Darm – Krankheiten und Infektionen
Im Darm können verschiedene Krankheiten und Infektionen entstehen. Medizinische Fachleute bringen eine gestörte Mikrobiota mit Krankheiten wie entzündlichen Darmerkrankungen, Allergien, Diabetes, Depressionen oder neurologischen Erkrankungen wie einer Demenz in Verbindung.
Erkrankungen von Magen und Darm können unterschiedliche und meist sehr unangenehme Symptome auslösen. Einige Beispiele: Blähungen („Blähbauch“), Bauchschmerzen, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit oder Durchfall. Dazu können weitere Symptome wie Fieber, Müdigkeit und Abgeschlagenheit vorkommen. Lesen Sie die wichtigsten Erkrankungen des Darms im Überblick.
Darminfektionen
Infektionen im Darm, zum Beispiel eine „Magen-und Darm-Grippe“, zählen zu den häufigsten Ursachen von Darmbeschwerden. Die Erreger können verschieden sein und lassen sich zum Beispiel durch einen Stuhltest nachweisen.
Häufige Auslöser von Darminfektionen sind:
- Bakterien, z. B. Salmonellen, Campylobacter, E. coli wie Enterohämorrhagisches Escherichia coli (EHEC), Staphylokokken, Vibrio cholerae (Cholera). Hier können Antibiotika helfen, die gegen die krankmachenden Bakterien vorgehen.
- Viren, z. B. Noroviren, Rotaviren – viele sprechen umgangssprachlich von einer „Magen-Darm-Grippe“, wenn Viren am Werk sind. Die Symptome eine Magen-Darm-Grippe können Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sein. Bei solchen Durchfall-Erkrankungen verliert der Körper viel Wasser und Salze. Ein Ausgleich des Wasser- und Elektrolythaushalts ist daher sehr wichtig.
- Würmer, z. B. Band-, Faden- der Saugwürmer
- Einzeller wie Giardia lamblia (Lamblien) – die Erreger können eine Giardiose (Lambliose) mit Durchfall auslösen.
Mit Darmerregern können Sie sich auf verschiedenen Wegen infizieren, beispielsweise über verdorbenes Essen oder über den Kontakt mit infizierten Menschen. Anstecken können Sie sich mit den krankheitsauslösenden Keimen unter anderem beim Händeschütteln oder wenn Sie infizierte Gegenstände berühren. Je nach Erreger können die Symptome verschieden sein, zum Beispiel Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Appetitlosigkeit oder Fieber.
Blinddarmentzündung (Appendizitis)
Bei einer Appendizitis ist nicht der Blinddarm selbst, sondern der Wurmfortsatz (Appendix) entzündet. Die Ursachen und Entstehung der Blinddarmentzündung sind noch weitgehend unklar. Ärztinnen und Ärzte vermuten aber, dass Kotstücke im Wurmfortsatz für die Entzündung verantwortlich sind. Der Wurmfortsatz verengt und entzündet sich. Die Appendizitis kommt oft bei jungen Erwachsenen vor und gilt als häufige Erkrankung. Viele fragen sich bei einer Blinddarmentzündung, was sie tun sollen: Um eine Operation kommen die meisten Menschen nicht herum.
Chronisch-entzündliche Darmkrankheiten (CED)
Zu den chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zählen zum Beispiel Morbus Crohn und Colitis ulcerosa. Sie gehören zu den sogenannten Autoimmunkrankheiten, bei denen der Organismus irrtümlich körpereigene Strukturen angreift und zerstört – in diesem Fall richtet sich der Angriff gegen den Darm.
Beide Arten der Darmentzündung besitzen viele Gemeinsamkeiten, weshalb sie nicht ganz leicht zu unterscheiden sind. Es gibt aber auch einige Unterschiede. So betrifft die Colitis ulcerosa meist nur den Dickdarm und löst eine Dickdarmentzündung aus. Morbus Crohn kann dagegen den gesamten Verdauungstrakt in Mitleidenschaft ziehen. Eine Darmentzündung kann mit verschiedenen Symptomen einhergehen, zum Beispiel mit übelriechenden („stinkenden“) Blähungen.
Was Sie bei einer Darmentzündung tun können, hängt immer von der Ursache ab. Chronische Darmentzündungen lassen sich mit verschiedenen Strategien behandeln, zum Beispiel mit Medikamenten oder einer Operation. Auch Sie selbst können etwas tun, zum Beispiel durch Ihre Ernährung. Ausserdem kann die Darmentzündung durch Stress „befeuert“ werden. Hier können Entspannungsmethoden hilfreich sein.
Dickdarmpolypen
Dickdarmpolypen sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut im Dickdarm. Meist sind sie harmlos, aber sie können mit der Zeit in Darmkrebs (Kolonkarzinom) übergehen. Im Rahmen einer Darmspiegelung (Koloskopie) lässt sich ein Dickdarmpolyp aufspüren und gleichzeitig entfernen. Dann kann Darmkrebs meist gar nicht entstehen. Die Darmkrebsfrüherkennung ist daher besonders wichtig! Für Männer und Frauen in der Schweiz ist sie ab dem 50. Lebensjahr empfohlen.
Divertikel und Divertikulitis
Im Darm können sich Ausstülpungen bilden, sogenannte Divertikel. Diese Divertikel im Darm stülpen sich nicht ins Darminnere hinein, sondern ragen nach aussen vor. Meist bilden sich die Ausstülpungen im letzten Teil des Dickdarms, im sogenannten Sigma. Diese gutartige Erkrankung heisst Divertikulose. Die Divertikel können sich jedoch entzünden und in einer Divertikulitis münden.
Reizdarmsyndrom (IBS/RDS)
Das Reizdarmsyndrom ist eine funktionelle Störung des Darms, für die Ärztinnen und Ärzte mittels „normaler“ Untersuchungsmethoden keine organische Ursache finden können. Die Erkrankung heisst auch Reizkolon, Colon irritable oder nervöser Darm. Ein Reizdarmsyndrom kann unterschiedlich stark ausgeprägt sein und den Alltag und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Frauen leiden häufiger am Reizkolon als Männer.
Zöliakie (Glutenunverträglichkeit)
Die Zöliakie zählt zu den Autoimmunkrankheiten. Dabei reagiert der Körper fälschlicherweise auf das normalerweise harmlose „Klebereiweiss“ Gluten. Dieses ist in Getreide und Getreideprodukten (z. B. aus Weizen, Dinkel, Roggen, Gerste) enthalten. Die Zöliakie betrifft meist den Dünndarm, kann sich aber auch an anderen Organen zeigen.
Die Aufnahme von Gluten löst eine Entzündung in der Darmschleimhaut aus, meist im Dünndarm. Die Darmzotten bilden sich bei dieser Dünndarm-Krankheit zurück und die Oberfläche des Dünndarms verringert sich. Somit kann der Dünndarm nicht mehr genügend Nährstoffe aufnehmen. So erleben Betroffene im Laufe ihrer Erkrankung mehr oder weniger starke Nährstoffdefizite.
Kurzdarmsyndrom
Das Kurzdarmsyndrom kann entstehen, wenn nach einer Operation ein Teil des Dünndarms fehlt. So sind zum Beispiel bei Menschen mit Morbus Crohn manchmal umfangreichere Operationen und die Entfernung von Darmabschnitten nötig. Manchmal fehlt auch ein Teil des Darms bei Neugeborenen und sie leiden von Geburt an unter dem Kurzdarmsyndrom. Durch den fehlenden Darmabschnitt sind die Aufnahme und Verwertung der Nährstoffe eingeschränkt. Betroffene müssen ihre Ernährungsweise an die verminderte Nährstoffaufnahme anpassen. Sie sollten sich ernährungsmedizinisch beraten lassen.
Hämorrhoiden
Hämorrhoiden hat jeder Mensch. Dies ist ein gut durchblutetes Gefässpolster, welches den Analkanal umgibt und diesen zusammen mit der Muskulatur am Darmausgang verschliesst. Bei manchen Menschen sind die Hämorrhoiden jedoch vergrössert und verursachen verschiedene Symptome, zum Beispiel hellrotes Blut auf dem Stuhl oder Juckreiz. Die Ursache der Hämorrhoiden ist vor allem die Verstopfung (Obstipation). Als Risikofaktoren dafür gelten eine ballaststoffarme Ernährung, häufiges und langes Sitzen, Bewegungsmangel oder genetische Faktoren.
Durchblutungsstörungen des Darms
Bei Durchblutungsstörungen des Darms ist seine Blutversorgung eingeschränkt. Die Zellen bekommen dann nicht mehr genügend Blut und damit Sauerstoff und Nährstoffe. Die Ursache einer akuten Durchblutungsstörung kann zum Beispiel ein Blutgerinnsel (Thrombus) sein. Eine Durchblutungsstörung kann auch chronisch sein. Angina abdominalis heisst dieses Krankheitsbild. Hier sind die Arterien im Darm verkalkt oder verengt und der Darm ist nicht mehr genügend durchblutet.
Darmverschluss
Ein Darmverschluss ist lebensgefährlich und immer ein Notfall, bei dem Ärztinnen und Ärzte schnell handeln müssen. Bei einem Darmverschluss stockt der Transport des Nahrungsbreis, von Flüssigkeiten und Verdauungssekreten. Manchmal kommt die Beförderung auch ganz zum Erliegen. Der Grund dafür ist eine Blockade oder ein Hindernis im Darm. Einige Beispiele: Narbengewebe nach einem chirurgischen Eingriff, Tumore oder Hernien – hier treten Eingeweide, etwa Teile des Darms, durch eine Lücke in der Bauchwand hervor.
Die Anzeichen bei einem Darmverschluss können starke Bauchschmerzen, Übelkeit und Verstopfung sein. Suchen Sie bei solchen Anzeichen immer umgehend ärztliche Hilfe.
Darmkrebs
Darmkrebs ist ein bösartiger Tumor, der im Dickdarm (Kolonkarzinom) oder im Enddarm (Rektumkarzinom) entsteht. In der medizinischen Sprache heisst diese Krebsart auch kolorektales Karzinom oder Kolorektalkarzinom. In der Mehrzahl der Fälle (ca. 90 Prozent) entwickelt sich Darmkrebs aus einem gutartigen Darmpolypen. Eine gesunde Zelle kann entarten und sich zu einer Krebszelle entwickeln. Dieser Prozess der Umwandlung von „gutartig“ zu „bösartig“ kann bis zu zehn Jahre dauern. Daher ist auch die Darmkrebsfrüherkennung so wichtig.