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Angina pectoris und koronare Herzkrankheit

Erkrankung der Herzkranzgefässe, Angina pectoris

Bei einer koronaren Herzkrankheit verengen oder verschliessen sich die Herzkranzgefässe. Dadurch entsteht ein Sauerstoffmangel im Herzmuskelgewebe, der Beschwerden wie Schmerzen hervorruft und das Herz schädigen kann. Eine Koronare Herzkrankheit ist nicht heilbar. Angina Pectoris gehört zu den häufigsten Symptomen einer Koronaren Herzerkrankung.

Aber mit der richtigen Behandlung können betroffene Personen eine ähnliche Lebensqualität haben wie gesunde Menschen. Das wichtigste ist ein gesunder Lebensstil. Damit können Sie nicht nur das Erkrankungsrisiko senken, sondern auch bei einer bereits bestehenden Koronaren Herzkrankheit die Beschwerden lindern und gefährlichen Folgen vorbeugen.

Überblick: Was ist eine koronare Herzkrankheit?

Bei einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) wird der Herzmuskel nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ursache dafür sind verengte Herzkranzgefässe (Koronararterien). Typische Anzeichen sind zum Beispiel ein Engegefühl und Schmerzen hinter dem Brustbein, die bei Belastung auftreten (auch Angina pectoris, also Herzenge genannt). Mögliche Folgen einer Koronaren Herzkrankheit können Herzrhythmusstörungen, Herzschwäche, Herzinfarkt oder im schlimmsten Fall ein plötzlicher Herztod sein. Da die verengten Gefässe oft infolge einer Arterienverkalkung auftreten, kann ein ungünstiger Lebensstil (z.B. mit Rauchen, Bewegungsmangel, falscher Ernährung, Übergewicht etc.) die Entstehung einer Koronaren Herzkrankheit fördern.

Koronare Herzkrankheit – Alter und Häufigkeit

Tatsächlich gehört die Koronare Herzkrankheit zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die am häufigsten auftreten. Besonders gefährdet sind Männer, die älter als 45 Jahre sind sowie Frauen über 55 Jahre. Neben dem Lebensalter hat zudem das Geschlecht einen Einfluss auf das Erkrankungsrisiko: In der Schweiz liegt es bei 23 Prozent für Männer und bei 18 Prozent für Frauen. Die Koronare Herzkrankheit zählt zu den häufigsten Todesursachen in den westlichen Industrieländern.

Koronare Herzkrankheit: Ursachen und Risikofaktoren

Die Herzkranzgefässe, auch Koronararterien genannt, versorgen den Herzmuskel mit frischem Blut bzw. Sauerstoff. Manchmal verengen sich die Herzkranzgefässe oder werden komplett verschlossen. Fachleute sprechen in so einem Fall von „Koronarer Herzkrankheit“. In den meisten Fällen ist eine sogenannte Arteriosklerose (Arterienverkalkung) die Ursache. Dabei lagern sich Cholesterin und Calcium in sogenannten „Plaques“ an den Gefässwänden ab. Durch die Plaques verengen sich die Gefässe, sodass nicht mehr ausreichend Blut hindurchfliessen kann. Die Folge: Der Herzmuskel wird nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Vor allem bei Belastung spüren betroffene Personen die typischen Beschwerden. Im Laufe der Zeit verengen die Gefässe immer mehr und die Symptome können sich auch bei geringer Belastung oder in Ruhe zeigen. Im schlimmsten Fall entwickelt sich ein kompletter Gefässverschluss und führt zu einem Herzinfarkt.

Diese Risikofaktoren gibt es

Verschiedene Faktoren können das Risiko beeinflussen, eine Koronare Herzkrankheit zu entwickeln. Zum einen ist die Krankheit eine Folge des Alterns. Zum anderen gibt es auch eine familiäre Veranlagung. Darüber hinaus spielt der Lebensstil eine grosse Rolle für das Erkrankungsrisiko. Rauchen, Übergewicht (vor allem eine ungünstige Fettverteilung mit einer Ansammlung von eingelagertem Fett in der freien Bauchhöhle), Stress und Bewegungsmangel fördern die Entstehung einer Koronaren Herzkrankheit. Auch Grunderkrankungen wie ein hoher Blutdruck, ein hoher Cholesterinspiegel, eine Fettstoffwechselstörung und eine schlecht eingestellte Zuckerkrankheit (Diabetes) sind ungünstig.

Symptome: Anfallsartiger Brustschmerz ist typisch

Je nachdem wie ausgeprägt die Verengung ist und wo sich die verengte Stelle in den Herzkranzgefässen befindet, kommt es zu mehr oder weniger starken Beschwerden. Typische Anzeichen für eine Koronare Herzkrankheit, die unter dem Fachbegriff „Angina pectoris“ zusammengefasst werden, sind anfallsartige Schmerzen oder ein Brennen hinter dem Brustbein. Die Schmerzen können dabei auf weitere Bereiche des Körpers ausstrahlen wie beispielsweise in die Arme bis zu den Fingerspitzen und manchmal auch in die Schulterblätter, in den Hals, in den Rücken, in den Oberbauch oder in den Unterkiefer. Auch ein Engegefühl in der Brust ist charakteristisch.

Bei einer sogenannten stabilen Angina pectoris treten die Symptome in der Regel auf, wenn der Herzmuskel unter Belastung steht und mehr Sauerstoff braucht. Das kann zum Beispiel bei Stress oder körperlicher Anstrengung, aber auch durch äussere Einflüsse wie zum Beispiel Kälte oder nach schweren Mahlzeiten passieren. Normalerweise klingen die Beschwerden nach wenigen Minuten wieder ab, sobald die Belastung aufhört oder der Erkrankte Nitroglyzerin einnimmt.

Bei der sogenannten instabilen Angina pectoris dagegen kommt es in Ruhe, nachts im Schlaf oder generell ohne erkennbaren Auslöser zu Problemen. Typisch ist auch, dass die Beschwerden zum Beispiel immer länger andauern (mehr als 15 Minuten), immer öfter auftreten oder mit jedem Mal stärker werden. Auch Nitro-Präparate bringen keine Besserung. Zusätzlich können Atemnot, Übelkeit, Schwindel, Schwitzen und Todesangst auftreten. Vorsicht: Die instabile Angina pectoris ist sehr oft ein Vorläufer für einen Herzinfarkt. Sollten Sie die beschriebenen Symptome bei sich feststellen, zögern Sie nicht und rufen Sie sofort den Rettungsdienst (144).

Neben diesen beiden Hauptformen der Angina pectoris gibt es weitere Formen, die aber eher selten auftreten (z.B. Syndrom X bzw. mikrovaskuläre Angina pectoris, Prinzmetal-Angina).

Angina pectoris: Symptome bei Frauen

In vielen Fällen äussern sich die Symptome einer Angina pectoris bei Frauen anders als bei Männern. Frauen leiden vor allem an untypischen Beschwerden wie Kurzatmigkeit, Übelkeit, Erschöpfung und Magenproblemen. Schmerzen in der Brust sind selten bis gar nicht vorhanden. Daher kommt es vor, dass eine Angina pectoris bei Frauen häufig unentdeckt bleibt.

Angina pectoris ohne Symptome

Mitunter kann es vorkommen, dass eine Angina pectoris fast gar keine Symptome verursacht. Die sogenannte stumme Angina pectoris tritt vor allem bei Menschen auf, die an Diabetes erkrankt oder älter sind. Auch hier ist die Gefahr gross, dass die Koronare Herzkrankheit übersehen und nicht behandelt wird.

Diagnose Koronare Herzkrankheit

Bei Verdacht auf eine Koronare Herzerkrankung führen wir zuerst ein ausführliches Gespräch mit Ihnen (Anamnese). Dabei fragen wir nicht nur nach möglichen Beschwerden, wir interessieren uns auch für Informationen wie diese:

  • Rauchen Sie?
  • Treiben Sie regelmässig Sport?
  • Wie ernähren Sie sich?
  • Haben Sie Stress?
  • Haben Sie zusätzliche Beschwerden wie etwa hohen Blutdruck, erhöhte Blutfettwerte, eine Fettstoffwechselstörung oder Diabetes?
  • Gibt es in Ihrer Familie Fälle von Koronarer Herzkrankheit?
  • Haben oder hatten Sie in der Vergangenheit Probleme mit dem Herz?

Nach dem Gespräch folgt in der Regel die körperliche Untersuchung. Dabei messen wir Ihren Blutdruck, hören Lunge und Herz ab, entnehmen Blut zur weiteren Analyse und untersuchen mitunter auch Ihren Brustkorb. Damit können wir ausschliessen, dass zum Beispiel Verspannungen Beschwerden wie Schmerzen hinter dem Brustbein auslösen. Zudem stehen eine Reihe weiterer diagnostischer Massnahmen zur Verfügung, die den Verdacht auf eine Koronare Herzkrankheit erhärten können.

Weitere diagnostische Massnahmen

Elektrokardiogramm (EKG) bei Angina pectoris

Mithilfe des Elektrokardiogramms (EKG) können wir die Funktion Ihres Herzens genauer untersuchen. Elektroden, die an der Haut befestigt werden, messen dabei die Herzströme und zeichnen diese auf. Neben dem Ruhe-EKG, das die Basis-Herzströme aufzeichnet, gibt es zum Beispiel auch das Belastungs-EKG. Hier fahren Sie während der Messung auf einem Fahrrad-Ergometer. Liegt eine Koronare Herzkrankheit vor und kommt es während der körperlichen Bewegung zu einem Sauerstoffmangel im Herzmuskel, zeigt sich das in der aufgezeichneten Kurve. Darüber hinaus ist es auch möglich, Herzströme durchgehend 24 Stunden zu messen (Langzeit-EKG). Hier können wir feststellen, ob und wann bei Ihnen ein Sauerstoffmangel im Alltag beziehungsweise nachts auftritt.

Echokardiografie bei Angina pectoris

Beim sogenannten Herzultraschall können wir mithilfe von Ultraschallwellen Ihr Herz bildlich darstellen. Damit lässt sich zum Beispiel die Grösse des Herzmuskels, seine Bewegung und Pumpfunktion näher beurteilen. Es kann in Ruhe oder während körperlicher Anstrengung durchgeführt werden. Bei der Belastungs-Echokardiografie liegen Sie während der Untersuchung halb auf einem Fahrrad-Ergometer. Ist dies nicht möglich, können wir die Belastung auch durch Medikamente auslösen. Diese wirken wie Stresshormone und sorgen dafür, dass das Herz schneller schlägt.

Koronarangiografie bei Angina pectoris

Bei einer Angiografie untersuchen wir die Gefässe mithilfe eines Röntgengerätes. Dazu schieben wir einen dünnen, flexiblen Plastikschlauch (Katheter) über eine Arterie an der Hand oder in der Leiste bis zum Herzen. Über diesen Schlauch spritzen wir anschliessend ein Röntgenkontrastmittel ein, das sich in den Herzkranzgefässen verteilt. Auf dem angefertigten Röntgenbild zeigen sich nicht nur die Herzkranzgefässe selbst, sondern auch möglicherweise vorhandene Engstellen. Mitunter können wir bei der Untersuchung auch gleich therapeutisch tätig werden. Um die Gefässe an den verengten Stellen offenzuhalten oder zu weiten, setzen wir sogenannte Stents (Röhrchen aus Metall oder Kunstfasern) ein.

Diese Untersuchung wird als geplanter Eingriff ambulant oder stationär durchgeführt. Wenn Sie aber als Notfall mit einem Herzinfarkt zu uns kommen, steht unser erfahrenes Team der Andreas-Grüntzig-Herzkatheterlabore aber auch 24 Stunden am Tag für Sie bereit.

Nicht-invasive bildgebende Verfahren bei Angina pectoris

Diese Verfahren werden angewendet, wenn der Verdacht auf eine koronare Herzerkrankung besteht oder um das Ausmass der Erkrankung zu beurteilen bzw. die Notwendigkeit einer Therapie planen zu können.

  • Computertomografie (CT): Mithilfe dieser Technik erhalten wir eine präzise Ansicht der Herzkranzgefässe, der Herzklappen und des Herzmuskels. Ähnlich der invasiven Koronarangiographie können hiermit Verengungen und Verkalkungen der Herzkranzgefässe genau erfasst werden. Die Methode eignet sich insbesondere für den Ausschluss einer koronaren Herzerkrankung.
  • Kardiale Magnetresonanztomografie (Kardio-MRT): Diese Methode dient dazu, die Durchblutung und somit die Sauerstoffversorgung des Herzmuskels bildlich darzustellen. Sie liefert sehr scharfe Bilder und kann auch unter Belastung durchgeführt werden.
  • Myokardperfusions-Szintigrafie (SPECT): Bei dieser Methode, kurz auch Myokard-Szintigrafie genannt, spritzen wir eine schwach radioaktive Substanz in Ruhe und unter Belastung in eine Vene. Die Substanz reichert sich dann entsprechend der Durchblutung des Herzmuskels in diesem an und lässt so eine genaue Beurteilung des Ausmasses der Erkrankung im gesamten Herzen zu.
  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET): Das Prinzip der PET ähnelt derer der Szintigrafie, aber mit besserer Bildqualität bei noch niedrigerer Strahlenbelastung. Sie gilt als die exakteste Methode zur Beurteilung der Herzmuskeldurchblutung und ist insbesondere bei jungen Patienteninnen und Patienten, bei solchen mit Diabetes, Übergewicht und bei bereits bekannter koronarer Herzkrankheit das Verfahren der Wahl.

Koronare Herzkrankheit: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose

Da die Symptome für eine Koronare Herzkrankheit in frühen Krankheitsstadien oft nur sehr schwach ausgeprägt sind, ist eine Früherkennung schwierig. Sie können aber selbst sehr viel tun, um das Erkrankungsrisiko zu senken. Da eine Koronare Herzkrankheit oft durch eine Arterienverkalkung ausgelöst wird, ist ein gesunder Lebensstil zur Vorbeugung enorm wichtig. Dazu zählt in erster Linie, dass Sie

  • auf Zigaretten verzichten, (Raucherberatung)
  • Übergewicht vermeiden oder abbauen – durch dauerhafte Umstellung der Ernährung und regelmässige Bewegung,
  • mit Stress möglichst gut umgehen lernen – z.B. durch Erlernen einer Entspannungstechnik wir Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung,
  • sich ausreichend bewegen – geeignete Ausdauersportarten sind zum Beispiel Walking, Schwimmen oder Radfahren – und
  • sich gesund und abwechslungsreich ernähren – d.h. viel Gemüse und Ballaststoffe, möglichst kein tierisches Fett und wenig Salz.

Leiden Sie an weiteren Beschwerden wie Bluthochdruck, einem erhöhten Cholesterinspiegel oder Diabetes, sollten Sie diese gut behandeln lassen. Zudem sind regelmässige Kontrollen Ihres Gesundheitszustandes wichtig – besonders, wenn Sie bereits einen Herzinfarkt durchgemacht haben oder in Ihrer Familie Fälle von Koronarer Herzkrankheit oder andere Herzprobleme aufgetreten sind.

Verlauf und Prognose

In der Regel lindern Medikamente oder manchmal auch ein Eingriff, der die Gefässverengung direkt beseitigt, die Beschwerden sehr gut. Auf lange Sicht sollten Sie jedoch versuchen, Ihren Lebensstil zu ändern. Damit verhindern Sie, dass eine Arterienverkalkung weiter fortschreitet oder erneut an einer anderen Stelle auftritt – und so die Prognose Ihrer Erkrankung verschlechtert. Zudem sollten Sie Ihre Medikamente regelmässig einnehmen und Kontrolluntersuchungen bei uns nicht vergessen.

Es ist wichtig, eine Koronare Herzkrankheit möglichst frühzeitig zu therapieren. Umso besser können Schäden am Herzen vermieden werden. Wird die Koronare Herzkrankheit zu spät oder nicht ausreichend behandelt, kann eine Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder Herzrhythmus-Störungen entwickeln und den weiteren Verlauf der Krankheit negativ beeinflussen. Ohne Behandlung steigt das Risiko, einen plötzlichen Herztod oder einen Herzinfarkt zu erleiden. Wichtig: Ein Herzinfarkt ist lebensbedrohlich. Rufen Sie bei Verdacht sofort den Rettungsdienst (144).

Koronare Herzkrankheit: Behandlung in mehreren Schritten

Die Behandlung einer Koronaren Herzkrankheit ist sehr wichtig, um einen schweren Krankheitsverlauf zu verhindern und die Lebensqualität der betroffenen Person zu verbessern. Die richtige Therapie erfordert nicht nur ärztliches Wissen, sondern auch die Mithilfe der erkrankten Person selbst. Sie beinhaltet oft eine Kombination aus mehreren Massnahmen.

Bei einem operativen Eingriff wird vom Institut für Anästhesiologie das individuell auf Sie angepasste Anästhesie-Verfahren ausgewählt.

Behandelnde Fachbereiche

Institut für diagnostische und interventionelle Radiologie

Klinik für Herzchirurgie

Klinik für Kardiologie

Klinik für Konsiliarpsychiatrie und Psychosomatik

Klinik für Nuklearmedizin

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