Hirnaneurysma

Ein Hirnaneurysma ist eine umschriebene Aussackung einer Hirnschlagader. Durch eine Schwäche der Gefässwand kann sich das betroffene Blutgefäss ballonartig erweitern. Viele Menschen leben mit einem Hirnaneurysma, ohne davon zu wissen, da es häufig keine Beschwerden verursacht. Reisst ein Aneurysma jedoch ein, kann es zu einer schwerwiegenden Hirnblutung kommen. Schätzungsweise tragen etwa 2–3% der Bevölkerung ein Hirnaneurysma.

In den meisten Fällen verursacht ein Hirnaneurysma keine Beschwerden und bleibt daher lange unentdeckt. Entscheidend ist jedoch, dass diese Aneurysmen abhängig von ihrer Grösse, Form und Lage ein unterschiedlich hohes Risiko haben zu platzen und eine schwere Hirnblutung (sogenannte Subarachnoidalblutung) auszulösen. Dieses Einreissen der Gefässwand mit nachfolgender Hirnblutung wird als Ruptur bezeichnet.

Illustration rupturiertes und nicht rupturiertes Hirnaneurysma

Abbildung 1: Nicht rupturiertes und rupturiertes Hirnaneurysma. Die schematische Darstellung zeigt in der oberen Box ein nicht rupturiertes Hirnaneurysma, also eine Aussackung der Wand eines Blutgefässes im Gehirn, die nicht geplatzt ist. Das rechts davon dargestellte CT-Bild zeigt ein gesundes Gehirn ohne Blutung. In der unteren Box ist ein rupturiertes (geplatztes) Hirnaneurysma dargestellt. Dabei tritt Blut aus dem Aneurysma aus und führt zu einer lebensgefährlichen Hirnblutung, der sogenannten Subarachnoidalblutung. Das CT-Bild auf der rechten Seite zeigt ein typisches Bild einer solchen Blutung.

Symptome bei einem Hirnaneurysma

Nicht rupturiertes Hirnaneurysma 

Ein nicht rupturiertes Hirnaneurysma ist eine Gefässaussackung im Gehirn, die nicht geblutet hat. Die meisten nicht rupturierten Hirnaneurysmen verursachen keine Beschwerden. In bestimmten Fällen können jedoch Beschwerden auftreten, insbesondere wenn das Hirnaneurysma an Grösse zunimmt oder sich in seiner Form verändert und dadurch auf benachbarte Hirnstrukturen drückt.

Nicht rupturiertes HirnaneurysmaMögliche Symptome sind:

  • Kopfschmerzen
  • Doppelbilder
  • Sehstörungen
  • selten neurologische Ausfälle

Die meisten nicht rupturierten Aneurysmen verursachen jedoch keinerlei Symptome.

Rupturiertes Hirnaneurysma 

Ein Riss in der Gefässwand eines Hirnaneurysmas tritt meist plötzlich auf. Wenn ein Hirnaneurysma reisst, tritt als Folge Blut aus der Arterie in den Raum zwischen Gehirn und Hirnhäuten aus. Diese Form der Hirnblutung wird als Subarachnoidalblutung bezeichnet und ist eine akute, lebensbedrohliche Notfallsituation2.

Typisch ist ein plötzlich einsetzender, extrem starker Kopfschmerz, der häufig als „stärkster Kopfschmerz des Lebens“ beschrieben wird.Rupturiertes Hirnaneurysma

Weitere mögliche Symptome sind:

  • Übelkeit und Erbrechen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Bewusstseinsstörungen
  • Verwirrtheit
  • Sprachstörungen
  • Lähmungserscheinungen

Bei diesen Beschwerden sollte umgehend der Notruf alarmiert werden.

Wie hoch ist das Blutungsrisiko? 

Nicht jedes Hirnaneurysma hat dasselbe Risiko zu platzen2. Das individuelle Blutungsrisiko hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:

  • Grösse des Hirnaneurysmas
  • Lage im Gehirn
  • Form (z.B. unregelmässige Gefässwand)
  • Wachstum im Verlauf
  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Familiäre Vorbelastung

Da das Blutungsrisiko jedes Hirnaneurysmas sehr individuell zu beurteilen ist, ist eine sorgfältige Risikoabschätzung entscheidend.

Ursachen eines Hirnaneurysmas

Die genaue Entstehung eines Hirnaneurysmas ist nicht immer bekannt. Es wird angenommen, dass verschiedene Faktoren zu einer Schwächung der Gefässwand beitragen können.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren gehören:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Genetische und familiäre Vorbelastung

Diagnose bei einem Hirnaneurysma

Zur genauen Beurteilung eines Hirnaneurysmas kommen moderne bildgebende Verfahren zum Einsatz. Dazu zählen insbesondere:

Anhand dieser Untersuchungen können Grösse, Lage und Form des Aneurysmas beurteilt und das individuelle Risiko eingeschätzt werden.

Vorbeugung, Früherkennung und Prognose

Eine gezielte Vorbeugung gegen Hirnaneurysmen ist nicht immer möglich. Da Bluthochdruck und Rauchen das Risiko erhöhen, können ein gesunder Lebensstil und die Reduktion von Risikofaktoren helfen, das Blutungsrisiko zu senken.

Die meisten Hirnaneurysmen werden entdeckt, bevor sie Beschwerden verursachen. Ob eine Behandlung notwendig ist, hängt von der individuellen Risikoabwägung ab. Viele kleine Aneurysmen ohne weitere Risikofaktoren können kontrolliert werden, um Veränderungen des Aneurysmas frühzeitig zu erkennen. Bei bestehenden Risikofaktoren ist dagegen häufig eine Behandlung empfohlen, um das Risiko einer schweren Hirnblutung zu senken.

Die Prognose ist bei frühzeitig erkannten, nicht rupturierten Aneurysmen in der Regel günstig. Ein geplatztes Hirnaneurysma hingegen ist eine schwerwiegende Erkrankung, die eine sofortige Behandlung in einem spezialisierten Zentrum erfordert.

Behandlung bei einem Hirnaneurysma

Nicht jedes nicht rupturierte Hirnaneurysma muss behandelt werden. Die Entscheidung erfolgt individuell, indem Nutzen und Risiken sorgfältig abgewogen werden4. Diese Entscheidung wird immer gemeinsam von Spezialistinnen und Spezialisten der Neurochirurgie und interventionellen Neuroradiologie sowie der Patientin oder dem Patienten getroffen.

Für die Behandlung eines Hirnaneurysmas stehen zwei etablierte Verfahren zur Verfügung:

  • Mikrochirurgisches Clipping: Das Hirnaneurysma wird mit einer speziellen Titan-Klammer dauerhaft vom Blutkreislauf ausgeschlossen.
  • Endovaskuläre Therapie: Das Aneurysma wird über einen Katheter von innen verschlossen, beispielsweise mittels Coiling, Stents oder Flow-Divertern.

  1. Vlak, M. H., Algra, A., Brandenburg, R. & Rinkel, G. J. Prevalence of unruptured intracranial aneurysms, with emphasis on sex, age, comorbidity, country, and time period: a systematic review and meta-analysis. Lancet Neurol. 10, 626–636 (2011).
  2. Lawton, M. T. & Vates, G. E. Subarachnoid hemorrhage. N. Engl. J. Med. 377, 257–266 (2017).
  3. Greving, J. P. et al. Development of the PHASES score for prediction of risk of rupture of intracranial aneurysms: a pooled analysis of six prospective cohort studies. Lancet Neurol. 13, 59–66 (2014).
  4. Esposito, G. & Regli, L. Surgical decision-making for managing complex intracranial aneurysms. Acta Neurochir. Suppl. 119, 3–11 (2014).
  5. Esposito, G. & Regli, L. Intraoperative tools for cerebral bypass surgery. Acta Neurochir. (Wien) 160, 775–778 (2018).

World’s Best Specialized Hospitals 2026

Das USZ ist eines der schweizweit und weltweit führenden Zentren für die Behandlung von Hirnaneurysmen. Unsere Expertinnen und Experten verfügen über langjährige Erfahrung in der Diagnostik und Therapie von (komplexen) Hirnaneurysmen. Wie 2025 hat die Neurochirurgie des USZ in ihrem Fach schweizweit die beste Platzierung im Ranking «World’s Best Specialized Hospitals 2026» erreicht. Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung, welche die Leistung und das grosse Engagement unseres Teams in der Behandlung der Patientinnen und Patienten unterstreicht.