Laser in der Urologie

Lasertechnologie in der Medizin ist schon seit Langem keine Science-Fiction mehr. In der Urologie können wir auf eine Vielzahl von verschiedenen modernen Lasertypen zurückgreifen, um unterschiedliche Erkrankungen schonend, minimal-invasiv und nebenwirkungsarm zu behandeln. Jeder Laser hat spezifische physikalische Eigenschaften und wird daher ganz gezielt für die passende Anwendung ausgesucht.

Allgemeine Informationen

Dank der stetigen Weiterentwicklung der chirurgischen Laser in Verbindung mit der breiten Anwendung äusserst kompakter endoskopischer Instrumente, hat sich die Laserchirurgie zu einem unverzichtbaren Werkzeug für Urologen und Urologinnen entwickelt und trägt massgeblich zur Weiterentwicklung der Endourologie bei. In der Urologie sind viele schmale Verbindungen und Röhren vorhanden, die minimalinvasive Eingriffe sehr gut möglich machen und mit den Lasern in Kombination mit endoskopischer Kameras können Bereiche erschlossen werden, die für manuelle Eingriffe oder herkömmliche Skalpelle völlig unerreichbar wären.

Welche Anwendungsgebiete gibt es in der Urologie?

Laser kann man in der Therapie von Steinen und Weichgewebe einsetzen, wobei das in der Urologie im Wesentlichen für die Prostata gilt, aber auch im Harnleiter, in der Harnröhre, der Blase und der Niere.

  • Laser-Lithotripsie: Dieses Verfahren wird zur Behandlung von Nieren-, Blasen-  oder Harnleitersteinen eingesetzt. Der Laser wird verwendet, um die Steine in kleinere Fragmente je nach Laser-Art zu zertrümmern oder ganz zu zerstäuben, was das Passieren oder Entfernen erleichtert.
  • Laser-Technologie bei gutartig vergrösserter Prostata: Liegt eine gutartige Vergrösserung der Prostata vor (benigne Prostatahyperplasie, BPH), können unterschiedliche Arten von Lasern verwendet werden, um überschüssiges Prostatagewebe zu entfernen und Harnsymptome zu lindern. Ein grosser Vorteil der Laserchirurgie bei BPH ist, dass Blutgefässe durch entstehende Hitze verödet und Blutungen dadurch minimiert werden. Dadurch sind diese Therapiearten besonders für Patienten mit Blutverdünnern geeignet.
  • Die Laser-Enukleation der Prostata ist eine etablierte Behandlungsmethode, bei der durch das Laserlicht das Prostatagewebe abgetrennt und in die Harnblase geschoben wird. Dort werden die Prostatastücke zerkleinert und herausgespült.
    • Bei der Laser-Vaporisation der Prostata wird das Gewebe schonend verdampft und das Volumen der Prostata somit reduziert. Bei der Verdampfung ist keine nachträgliche Untersuchung (Pathologie) des zerstörten Gewebes mehr möglich, daher ist eine genaue vorhergehende Abklärung auf andere Erkrankungen wie Prostatakrebs wichtig.
  • Laser-Enukleation von Blasentumoren: Für oberflächliche Blasentumore können Laser verwendet werden, um abnormales Gewebe ohne invasive Operation zu verdampfen oder zu zerstören. Diese Technik ist minimal invasiv, sehr blutungsarm und kann mit einer milden Narkose durchgeführt werden.

Welche Laser werden an der Klinik für Urologie am USZ eingesetzt?

Thulium-Faser-Laser

Der Thulium-Faser-Laser ist ein hochmoderner und sehr vielseitiger Laser. Seit 2020 hat die Klinik für Urologie diesen Laser im Repertoire als erstes urologisches Zentrum in der Schweiz.

Der Thulium-Faserlaser ist eine Art von Festkörperlaser, der den Thulium-dotierten Faserlaserkristall (Thulium-doped fiber laser) als Lasermedium verwendet. Dieser Laser erzeugt einen Infrarotlaserstrahl mit einer Wellenlänge im Bereich von etwa 1800-2100 nm.

Die Verwendung des Thulium-Faser-Lasers ermöglicht die Nutzung sehr dünner und flexibler Fasern. So können sehr feine und flexible Instrumente verwendet werden, welche eine bessere Sicht auf den Zielort ermöglichen und zur Sicherheit und Präzision bei der Operation beitragen. Dies hat besonders bei komplexen Nieren- und Blasensteinen, die mit dem Thulium-Faser-Laser zerstäubt werden, einen klaren Anwendungsvorteil.

Der Laser hat eine vergleichsweise hohe Leistung bei geringer Wärmeentwicklung, wodurch umliegendes Gewebe geschont wird.

Anwendungsgebiet: Der Thulium-Faserlaser zeichnet sich durch seine Vielseitigkeit, Präzision und Effizienz aus und wird daher bei uns in der Urologie für die Behandlung verschiedener Erkrankungen erfolgreich angewendet:

  • Bei komplexen Nierensteinen und anderen Steinarten
  • Schonende Laser-Enukleation der Prostata (ThuFLEP) bei gutartiger Prostatavergrösserung. Hierbei ist die ThuFLEP eine sehr gute Alternative für Patienten mit einer sehr grossen Prostata, die normalerweise offen operiert werden würden.
  • Hochmoderne Enukleation von Basentumoren

Weitere Informationen: Zerstäubt, nicht zertrümmert. Mit dem Thulium-Laser Nierensteine pulverisieren – USZ

Holmium:YAG Laser

Der Holmium:YAG Laser (Holmium:Yittrium-Aluminium-Granat-Laser) basiert auf dem Holmiumdotierten Yttrium-Aluminium-Granat (Ho:YAG) als Lasermedium und erzeugt einen Infrarotlaserstrahl mit einer Wellenlänge von etwa 2140 nm. Dieser Laser besitzt eine Eindringtiefe von 0.4 mm. Die gepulst abgegebene Energie wird stark von Wasser und wasserhaltigem Gewebe absorbiert. Der Holmium-Laser hat den Vorteil, dass er nur minimale thermische Schäden an umliegendem Gewebe verursacht wird. Dadurch eignet er sich gut für die Behandlung empfindlicher Strukturen im Körper.

Anwendungsgebiet: Wir setzen den Holmium:YAG-Laser für die Zerstörung kleinerer, unkomplizierter Nierensteine im Rahmen einer Ureteroskopie (URS) ein.

Grünlichtlaser/ Greenlight-Laser:

Der Greenlight-Laser gewinnt seine Energie aus einem Nd:YAGLaser, der durch ein Lithiumtriborat-Kristall (GreenLight XPS™ Lasertherapie-System ) gesandt wird und somit die Wellenlänge auf 532 nm halbiert wird. Diese Wellenlänge wird vom Hämoglobin im Blut stark absorbiert, was bedeutet, dass der Laserstrahl leicht in Blutgefässe eindringt und sie gleichzeitig versiegelt.

Anwendungsgebiet: Verdampfung des Prostatagewebes bei gutartiger Prostatavergrösserung.

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Operation mit Greenlight Laser Therapie

Kohlenstoffdioxid-Laser

Der CO2-Laser kann präzise Gewebe schneiden oder verdampfen, was ihn für die Entfernung von Warzen geeignet macht. Er dringt nur etwa 0.1 mm in die Haut ein und reduziert damit die Narbenbildung.

Anwendungsgebiet: In der Urologie verwenden wir den CO2-Laser für die schonende Abtragung von Feigwarzen/Genitalwarzen.

Wie funktionieren medizinische Laser?

Der Laser besteht aus einem aktiven Medium, das Licht emittiert, und einer Anregungsquelle, die das Medium stimuliert, Licht zu erzeugen. Das aktive Medium kann beispielsweise ein Kristall, Gas, Glas oder Farbstoff sein. Durch die Anregung des aktiven Mediums emittiert es Licht. Das Licht wird durch den Laserprozess verstärkt und erzeugt eine hohe Intensität und Kohärenz (einheitliche Wellenlänge und Phasenbeziehung).

Laserstrahlen sind monochromatisch, was bedeutet, dass sie eine einzige Wellenlänge haben. Die monochromatische Wellenlänge eines Lasers kann im Bereich der für das Auge sichtbaren Spektralfarben von violett bis rot (Regenbogen) oder aber jenseits davon liegen. Der biologische Effekt wird durch die Wellenlänge bestimmt. Laserstrahlen sind gerichtet, was bedeutet, dass sie sich in einem engen Strahlbündel parallel zueinander ausbreiten.

Der Laserstrahl wird auf das Gewebe oder den Bereich gerichtet, der behandelt werden soll. Die Art der Interaktion hängt von der Art des Lasers und dem Zielgewebe ab. Damit können sehr gezielte Anwendungen vorgenommen werden. Das Gewebe absorbiert das Laserlicht je nach seiner Farbe, Struktur und Zusammensetzung. Wenn das Licht absorbiert wird, wird es in Wärmeenergie umgewandelt. Diese Wärmeenergie kann verschiedene Effekte im Gewebe erzeugen, wie z.B. Gewebeablation (Entfernung), Koagulation (Verdampfung) oder Photothermolyse (Zerstörung von Zellen durch Hitze).

Da Laserstrahlen sehr fokussiert und steuerbar sind, ermöglichen sie eine präzise Behandlung des Zielgewebes, während das umgebende gesunde Gewebe minimalen Schäden erleidet. Dies macht sie besonders nützlich für chirurgische Eingriffe und andere medizinische Verfahren.

Verantwortliche Kaderärzte

Etienne Xavier Keller, PD Dr. med.

Oberarzt meV, Klinik für Urologie

Tel. +41 44 255 54 40
Spezialgebiete: Nierensteine (ESWL, URS, PNL), Prostata (TUR-P, Laser-Enukleation, Greenlight, REZUM), Harnblasentumor (TUR-B, Laser-Enukleation)

Daniel Schmid, PD Dr. med.

Leitender Arzt, Stv. Klinikdirektor, Klinik für Urologie

Tel. +41 44 255 54 40
Spezialgebiete: Urologische Onkochirurgie (spez. Prostata, Harnblase und Niere), Laparoskopische roboterassistierte urologische Operationen, Rekonstruktive Urologie (Urethra, Harnableitungen, Pouch)

Für Patienten

Sie können sich entweder selbst zu einer Konsultation anmelden oder durch Ihren Hausarzt, Ihre Hausärztin, Ihren Spezialisten oder Ihre Spezialistin zuweisen lassen.

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