Alzheimer

Alzheimer-Krankheit, Morbus Alzheimer, Alzheimer-Demenz

Anfangs treten vermehrt Gedächtnislücken auf, später ist ein selbstständiges Leben oft nicht mehr möglich. Alzheimer, die häufigste Demenzform, betrifft vor allem ältere Menschen und ist nicht heilbar. Die Symptome lassen sich jedoch bei guter Betreuung oft lindern und ihr Fortschreiten verlangsamen.

Was ist die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Krankheit wird medizinisch auch Morbus Alzheimer und umgangssprachlich meist nur „Alzheimer“ genannt. Sie ist die häufigste Form der Demenz. Wer dement ist, verliert über einen längeren Zeitraum hinweg allmählich einen Teil der geistigen Fähigkeiten. Dieser Verlust macht sich auf verschiedene Weise bemerkbar: Das Gedächtnis wird spürbar schwächer, die Orientierung und das Sprachvermögen lassen nach, und andere Menschen werden oft nicht mehr erkannt. Am Ende sind die Alzheimerkranken nicht mehr in der Lage, ein eigenverantwortliches Leben zu führen.

In der Schweiz leben etwa 153’000 Menschen mit Demenz, die meisten von ihnen leiden an Morbus Alzheimer. In der Gesamtbevölkerung sind vor allem Ältere betroffen: Unter den 80- bis 90-Jährigen beträgt der Anteil der Alzheimerkranken etwa 20 Prozent, bei den über 90-Jährigen mehr als 30 Prozent. In seltenen Fällen sind aber auch Früherkrankungen möglich, die vor dem 60. Lebensjahr auftreten. Frauen erkranken häufiger an Alzheimer-Demenz als Männer.

Morbus Alzheimer ist eine chronische Krankheit, bei der verschiedene Bereiche des Gehirns verfallen. Dieser Verlauf lässt sich mit Medikamenten im günstigsten Fall vorübergehend aufhalten, aber nicht heilen. Angehörige von Alzheimerkranken müssen wissen: Der ganz normale Alltag ist von Monat zu Monat schwieriger zu bewältigen, immer mehr geistige Fähigkeiten lassen nach. Am Ende ihrer Erkrankung verbringen die Betroffenen ihr Leben in Abhängigkeit von medizinischer und pflegender Hilfe.

Wie entsteht die Alzheimer-Krankheit?

Die Alzheimer-Demenz ist eine sogenannte degenerative Erkrankung. Das bedeutet, Körperzellen gehen zugrunde oder werden geschädigt – in diesem Fall Nervenzellen des Gehirns, das im Extremfall bis zu 20 Prozent seiner Masse verlieren kann. Je nachdem, welche Bereiche betroffen sind, zeigen sich unterschiedliche Symptome. So führt zum Beispiel die Verkleinerung des Hippocampus – eines kleinen und tief im Inneren des Kopfes liegenden Teils – zu Gedächtnisausfällen. Wenn dagegen bestimmte Teile des Grosshirns schwinden, führt dies zu Sprachstörungen und verringertem Orientierungsvermögen. Fast immer greift Morbus Alzheimer mehrere unterschiedliche Gehirnbereiche an.

Warum es bei den Betroffenen im Gehirn zu einem Gewebeschwund (einer Atrophie) kommt, ist trotz langjähriger Alzheimer-Forschung noch nicht genau geklärt. Mutationen (Veränderungen von Genen) könnten eine Rolle spielen. Sicher ist, dass es bei Alzheimer-Kranken im Gehirn bestimmte Eiweiss-Ablagerungen gibt, sogenannte Plaques. Sie schränken die Kommunikation zwischen den Gehirnzellen ein und führen zu deren Absterben. Diese verklumpten Proteine wurden schon vom 1915 gestorbenen Nervenarzt Alois Alzheimer beschrieben, dem Entdecker und Namensgeber der Krankheit.

Symptome: Wie zeigt sich Alzheimer?

Ein typisches Merkmal der Alzheimer-Krankheit ist, dass ihre Symptome nicht plötzlich auftauchen, sondern schleichend beginnen. Im Laufe der Monate und Jahre nehmen sie immer mehr zu. Individuell können die Krankheitszeichen unterschiedlich ausgeprägt sein und ihre Reihenfolge kennt kein festes Schema. Häufig zeigen sich die Symptome so:

  • Gedächtnisverlust (Amnesie): Zunächst sind es oft nur Namen, die vergessen werden, später auch Wochentage und Gegenstände. Viele Erkrankte wiederholen mehrfach hintereinander dieselben Fragen.
  • Wortfindungsstörungen: Selbst einfache Begriffe verschwinden aus dem Repertoire des Sprachschatzes; die Betroffenen versuchen häufig, Ersatzwörter zu finden.
  • Visuell-räumliche Störungen: Beim Blick auf eine Uhr können Alzheimerpatienten irgendwann nicht mehr feststellen, wie spät es ist.
  • Orientierungsstörungen: Früher oder später ist es soweit – der an Alzheimer Erkrankte hat sich verlaufen und weiss nicht, an welchem Ort er sich befindet.
  • Verlust der Handlungsfähigkeit (Apraxie): Die ursprüngliche Selbstständigkeit lässt nach; auch einfache praktische Tätigkeiten wie Ankleiden oder Kaffeekochen sind irgendwann nicht mehr möglich. Ebenso wenig wie Lesen, Schreiben, Rechnen und andere Denkleistungen.
  • Verlust der Körperkontrolle: Wenn die Alzheimer-Demenz weit fortgeschritten ist, können viele Betroffene ihren Darm und ihre Blase nicht mehr kontrollieren.

Das Bewusstsein von Alzheimerkranken ist meist nicht getrübt, auch die Sinnesorgane funktionieren normalerweise ohne Beeinträchtigung. Im Anfangsstadium der Alzheimer-Krankheit können viele Betroffene eine scheinbar intakte „Fassade“ aufrechterhalten, sodass Aussenstehende die inneren Veränderungen der Erkrankten kaum bemerken. Wenn die Alzheimer-Demenz nach einigen Jahren ihr Endstadium erreicht, hat sich das jedoch grundlegend geändert: Nun sind die Patientinnen und Patienten hilflos und vollkommen abhängig von betreuenden Pflegekräften.

Diagnose: Wie lässt sich Alzheimer feststellen?

Eine verlegte Brille, ein verpasster Termin – solche Vergesslichkeiten sind ganz normal und nehmen im Alter bei den meisten Menschen zu. Häufig finden sich die gesuchten Gegenstände an den üblichen Plätzen, und vielfach hilft Konzentration, um sich an sie zu erinnern. Anders ist es dagegen bei Alzheimerkranken: Sie wissen oft gar nicht mehr, was sie getan haben, und sie legen Gegenstände zunehmend häufiger an ungewöhnlichen Orten ab. So kann zum Beispiel ein Hausschuh im Kühlschrank auftauchen oder eine Zeitschrift in der Waschmaschine landen.

Wenn solche auffälligen Krankheitszeichen erkennbar werden, ist die Alzheimer-Krankheit bereits seit einigen Jahren fortgeschritten und das Gehirn entsprechend geschädigt.

Alzheimer Diagnose: Symptome länger als sechs Monate

Für die Ärzte und Ärztinnen ist es nicht immer leicht, eine Alzheimer-Diagnose zu stellen – und schon gar nicht in einem frühen Stadium. Denn anfangs könnten die beobachteten Symptome (zum Beispiel Vergesslichkeit, verminderte Aufmerksamkeit, Orientierungslosigkeit) auch als Begleiter einer anderen neurologischen Erkrankung auftreten – einer Erkrankung, die sich vielleicht sogar zurückbildet. Deshalb warten viele Mediziner zunächst einmal ab. Erst wenn die typischen Alzheimer-Symptome sechs Monate lang auftreten, kann die Krankheit sicher als Morbus Alzheimer bezeichnet werden.

Einen einfachen Bluttest, mit dem sich Alzheimer-Demenz frühzeitig und eindeutig nachweisen lässt, gibt es bisher nicht. Verschiedene Forschungsgruppen arbeiten aber daran.

Alzheimer-Tests MMST und TFDD – kostenlos im Internet

Wenn in einem frühen Stadium noch nicht geklärt ist, ob tatsächlich eine Alzheimer-Erkrankung vorliegt, können bestimmte Tests für mehr Klarheit sorgen. Verbreitet sind zum Beispiel die kostenlos (auch im Internet) erhältlichen Tests MMST und TFDD, die einen zuverlässigen Eindruck von verschiedenen Gehirnleistungen liefern. Das geschieht mithilfe von einfachen Fragen („Welche Jahreszeit haben wir jetzt?“) und unterschiedlichen Aufgaben. So sollen zum Beispiel Gegenstände benannt und kurze Sätze nachgesprochen werden. Auch ein Uhrentest, bei dem ein einfaches Ziffernblatt mit einer bestimmten Uhrzeit gezeichnet werden soll, ist oft aufschlussreich. All diese Tests sollten möglichst unter Anleitung von medizinischem Fachpersonal erfolgen.

Medizinische Alzheimer Diagnose mit bildgebenden Verfahren

In einem gut ausgestatteten Spital können spezialisierte Ärztinnen und Ärzte mithilfe verschiedener bildgebender Verfahren feststellen, ob sich bestimmte Veränderungen des Gehirns auf eine Alzheimer-Erkrankung zurückführen lassen. Zum Einsatz kommen vor allem folgende Methoden:

  • Elektroenzephalografie (EEG): Eine EEG-Untersuchung macht die Gehirnströme in Form von Kurven auf einem Bildschirm sichtbar. Bei Alzheimerpatienten zeigen die Kurven charakteristische Abweichungen.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Mit diesem bildgebenden Verfahren (auch Kernspintomografie genannt) lassen sich Schnitt-Aufnahmen aus dem Inneren des Gehirns machen. Die Bilder können zum Beispiel zeigen, ob sich der für das Gedächtnis wichtige Hippocampus verändert hat.
  • Computertomografie (CT): Auch hiermit werden „scheibchenweise“ mehrere Gehirnaufnahmen gemacht, in diesem Fall mit Röntgenstrahlen.
  • Positronen-Emissions-Tomografie (PET): PET-Aufnahmen zeigen das Gehirn bei der Arbeit: Bereiche, die gerade aktiv sind, haben einen höheren Stoffwechsel als weniger aktive Gehirnbereiche. Die Unterschiede werden in verschiedenen Farben dargestellt. Ein verminderter Stoffwechsel in bestimmten Teilen des Gehirns deutet auf eine Demenzerkrankung hin.

Liquoruntersuchung bei Alzheimer-Verdacht

Eine weitere Möglichkeit, um Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung nachzuweisen, ist die Untersuchung von Rückenmarksflüssigkeit (Liquor). Dieses sogenannte Nervenwasser wird mit einer dünnen Hohlnadel aus der unteren Wirbelsäule entnommen und anschliessend analysiert. Wenn sich bei der Liquoruntersuchung auffällige Werte bestimmter Eiweisse zeigen – Tau-Proteine und Beta-Amyloid –, ist das ein starkes Alzheimer-Indiz. Im gesunden Gehirn werden diese schädlichen Proteine abgebaut, bei Alzheimer-Kranken dagegen lagern sie sich als Verklumpungen an den Nervenzellen an und bringen sie zum Absterben.

Prognose: Wie verläuft Alzheimer?

Bekannte Bewegungsabläufe des Alltags bleiben bei Alzheimerkranken oft lange erhalten – zum Beispiel das Kämmen der Haare oder das Bestreichen einer Brotscheibe mit Butter. Doch anders als solche eingeübten motorischen Fähigkeiten lässt der Verstand immer mehr nach, sodass es irgendwann kaum noch Verbindungen zwischen kognitiven Fähigkeiten (Denkleistungen) und Handlungen gibt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass sich ein Erkrankter zwar die Haare kämmt, hierfür aber zu einer Zahnbürste greift. Oder dass eine Alzheimer-Patientin das Messer nimmt, um damit Butter auf dem Tisch zu verstreichen.

Leider lässt sich der geistige Abbau bisher nicht stoppen. Er kann allenfalls verlangsamt werden, doch verbessern lässt er sich nicht. In vielen Fällen beträgt die Lebenserwartung der von Alzheimer Betroffenen nach der Diagnose fünf bis zehn Jahre. Da das Immunsystem der Erkrankten im Laufe der Zeit immer schwächer wird, erhöht sich die Gefahr für lebensbedrohliche Infektionen, zum Beispiel für eine Lungenentzündung (Pneumonie).

Therapie: Wie wird Alzheimer behandelt?

Die Auswahl an sinnvollen Medikamenten ist für Demenzkranke gering. Nur wenige Wirkstoffe haben in Studien das Fortschreiten der Alzheimer-Krankheit vorübergehend verzögert, ein heilender Erfolg konnte mit keinem Medikament erzielt werden. Neben vielen unseriösen (weil unwirksamen) Angeboten werden folgende Wirkstoffe genannt, die einen positiven Effekt auf die Gehirnleistung haben können:

  • Acetylcholinesterase-Hemmer: Die Wirkstoffe Donepezil, Rivastigmin und Galantamin greifen in biochemische Vorgänge des Gehirns ein, indem sie den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin verzögern; dieser Neurotransmitter übermittelt Signale zwischen den Nervenzellen.
  • Memantin: Dieser Wirkstoff verbessert die Übertragung von Nervensignalen und kann dadurch auch Gedächtnisleistungen positiv beeinflussen.
  • Ginkgo biloba: Der aus einer Pflanze gewonnene Extrakt kann Nervenzellen schützen, indem er im Gehirn den Stoffwechsel verbessert und gefährliche Ablagerungen (Plaques) reduziert.

Risikofaktoren: Kann man Alzheimer vorbeugen?

Auch wenn es kein sicheres Mittel gibt, um Morbus Alzheimer zu verhindern, weisen verschiedene Studien darauf hin, dass es Risikofaktoren gibt, die die Erkrankung begünstigen. Hierzu zählen Bluthochdruck (Hypertonie), Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen, schlecht eingestellter Blutzucker bei Diabetes und übermässiger Alkoholkonsum. Aber auch soziale Isolation und mangelnde geistige Aktivität gehören dazu. Diese Risikofaktoren zu vermeiden, kann eine sinnvolle Vorbeugung (Prävention) auch gegen zahlreiche andere Krankheiten sein.