Der Lehrstuhl für Anästhesiologie und Perioperative Medizin der Universität Zürich (UZH) ist am gleichnamigen Institut (IFA) des USZ angesiedelt. Neben seinen Kernaufgaben in Forschung und Lehre erfüllt das Institut einen wichtigen Leistungsauftrag in der Krankenversorgung sowie in der Weiterbildung von Assistenzärztinnen und -ärzten.
Die Forschungsaktivitäten des interdisziplinären Forschungsteams sind klinisch-translational ausgerichtet und umfassen sowohl klinische als auch experimentelle Forschungsprojekte. Ziel ist eine enge Verzahnung von patientennaher Forschung, Versorgungsforschung und grundlagenwissenschaftlichen Ansätzen, um wissenschaftliche Erkenntnisse effizient in iterativen Zyklen in die klinische Anwendung zu überführen.
Eine kontinuierliche Weiterentwicklung der Anästhesiologie und perioperativen Medizin bilden die Grundlage für die heutige Positionierung des Instituts als zentrale Einheit der universitären hochspezialisierten Medizin und schaffen zugleich die Voraussetzungen für die Entwicklung klinisch-translationaler Spitzenforschung. Neben der anästhesiologischen und perioperativen Versorgung von Patientinnen und Patienten gehört zum Leistungsauftrag des Institutes die innerklinische sowie die prähospitale boden- und luftgebundene Notfallversorgung inklusive der Reanimation.
Bei der interdisziplinären Versorgung kritisch erkrankter Patientinnen und Patienten im Schockraum sind die Mitarbeitenden der Anästhesiologie an vorderster Stelle dabei. Nach schweren Unfallverletzungen oder bei lebensbedrohlichen Erkrankungen kann es zu einem Schockzustand des Körpers kommen. Bei einem Schock ist das Kreislaufsystem stark gestört und die Sauerstoffversorgung der Zellen des Körpers nicht mehr gewährleistet. In der Folge kann es durch verschiedene Mechanismen zum Funktionsverlust lebenswichtiger Organe kommen. Die Sterblichkeit infolge eines Schockzustandes unterschiedlicher Ursache ist auch bei Verfügbarkeit einer modernen Hochleistungsmedizin noch sehr hoch.

Ein zentraler Forschungsschwerpunkt des Instituts liegt daher sowohl auf grundlagenwissenschaftlichen Projekten als auch auf translationalen und klinischen Studien zu Mechanismen perioperativer und pathogenvermittelter Organdysfunktionen sowie auf der Entwicklung innovativer diagnostischer und therapeutischer Konzepte.
Auch Infektionen können aufgrund einer fehlregulierten Wirtsantwort zu lebensbedrohlichen Organdysfunktionen, einer Sepsis, führen. Diese wird im Volksmund auch Blutvergiftung genannt. Besonders häufig versagt das kardiovaskuläre System oder es kommt zu einem Nierenversagen.
Ziel unserer Forschung ist es daher, diagnostische oder therapeutische Zielstrukturen zu identifizieren, die eine Entwicklung neuer innovativer Behandlungskonzepte ermöglichen. Neben Sepsis steht auch das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) im Fokus unseres wissenschaftlichen Interesses. Bei dieser Erkrankung wird akutes Nierenversagen durch ein bakterielles Toxin ausgelöst.
Ein weiteres zentrales Forschungsfeld bildet die perioperative Medizin, in deren Rahmen zahlreiche Projekte die Optimierung der Behandlung unserer Patientinnen und Patienten untersuchen. Im Bereich des Patient Blood Management wird beispielsweise erforscht, wie eine präoperative Therapie der Anämie, blutsparende Operationsstrategien und ein zielgerichtetes Gerinnungsmanagement Transfusionsbedarf und Komplikationsraten nachhaltig reduzieren können.
Darüber hinaus stellen Projekte zum perioperativen Hirngesundheitsmanagement die Prävention, Vorhersage und pathophysiologischen Grundlagen des postoperativen Delirs bei älteren und vulnerablen Patientinnen und Patienten in den Mittelpunkt.
Im Rahmen der maternofetalen Chirurgie betreuen wir unsere jüngsten Patientinnen und Patienten. Dies sind Feten, welche noch im Mutterleib operiert werden müssen. Unsere Untersuchungen fokussieren sich auf die hämodynamische Stabilität der werdenden Mutter sowie auf eine Optimierung der postoperativen Analgesie bei intrauterinen Eingriffen.
Darüber hinaus gilt unser Interesse der Erforschung innovativer Strategien zur Qualitäts- und Versorgungssicherung zur Optimierung perioperativer Prozesse mittels simulationsbasierter Methoden. Durch eine Analyse von Teaminteraktionen, der Kommunikation sowie von sicherheitsrelevanten Schnittstellen möchten wir neue Ansätze entwickeln, welche die Patientensicherheit und Versorgungsqualität strukturell verbessern.
Ergänzt wird dieses Portfolio durch die Entwicklung neuartiger Visualisierungstechnologien, wie dem international etablierten Visual Patient Avatar, welcher sich bereits in über 140 Krankenhäusern weltweit im Routineeinsatz befindet, sowie durch Forschungsaktivitäten im Bereich Technology Enhanced Learning, welche digitale Beurteilungsinstrumente und berufliche Transitionsprozesse in der ärztlichen Weiterbildung wissenschaftlich untersuchen.
Neben der Aus- und Weiterbildung der Mitarbeitenden ist dem Institut für Anästhesiologie und Perioperative Medizin die mentale Gesundheit und Resilienz der Mitarbeitenden ein zentrales Anliegen. Wissenschaftliche Projekte widmen sich daher der psychischen Gesundheit junger Assistenzärztinnen und Assistenzärzte, um Wege zur Stärkung der Resilienz zu identifizieren und umzusetzen.
Nachhaltigkeit soll weiterhin durch die Förderung von Chancengleichheit und Integration als auch ökologisch durch den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen verstanden werden. Insbesondere operative und intensivmedizinische Bereiche sind mit einem hohen Ressourcen- und Energieverbrauch verbunden. Der Anästhesiologie kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, da volatile Anästhetika relevant zum CO₂-Äquivalent klinischer Prozesse beitragen können. Gleichzeitig bietet das Fachgebiet aufgrund standardisierter perioperativer Abläufe ein erhebliches Potenzial zur Implementierung nachhaltiger Versorgungskonzepte, die wir durch wissenschaftliche Untersuchungen begleiten.
Insgesamt verfolgen wir in unserem Institut das übergeordnete Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse konsequent in praktikable, patientenrelevante perioperative Strategien zu überführen und damit die Qualität und Sicherheit der klinischen Versorgung in der perioperativen Medizin nachhaltig zu verbessern.
