeln. Das Herz ist von einer schützenden Hülle, dem Herzbeutel (Perikard), umgeben. Diese doppelschichtige Struktur enthält eine geringe Menge Flüssigkeit, die Bewegungen erleichtert und Reibung zwischen Herz und umliegendem Gewebe minimiert.

Aufbau des Herzens
Seine Struktur gliedert sich in vier Kammern, die durch Trennwände voneinander separiert sind:
Die Vorhöfe fungieren als Sammelstation für das ankommende Blut, während die Herzkammern die eigentliche Pumpleistung übernehmen. Damit das Blut immer in die richtige Richtung fliesst, sind zwischen den Vorhöfen und Kammern sowie zwischen den Kammern und den grossen Arterien vier Herzklappen eingebaut, die als Ventile fungieren. Sie öffnen sich, wenn das Blut weiterfliessen soll, und schliessen sich wieder, um einen Rückstrom zu verhindern.
Die Segelklappen verhindern, dass das Blut zurück in die Vorhöfe fliesst, während die Taschenklappen sicherstellen, dass das Blut nicht in die Herzkammern zurückströmt. Sie bestehen aus dünnem Bindegewebe, das sich aufgrund von Druckunterschieden öffnet und schliesst.
Das Herz ist durch eine vertikale Scheidewand (Septum) in eine rechte und eine linke Hälfte getrennt. Diese Trennung ist essenziell für die Funktion des Herz-Kreislauf-Systems, da sie verhindert, dass sauerstoffreiches und sauerstoffarmes Blut sich vermischen.
Die Herzwand besteht aus drei Schichten: Endokard (innen, Auskleidung der Herzhöhlen), Myokard (Mitte, Herzmuskelschicht für die Kontraktion) und Epikard (aussen, Teil des Herzbeutels, Einbettung der Herzkrankgefässe ). Zusammen bilden sie die funktionelle Struktur des Herzens.
Damit das Herz selbst mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird, ist es auf ein eigenes Gefässsystem angewiesen – die Herzkranzgefässe. Sie entspringen der Aorta und verlaufen im Bereich des Epikards.
Kommt es zu einer Verengung oder Blockade dieser Arterien, wird die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels beeinträchtigt, was zu einer Minderdurchblutung (Ischämie) führen kann – eine der Hauptursachen für Erkrankungen wie die koronare Herzkrankheit oder einen Herzinfarkt.
Das Herz arbeitet zwar autonom, wird jedoch durch das vegetative Nervensystem beeinflusst. Der Sinusknoten, der sich im rechten Vorhof befindet, dient als natürlicher Schrittmacher des Herzens und erzeugt elektrische Impulse, die die rhythmische Kontraktion der Herzmuskulatur auslösen. Diese Impulse breiten sich über das Reizleitungssystem aus und sorgen für eine koordinierte Pumpbewegung des Herzens. Der Sympathikus kann die Herzfrequenz bei körperlicher Belastung erhöhen, während der Parasympathikus in Ruhephasen für eine Senkung der Frequenz sorgt.
All diese Strukturen arbeiten perfekt zusammen, damit das Herz seine lebenswichtige Aufgabe erfüllen kann: die kontinuierliche Zirkulation von sauerstoffreichem Blut im gesamten Körper.
Das Herz arbeitet ununterbrochen als leistungsstarke Pumpe, die den Blutkreislauf aufrechterhält und so den gesamten Körper mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt. Diese Pumpfunktion erfolgt in einem kontinuierlichen Kreislauf aus zwei Hauptsystemen: dem Lungenkreislauf (kleiner Kreislauf) und dem Körperkreislauf (grosser Kreislauf). Beide Kreisläufe sind eng miteinander verbunden und gewährleisten eine effektive Sauerstoffversorgung der Organe.
Jeder Herzschlag besteht aus einer Systole (Kontraktionsphase) und einer Diastole (Erschlaffungsphase). Während der Systole zieht sich der Herzmuskel zusammen und pumpt das Blut aus den Kammern, während das Herz in der Diastole erschlafft und sich mit neuem Blut füllt.
Der Blutfluss durch das Herz erfolgt in einer genau definierten Reihenfolge. Zunächst gelangt das sauerstoffarme Blut aus dem Körperkreislauf über die obere und untere Hohlvene in den rechten Vorhof. Von dort fliesst es über die Trikuspidalklappe in die rechte Herzkammer, die es durch die Pulmonalklappe in die Lungenarterie pumpt. In der Lunge nimmt das Blut Sauerstoff auf und gibt Kohlendioxid ab, bevor es über die Lungenvenen in den linken Vorhof gelangt. Anschliessend passiert es die Mitralklappe und wird von der kräftigen linken Kammer durch die Aortenklappe in die Aorta gepumpt, die das Blut in den Körperkreislauf verteilt. Dementsprechend wird zwischen Lungenkreislauf und den Körperkreislauf unterschieden.
Jeder Herzschlag wird durch eine elektrische Erregung gesteuert, die vom Sinusknoten, dem natürlichen Taktgeber des Herzens, ausgeht. Der Sinusknoten befindet sich im rechten Vorhof und sendet elektrische Impulse aus, die über das Erregungsleitungssystem weitergeleitet werden. Diese Impulse breiten sich über den AV-Knoten (Atrioventrikularknoten), das His-Bündel, die Tawara-Schenkel und die Purkinje-Fasern aus und sorgen für eine geordnete Kontraktion des Herzmuskels.
Die Herzfrequenz wird durch das vegetative Nervensystem reguliert. Während der Sympathikus die Herzfrequenz erhöht, um den Körper auf Stress oder körperliche Aktivität vorzubereiten, sorgt der Parasympathikus in Ruhephasen für eine Verlangsamung der Herzschläge. Dadurch kann das Herz seine Leistung flexibel an den Bedarf des Körpers anpassen.
Durch dieses fein abgestimmte Zusammenspiel aus mechanischen und elektrischen Prozessen sorgt das Herz für eine zuverlässige Blutversorgung und gewährleistet, dass Sauerstoff und Nährstoffe in jede Körperzelle gelangen.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigsten Todesursachen Weltweit – jährlich sterben über 20’000 Menschen in der Schweiz daran. Nicht nur der Lebensstil hat einen Einfluss auf die Herzgesundheit, auch genetische Veranlagung und angeborene Herzkrankheiten oder Menschen spielen bei Entwicklung von Herzkrankheiten eine Rolle.
Alle Krankheitsbilder zum Thema HerzHerzprobleme können sich auf verschiedene Arten bemerkbar machen: Rast der Puls, verändert sich die Herzfrequenz, schmerzt der Brustkorb, nimmt die Leistungsfähigkeit ab, oder leidet man plötzlich an Kurzatmigkeit. Die Liste der Symptome bei Herzerkrankungen ist lang und kann sämtliche Teile des Herzens betreffen. Machen sich Anzeichen bemerkbar, sollte man sich schnell von einer Ärztin oder einem Arzt abklären lassen. Es ist wichtig, Herzprobleme ernst zu nehmen und eine gründliche Untersuchung durchführen zu lassen, um die Ursache zu klären und gegebenenfalls die richtige Behandlung einzuleiten.
Gut zu wissen: Symptome für ein und dieselbe Erkrankung können bei Mann und Frau, jedoch auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein.
Am USZ verfügen wir über Expertise für jegliche Art von Herzkrankheiten mit ausgewiesenen Spezialistinnen und Spezialisten. Dank der jahrelangen Erfahrung mit und interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Kardiologie und Herzchirurgie sind wir in der Lage bestmögliche Diagnostik und Therapie anzubieten. Bei Bedarf werden weitere Fachgebiete des USZ oder das Kinderspital Zürich beigezogen.
Schon 1977 hat Andreas Grüntzig am USZ den Herzkatheter erfunden und das erste Mal eingesetzt. Am USZ forschen darüber hinaus zahlreiche Menschen rund um das Herz und dessen Erkrankungen. Auch heute arbeiten wir stetig an Innovationen rund ums Thema Herz. Wir verfügen nicht nur über Herzspezialistinnen und –spezialisten bei den Ärzten, sondern auch in der Pflege – mit eigenen spezialisierten Sprechstunden.
Ein gesundes Herz ist der Schlüssel zu einem langen und aktiven Leben. Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen durch beeinflussbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck, hohe Cholesterinwerte, Diabetes, Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel und Stress. Durch gezielte Prävention lässt sich ein Grossteilaller Herzinfarkte und Schlaganfälle vermeiden. Die folgenden Massnahmen helfen das Risiko für Erkrankungen zu senken.
Eine herzfreundliche Ernährung ist essentiell, um Gefässverkalkungen (Arteriosklerose) vorzubeugen und den Blutdruck sowie den Cholesterinspiegel zu regulieren. Besonders empfohlen wird eine mediterrane Ernährung, die reich an ungesättigten Fettsäuren, Ballaststoffen und Antioxidantien ist.
Bewegung ist einer der wichtigsten Faktoren für eine gute Herzgesundheit, da sie das Herz stärkt, den Blutdruck reguliert und die Durchblutung verbessert.
Rauchen ist einer der grössten Risikofaktoren für Herzkrankheiten, da es die Blutgefässe schädigt, den Blutdruck erhöht und das Risiko für Arteriosklerose steigert. Bereits wenige Monate nach einem Rauchstopp verbessert sich die Durchblutung, und das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall sinkt erheblich.
Bluthochdruck (Hypertonie) und erhöhte Cholesterinwerte gehören zu den häufigsten Ursachen für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Eine regelmässige Kontrolle kann helfen, frühzeitig gegenzusteuern.
Dauerhafter Stress kann die Herzgesundheit stark belasten, da er den Blutdruck erhöht und Entzündungsprozesse im Körper fördert. Um das Herz zu schützen, ist es wichtig, Stress aktiv zu reduzieren.
Viele Herzkrankheiten entwickeln sich schleichend und bleiben lange unbemerkt. Regelmässige Gesundheitschecks helfen, Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.
Indem man aktiv auf seine Herzgesundheit achtet und vorbeugende Massnahmen ergreift, kann man das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen deutlich reduzieren. Ein herzgesunder Lebensstil lohnt sich – für mehr Vitalität und ein langes, gesundes Leben.
Würden die insgesamt acht beeinflussbaren Risikofaktoren Hypercholesterinämie, Nikotinmissbrauch, Stress, arterielle Hypertonie, Übergewicht, Diabetes mellitus, Bewegungsmangel und ungesunde Ernährung kontrolliert, könnten über 90 Prozent aller Herz- und Hirninfarkte verhindert werden. Auch nach einem Herzinfarkt ist die sogenannte Sekundärphrophylaxe wichtig, damit es nicht nochmals zum Infarkt kommt.
Das Herz wird vor allem durch Bluthochdruck, Rauchen, Bewegungsmangel, ungesunde Ernährung, Stress und Übergewicht belastet. Auch chronische Entzündungen und hohe Cholesterinwerte können die Gefässe schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Das Herz-Kreislauf-System sorgt für die ständige Versorgung der Organe mit Sauerstoff und Nährstoffen. Das Herz pumpt sauerstoffarmes Blut in die Lunge, wo es mit Sauerstoff angereichert wird. Anschliessend gelangt es zurück zum Herzen und wird in den Körperkreislauf gepumpt, um Gewebe und Organe zu versorgen.
Ein spürbares Herzklopfen (Palpitationen) kann verschiedene Ursachen haben, darunter Stress, körperliche Anstrengung, Koffein, Alkohol oder hormonelle Schwankungen. In manchen Fällen können auch Herzrhythmusstörungen oder ein erhöhter Blutdruck dahinterstecken.
Tiefes, langsames Atmen, Meditation und Entspannungstechniken wie Yoga können helfen, das Nervensystem zu beruhigen und den Herzschlag zu normalisieren. Auch eine Reduzierung von Koffein, Alkohol und Stress kann das Herz entlasten. Falls das Herzklopfen häufig auftritt, sollte eine ärztliche Abklärung erfolgen.
Das sauerstoffarme Blut gelangt aus dem Körper über die Hohlvenen in den rechten Vorhof und von dort in die rechte Herzkammer. Von dort wird es über die Lungenarterie in die Lunge gepumpt, wo es Sauerstoff aufnimmt. Das sauerstoffreiche Blut fliesst dann über die Lungenvenen in den linken Vorhof, passiert die linke Herzkammer und wird schliesslich über die Aorta in den Körperkreislauf gepumpt.
Aspirin kann bei bestimmten Personen das Risiko für Blutgerinnsel und Herzinfarkte senken, wird aber nicht für jeden empfohlen. Bei gesunden Menschen ohne Vorerkrankungen kann die regelmässige Einnahme sogar schädlich sein. Eine ärztliche Beratung ist daher notwendig, bevor Aspirin zur Prävention eingenommen wird.
Ja, das Herz von Frauen ist im Durchschnitt kleiner als das von Männern und schlägt in Ruhe oft etwas schneller. Frauen haben zudem schmalere Herzkranzgefässe, wodurch Herzkrankheiten bei ihnen oft schwerer zu diagnostizieren sind. Symptome eines Herzinfarkts können sich bei Frauen von denen der Männer unterscheiden.
Ein normaler Ruhepuls liegt bei Erwachsenen zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute. Bei trainierten Sportlern kann er jedoch auch unter 50 Schläge pro Minute liegen, während Stress oder Anstrengung den Puls kurzfristig erhöhen können. Ein dauerhaft erhöhter oder sehr niedriger Puls sollte ärztlich abgeklärt werden.
Typische Anzeichen für Herzprobleme sind Brustschmerzen, Atemnot, Herzstolpern, starke Müdigkeit, Schwindel oder Wassereinlagerungen in den Beinen. Auch unspezifische Symptome wie Übelkeit oder Schmerzen im Oberbauch können auf eine Herzerkrankung hinweisen, insbesondere bei Frauen.
Besonders gefährlich sind Herzinfarkt, plötzlicher Herztod, schwere Herzrhythmusstörungen und Herzinsuffizienz. Auch eine unbehandelte koronare Herzkrankheit kann langfristig zu lebensbedrohlichen Komplikationen führen. Eine frühzeitige Diagnose und Therapie sind entscheidend.