Schlaf-bezogene Atmungsstörungen und Schlafapnoe

Schlafapnoe, OSA, Schlafapnoe-Syndrom, Schlafbezogene Atmungsstörung

Schlaf-assoziierte Atmungsstörungen umfassen verschiedene Erkrankungen, bei denen die Atmung während des Schlafs beeinträchtigt ist. Dazu gehören insbesondere die obstruktive Schlafapnoe (OSA), zentrale Schlafapnoe-Syndrome (CSA), schlafbezogene Hypoventilationen sowie schlafbezogene Hypoxämien. Die mit Abstand häufigste Form ist die obstruktive Schlafapnoe. Diese kann sich jedoch in Bezug auf Sauerstoff-Entsättigungen, Schlaffragmentierung und Herz-Kreislauf-Effekte ebenso wie in Bezug auf Schlafqualität und Tagessymptome sehr unterschiedlich präsentieren.

Was sind schlafbezogene Atmungsstörungen?

Der Schlaf stellt gewissermassen die „Schwachstelle“ der Atmung dar: Viele Erkrankungen der Lunge, des Herz-Kreislauf-Systems oder des Nerv-Muskel-Systems können sich deshalb zunächst im Schlaf durch eine gestörte Atmung manifestieren. Schlafbezogene Atmungsstörungen treten beispielsweise gehäuft bei Herzinsuffizienz, COPD, Adipositas, neuromuskulären Erkrankungen oder anderen Formen einer respiratorischen Insuffizienz auf.

Für die Beurteilung einer Schlafapnoe oder anderer schlafbezogener Atmungsstörung ist daher eine umfassende pneumologische und schlafmedizinische Abklärung wichtig. Neben der Erfassung von Risikofaktoren und Begleiterkrankungen werden insbesondere die Schlafqualität, das Tagesbefinden sowie mögliche Langzeitfolgen beurteilt. Zur Diagnosestellung ist immer eine apparative Schlafuntersuchung erforderlich. In einer Erstkonsultation wird beurteilt, welche Untersuchungsmethode geeignet ist – beispielsweise eine Polysomnographie im Schlaflabor, eine Polygraphie mit Kapnometrie (Kohlendioxidmessung) im Schlaflabor oder eine ambulante Polygraphie im häuslichen Umfeld.

Das Schlafzentrum der Universitätsspital Zürich bietet das gesamte Spektrum dieser Diagnostik in der Pneumologie an. In der Zusammenschau aller Befunde kann anschliessend geprüft werden, ob eine Therapie angezeigt ist und welche Behandlungsform individuell am besten geeignet ist.

Zu den wichtigsten Therapieoptionen gehören Überdrucktherapien wie CPAP oder ASV, die in der Pneumologie individuell eingestellt werden. Bei leichteren Formen der OSA kann bei geeigneten Patientinnen und Patienten eine individuell angepasste Unterkieferprotrusionsschiene eine Alternative sein. Bei Übergewicht oder Adipositas kann eine Gewichtsnormalisierung zur Verbesserung der OSA beitragen. Für ausgewählte Patientinnen und Patienten kommen zudem operative Verfahren wie eine Kieferumstellungsosteotomie oder eine Hypoglossusnervenstimulation („Zungenschrittmacher“) in Frage.

Als interdisziplinäres Zentrum bietet das Universitätsspital Zürich diese modernen Therapieansätze in Zusammenarbeit der Pneumologie mit der Zahnmedizin, HNO, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie und dem Adipsoitas Zentrum nach sorgfältiger diagnostischer Abklärung an.

Typen der Schlaf-bezogenen Atmungstsörung

Es werden vier Hauptformen unterschieden, die sich hinsichtlich ihrer Ursache und pathophysiologischen Mechanismen unterscheiden:

Obstruktive Schlafapnoe (OSA/OSAS)

Diese Form entsteht durch eine wiederholte Einengung oder einen vollständigen Kollaps des oberen Atemwegs (Rachen) im Schlaf bei Patientinnen und Patienten mit engem und zu Kollaps neigendem oberem Atemweg. Ursache ist ein nächtliches Erschlaffen der Muskulatur im Bereich von Rachen und Zunge, wodurch der Luftstrom behindert oder unterbrochen wird. Typisch sind lautes, unregelmässiges Schnarchen, gefolgt von Atempausen und anschliessendem hörbarem Luftholen. Die obstruktive Schlafapnoe ist mit Abstand die häufigste Form und tritt vermehrt bei Übergewicht/Adipositas, begünstigender Kieferanatomie mit anatomischen Engstellen oder bei neuromuskulären Erkrankungen auf.

Zentrale Schlafapnoe (ZSA)

Hier sind die oberen Atemwege frei, jedoch bleibt der Atemantrieb zeitweise aus, weil das Atemzentrum im Gehirn keine entsprechenden Signale an die Atemmuskulatur sendet. Infolgedessen setzen Atembewegungen vollständig aus, ohne dass eine mechanische Blockade vorliegt. Diese Form ist deutlich seltener, tritt jedoch häufiger im Zusammenhang mit Herzinsuffizienz, nach Schlaganfällen, bei Einnahme von Opiaten oder bei bestimmten neurologischen Erkrankungen auf.

Hypoventilations-Syndrome

Bei einer schlafbezogenen Hypoventilation ist das Atemminutenvolumen während des Schlafs dauerhaft zu tief. Dadurch wird zu wenig Kohlendioxid abgeatmet, was zu einem Anstieg des Kohlendioxids im Blut und zusätzlich zu einem Sauerstoffmangel führt. Die Störung tritt oft zunächst nur im Schlaf auf und kann ein frühes Zeichen einer beginnenden respiratorischen Insuffizienz sein. Häufige Ursachen sind starkes Übergewicht (Adipositas-Hypoventilationssyndrom), chronische Lungenerkrankungen wie COPD, neuromuskuläre Erkrankungen oder Veränderungen des Brustkorbs. Auch bestimmte Medikamente mit atemdämpfender Wirkung können eine Hypoventilation verstärken.

Schlaf-bezogene Hypoxämie

Bei der schlafbezogenen Hypoxämie kommt es während des Schlafs zu einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut, ohne dass zwingend Atempausen vorliegen müssen. Ursache ist meist eine eingeschränkte Sauerstoffaufnahme in der Lunge oder eine bereits bestehende respiratorische Erkrankung, die sich im Schlaf verstärkt bemerkbar macht. Eine Schlaf-bezogene Hypoxämie tritt häufig bei chronischen Lungenerkrankungen wie COPD, interstitiellen Lungenerkrankungen oder pulmonal-arterieller Hypertonie auf und macht sich bemerkbar bevor der Sauerstoff auch tagsüber vermindert ist.

Diese Differenzierung ist für die Therapie entscheidend, da sowohl die Ursachen als auch die wirksamsten Behandlungsansätze je nach Typ variieren.

Obstruktive Schlafapnoe

Die obstruktive Schlafapnoe zeichnet sich durch wiederholte obstruktive Apnoen (Kollaps des oberen Atemwegs im Schlaf) oder Hypopnoen (Teilkollaps mit resultierender Flusslimitation) aus, die zu Sauerstoffentsättigungen, Schlaffragmentierung («Arousals») und kardiovaskulärem Stress führen. Für die Diagnosestellung wird der Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) herangezogen, der die durchschnittliche Anzahl von Apnoen und Hypopnoen pro Stunde Schlaf angibt. Ein AHI von fünf oder mehr Ereignissen pro Stunde in Kombination mit typischen Symptomen – wie exzessiver Tagesschläfrigkeit, nicht erholsamem Schlaf oder morgendlichen Kopfschmerzen – gilt als diagnostisch relevant. Eine obstruktive Schlafapnoe kann den Schlaf erheblich beinträchtigen und kann mit einem erhöhten Risiko für arterielle Hypertonie, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Stoffwechselstörungen und Unfälle durch Tagesschläfrigkeit assoziiert sein.

Schlafapnoe Häufigkeit

Die obstruktive Schlafapnoe ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen. Weltweit leidet ca. eine Milliarde Menschen an obstruktiver Schlafapnoe.

Studien zeigen, dass rund 13 % der Männer und 6 % der Frauen im mittleren bis höheren Lebensalter an einer relevanten obstruktiven Schlafapnoe mit Behandlungsindikation leiden. Bei Frauen steigt das Risiko insbesondere nach der Menopause deutlich an, was auf hormonelle Veränderungen zurückgeführt wird.

Was ist die obstruktive Schlafapnoe oder das Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom?

Die obstruktive Schlafapnoe ist die weitaus häufigste Form einer Schlaf-bezogenen Atungsmstörung. Die Betroffenen schnarchen in der Regel und es kommt zu einer wiederholten Erschlaffung der Muskulatur des Rachens und der Zunge und zu einem Kollaps des oberen Atemwegs. Anschliessend atmen und schnarchen die Betroffenen wieder weiter. Die Phase der verringerten Sauerstoffzufuhr während des Atemaussetzers führt zu einer kurzen Alarmreaktion des Körpers, die aber von der betroffenen Person meist nicht bewusst wahrgenommen wird. Der Schlaf wird kurz fragmentiert («Arousal) und der Muskeltonus kommt zurück bis es zu einer erneuten Apnoe kommt. Dies geht nicht nur mit Sauerstoffabfällen und Schlaffragmentierung einher, sondern häufig auch mit Stress fürs Herzkreislaufsystem (Herzfrequenzschwankungen, Blutdruckanstieg etc.). Wenn dieser Prozess unzählige Male während der Nacht abläuft, wird der Schlaf erheblich gestört. Die Betroffenen sind am nächsten Morgen oft nicht ausgeruht. Allerdings haben viele Patienten, die an einer symptomatischen obstruktiven Schlafapnoe leiden, nicht unbedingt eine erhöhte Einschlafneigung (bei erhöhter Tagesschläfrikeit spricht man vom Schlafapnoe -Syndrom), sondern leiden an Müdigkeit, Konzentrationsstörungen, Abgeschlagenheit oder an unterbrochenen Schlaf von schlechter Qualität.

Illustration Schlaf ohne Atemaussetzer und mit obstruktiver Schlafapnoe

Obstruktive Schlafapnoe: Ursachen und Risikofaktoren

Bei der Obstruktiven Schlafapnoe erschlafft die Muskulatur der oberen Atemwege im Schlaf, so dass diese zusammenfallen und Schnarchgeräusche entstehen. Eine teilweise oder vollständige Blockierung (Obstruktion) der erschlafften Atemwege ist für die Aussetzer verantwortlich. Infolgedessen wird der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, der Kohlendioxidgehalt im Blut steigt, der Puls wird langsamer. Schliesslich reagiert das Atemzentrum im Gehirn und schlägt gewissermassen Alarm. Der Körper reagiert auf den Stress:

  1. Die Atemwege öffnen sich durch die Spannung wieder
  2. Die Atmung setzt mit raschen, tiefen Atemzügen wieder ein
  3. Die betroffene Person wechselt kurz in einen leichten Wachzustand,
  4. Herzfrequenz und Blutdruck steigen, der Körper wird wieder ausreichend mit Sauerstoff versorgt.

Die kurzen Wachmomente werden meist nicht bewusst wahrgenommen, aber sie verhindern, dass ein erholsamer Tiefschlaf stattfinden kann. Das unbewusste Aufwachen wird auch Arousal genannt. Wenn Sie sich also tagsüber ständig müde fühlen sollten und aus Ihrem Umfeld die Rückmeldung bekommen, dass Sie nachts schnarchen, dann liegt der Verdacht einer Obstruktiven Schlafapnoe  nahe. Um sicher zu sein, können Ihre Angehörigen einmal die Häufigkeit der Aussetzer beobachten. Die Atemstillstände bei einer Schlaf-Apnoe finden mindestens fünf Mal innerhalb einer Stunde statt und dauern jeweils mindestens zehn Sekunden an.

Man schätzt, dass etwa fünfzehn Prozent der Menschen im mittleren Alter von dieser Erkrankung betroffen sind, die Zahl der Erkrankten steigt mit dem Lebensalter. Es gibt ein paar Risikofaktoren, die eine Obstruktive Schlafapnoe begünstigen können. Dazu gehören:

  • Übergewicht (Adipostas)
  • Fehlstellung des Unterkiefers (Retrognathie)
  • Nebenerkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Atemmuskelschwäche und viele andere
  • vergrösserte Rachenmandeln, Nasenpolypen
  • Alkohol-, Nikotin-, Drogenkonsum, Schlafmittel

Auch ein Diabetes mellitus, eine Herzschwäche oder das Schlafen auf dem Rücken können eine Obstruktive Schlafapnoe begünstigen. Bei Menschen mit einer Herz-Kreislauferkrankung kommt die Schlafapnoe häufiger vor als bei ansonsten Gesunden.

Symptome der obstruktiven Schlafapnoe

In der Regel sind Menschen mit einer Obstruktiven Schlafapnoe Schnarcher und Schnarcherinnen. Schnarchen an sich (ohne obstruktive Schlafapnoe) ist harmlos und muss keinen Krankheitswert haben. Wenn den Angehörigen dazu allerdings die typischen Atemaussetzer während des Schlafes auffallen, dann liegt der Verdacht einer Schlafapnoe nahe. Die Betroffenen klagen am Tag häufig über Müdigkeit, manchmal haben sie auch Konzentrationsstörungen. An weiteren Beschwerden können auftreten:

  • Erhöhte Einschlafneigung in monotonen Situationen
  • Fragmentierter Schlaf
  • Unerholsamer Schlaf
  • Kopfschmerzen am Morgen
  • Mundtrockenheit
  • Aufwachen in der Nacht mit Luftnot und Herzrasen
  • Schwitzen in der Nacht
  • Potenzprobleme

Auch wenn die Betroffenen die Wachphasen nicht bewusst erleben, klagen doch viele über einen unruhigen Schlaf. Die Schlafstörungen können depressive Stimmungen bis hin zu Depressionen verursachen. Meist sind es die Angehörigen, die wegen der eigenen gestörten Nachtruhe darauf drängen, dass die betroffene Person einen Arzt, eine Ärztin oder ein Spital aufsucht.

Auch beruflich kann die obstruktive Schlafapnoe hinderlich werden, denn in der Schweiz wird beispielsweise für alle Führerscheinausweiskategorien vorgeschrieben, dass keine Erkrankungen mit erhöhter Tagessschläfrigkeit vorliegen dürfen. Das ist ein weiterer Grund, die nächtlichen Atemaussetzer nicht auf die leichte Schulter zu nehmen, sondern sich medizinisch gründlich untersuchen zu lassen.

Zudem ist die obstruktive Schalapnoe ein wichtiger Risikofaktor für Bluthochdruck, insbesondere für nächtlichen Bluthochdruck oder eine sog. Therapie-resistente arterielle Hypertonie, die nicht gut auf Blutdruck-senkende Medikamente anspricht. Auch kann die obstruktive Schlafapnoe Vorhofflimmern begünstigen.

Besonderheiten der obstruktiven Schlafapnoe bei Männern und Frauen

Bei Männern zeigt sich die obstruktive Schlafapnoe (OSA) häufiger mit den klassischen Leitsymptomen wie lautem, unregelmässigem Schnarchen, beobachteten Atemaussetzern und deutlicher Tagesmüdigkeit.

Frauen hingegen berichten öfter über unspezifische oder atypische Beschwerden wie Ein- und Durchschlafstörungen, morgendliche Kopfschmerzen, Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmungen oder Konzentrationsprobleme. Atemaussetzer treten bei ihnen zudem häufiger in REM-Schlafphasen auf, was die Diagnose erschweren kann.

Diese Unterschiede im Beschwerdebild erfordern eine geschlechtssensible Diagnostik, um Fehldiagnosen zu vermeiden und eine frühzeitige, gezielte Therapie zu ermöglichen. Die Schlafapnoe präsentiert sich auch unterschiedlich in Schlafuntersuchungen. Frauen, insbesondere prämenopausale Frauen haben häufiger Hypopnoen (Teilkollaps) mit «Weckreaktionen» (Arousals) und ohne deutliche Sauerstoffdesaturationen, so dass eine Polysomnographie für die Diagnose notwendig ist und eine Polygraphie im häuslichen Umfeld häufig nicht sensitiv genug ist. Auch findet sich eine vorwiegend im Traumschlaf auftretende obstruktive Schlafapnoe häufiger bei Frauen. Die Symptome und Folgen korrelieren dabei nicht unbedingt mit dem Apnoe-Hypopnoe-Index. Auch ein nicht stark erhöhter Apnoe-Hypopnoe-Index kann zu Symptomen führen oder ein Patient mit stark erhöhtem Apnoe-Hypopnoe-Index kann weitgehend symptomfrei sein. In Polysomnographien oder Polygraphien wird weit mehr gemessen als der Apnoe-Hypopnoe-Index und wird insbesondere auch der Sauerstoffmangel und autonome Stress mitbeurteilt.

Diagnose Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom

Zur ersten Diagnose werden wir in der Pneumologie die Krankheitsgeschichte, mögliche Symptome inkl. Beobachtungen der Angehörigen und Risikofaktoren aufnehmen (Anamnese und Untersuchung). Bei der körperlichen Untersuchung werden Gewicht, Grösse, der Blutdruck, das Herz und die Lunge untersucht. Eine Blutuntersuchung kann zeigen, ob eine Schilddrüsenfunktionsstörung vorliegt und ob durch den Sauerstoffmangel bei einer schon länger bestehenden Schlaf-Apnoe die Zahl der roten Blutkörperchen gestiegen ist. Eine arterielle Blutgasanalyse gibt Aufschluss über den Sauerstoff- und Kohlensäuregehalt. An die körperliche Diagnostik kann sich eine Untersuchung der Atmung und des Schlafes anschliessen.

Tragbares Messgerät bei Schlafapnoe

Um die Atmung während des Schlafes zu untersuchen, gibt es verschiedene Möglichkeiten. Mithilfe eines tragbaren Polygraphie-Gerätes, das Sie mit nach Hause nehmen können, lassen sich verschiedene Parameter überprüfen. Bevor Sie ins Bett gehen, legen Sie die Messsonden an. Während Sie schlafen, werden die Atmung, die Herzfrequenz und die Sauerstoffsättigung des Blutes gemessen. Ausserdem registrieren die Sonden die Körperposition und die Schnarchgeräusche. Wenn sich der Verdacht auf eine OSA bestätigt, kann eine Behandlung oder eine weitere Untersuchung im Schlaflabor sinnvoll sein. Diese Methode eignet sich allerdings nur bei hoher Vortestwahrscheinlichkeit für eine schwere obstruktive Schlafapnoe mit zyklischen Sauerstoffdesaturationen. Sie ist nicht geeignet für Patientinnen und Patienten mit Lungen- oder Herzkreislauferkrankungen oder anderen Schlafstörungen (z.B. Insomnie/Schlaflosigkeit) und weniger sensitiv in der Erkennung der obstruktiven Schlafapnoe (insbesondere bei Frauen).

OSA: Schlaflabor

Bei einer Untersuchung im Schlaflabor kann Ihr Schlaf im Detail beobachtet und mittels verschiedenen Messgeräten aufgezeichnet werden. Dafür beziehen Sie am Abend ein spezielles Schlaflabor-Einzelzimmer, das mit Videokamera und Aufzeichnungsgeräten ausgestattet ist. Über Sensoren werden neben den Parametern Pulsfrequenz und Sauerstoffgehalt auch Atembewegungen, Bewegungen der Gliedmassen und Augen sowie im Falle einer Polysomnographie Hirnströme erfasst. Aus der Zahl der vollständigen und teilweisen Atemaussetzer wird die Häufigkeit der Apnoen und Hypopnoen pro Stunde als Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI) berechnet. Der AHI ist eine Mass für den Schweregrad der obstruktiven Schlafapnoe Falls der Verdacht auf (zusätzliche) zentrale Schlafapnoe oder Hypoventilation besteht, ist eine Untersuchung im Schlaflabor inklusive Kohlendioxidmessung (Kapnometrie) indiziert.

Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom: Vorbeugen, Früherkennung, Verlauf

In gewissem Umfang können Sie versuchen, einer obstruktiven Schlafapnoe vorzubeugen. Dazu gehört zunächst einmal die Kontrolle des Gewichtes. Starkes Übergewicht begünstigt die Atemaussetzer, unter anderem auch weil zu viel Bauchfett und Fett am Hals die Atmung erschwert. Achten Sie auf eine ausgewogene, gesunde Ernährung mit reichlich Obst, Gemüse und Ballaststoffen. Gehen Sie mit Zucker sparsam um, kontrollieren Sie die Fette, die Sie zu sich nehmen – pflanzliche sind besser als tierische – und seien Sie ein wenig geizig mit den Kohlenhydraten. Auch Bewegung hilft, ein gesundes Normalgewicht zu erreichen: das Auto stehen lassen und das Fahrrad nehmen, den Lift nicht holen, sondern die Treppen steigen. Wenn Sie auf das Rauchen und vor dem Schlafengehen auf Alkohol und Schlafmittel verzichten, mindert das ebenfalls das Risiko für Schlafapnoen.

Weiterführende Alltagstipps gegen Schlafapnoe

Zusätzlich zu Gewichtsreduktion, gesunder Ernährung und dem Verzicht auf Alkohol, Nikotin und Schlafmittel können bestimmte Gewohnheiten und Übungen unterstützend wirken:

  • Schlafhygiene optimieren: Regelmässige Schlafzeiten, ein ruhiges, dunkles Schlafzimmer und das Vermeiden von Bildschirmnutzung kurz vor dem Schlafen fördern einen erholsamen Schlaf.
  • Lageveränderung trainieren: Schlafen in Seitenlage reduziert bei vielen Betroffenen die Häufigkeit von Atemaussetzern. Hilfreich sind Lagerungshilfen oder spezielle Seitenschlafkissen.
    Atem- und Zungenmuskeltraining: Kurze tägliche Übungen zur Kräftigung der Zungen- und Rachenmuskulatur können den Kollaps der oberen Atemwege verringern (z. B. bewusstes Pressen der Zunge gegen den Gaumen, summende Laute).
  • Regelmässige körperliche Aktivität: Ausdauersportarten wie Gehen, Radfahren oder Schwimmen verbessern die allgemeine Fitness und unterstützen die Atmungsfunktion.
  • Nasenatmung fördern: Bei chronisch verstopfter Nase kann eine Behandlung oder gezieltes Nasenatemtraining die nächtliche Atmung verbessern.

Diese Massnahmen ersetzen keine medizinische Therapie, können jedoch die Behandlung unterstützen und die Lebensqualität verbessern.

Verlauf bei Obstruktiver Schlafapnoe

Reagieren Sie bald, wenn Ihr Partner oder Ihre Partnerin sich über Ihr lautes Schnarchen in der Nacht beschwert. Nehmen Sie die Tagesmüdigkeit nicht als lästiges Übel hin, sondern besuchen Sie uns, um die Ursache herauszufinden. Die Diagnose Obstruktive Schlafapnoe oder Obstruktives Schlaf-Apnoe-Syndrom und die Therapie können Ihnen helfen, wieder mehr Lebensqualität zu erreichen und mögliche Folgen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall abzuwenden.

Unbehandelt können die hundertfachen Atemaussetzer während der Nacht

hervorrufen. Die Tagesmüdigkeit macht das Autofahren riskant, was gerade für Berufsfahrer/-innen gefährlich ist. Die Schläfrigkeit am Tage kann bis zur Arbeitsunfähigkeit führen. Bei Menschen mit Demenz erhöht die unbehandelte Schlafapnoe den kognitiven Abbau.

Selbsthilfegruppen

Der Austausch mit Gleichbetroffenen kann bei der Bewältigung einer Krankheit eine grosse Unterstützung sein. Beratung auf der Suche nach einer geeigneten Selbsthilfegruppe erhalten Sie bei Selbsthilfe Zürich. Selbsthilfe Zürich und das Universitätsspital Zürich sind Kooperationspartner im nationalen Projekt «Gesundheitskompetenz dank selbsthilfefreundlicher Spitäler».

Obstruktive Schlafapnoe behandeln

Eine gezielte Therapie kann die Lebensqualität deutlich verbessern und das Risiko Folgeerkrankungen wie arterielle Hypertonie, Herzinfarkt oder Schlaganfall deutlich senken. Je nach Schweregrad und individuellen Voraussetzungen stehen verschiedene Ansätze zur Verfügung.

  • Zu den allgemeinen Massnahmen zählen Gewichtsreduktion, der Verzicht auf Alkohol, Rauchen und beruhigende Medikamente, sowie eine bevorzugte Seitenlage (Vermeiden von Rückenlage) im Schlaf. Diese Veränderungen können insbesondere bei leichteren Formen die Häufigkeit der Atemaussetzer deutlich verringern.
  • Die CPAP-Therapie (Continuous Positive Airway Pressure) gilt als Standardbehandlung bei obstruktiver Schlafapnoe. Über eine Maske wird ein kontinuierlicher Überdruck zugeführt, der die Atemwege offenhält und Apnoen zuverlässig verhindert.
  • Als technische Hilfsmittel kommen individuell angepasste Unterkieferprotrusionsschienen oder lageverändernde Vibrationssysteme infrage – vor allem bei leichteren Verlaufsformen oder wenn CPAP nicht vertragen wird.
  • Operative Verfahren können sinnvoll sein, wenn anatomische Engstellen vorliegen, etwa durch vergrösserte Gaumen- oder Rachenmandeln, Nasenpolypen oder Kieferfehlstellungen.

Die Wahl der Therapie erfolgt stets individuell und kann auf der speziellen Behandlungsseite im Detail nachgelesen werden.

Häufige Fragen zum Thema Schlafapnoe

Eine vollständige Heilung ist in den meisten Fällen nicht möglich. Leichte Formen können sich durch Gewichtsreduktion, Änderung der Schlafgewohnheiten oder die Behandlung anatomischer Ursachen deutlich bessern. Bei vielen Betroffenen ist jedoch eine dauerhafte Therapie – z. B. mit CPAP – notwendig, um die Atemaussetzer zuverlässig zu verhindern.

Mit einer adäquaten Behandlung ist die Lebenserwartung nicht eingeschränkt. Unbehandelt kann eine schwere obstruktive Schlafapnoe jedoch das Risiko für Herz-Kreislauf-Leiden, Stoffwechselstörungen und Unfälle erhöhen, was sich langfristig negativ auf die Lebenserwartung auswirkt.

Nicht jede Form der obstruktiven Schlafapnoe ist gefährlich oder muss behandelt werden. Eine schwere obstruktive Schlafapnoe, insbesondere wenn sie zu schweren Sauerstoffentsättigungen oder Herz-Kreislauf-Sress führt, kann gefährlich sein. Wiederholte nächtliche Atemaussetzer führen zu Sauerstoffmangel, Blutdruckanstieg und vermehrter Ausschüttung von Stresshormonen. Langfristig steigt das Risiko für Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzrhythmusstörungen und Tagesmüdigkeit mit erhöhter Unfallgefahr.

Eine CPAP-Therapie hält die oberen Atemwege mittels kontinuierlichen Überdrucks offen, verhindert Apnoen und normalisiert die Sauerstoffversorgung. Alternativen sind Unterkieferprotrusionsschienen, Lageveränderungssysteme, oder – in speziellen Fällen – chirurgische Eingriffe wie die Hypoglossusnerv-Stimulation oder die Kieferumstellungsosteotomie

Mit tragbaren Polygraphie-Geräten können Atemfluss, Atemanstrengung, Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz und Schlafposition zu Hause aufgezeichnet und bei hoher Vortest-Wahrscheinlichkeit für eine mittelschwere bis schwere obstruktive Schlafapnoe vom klassischen Typ (mit relevanten Sauerstoffdesaturationen) die Diagnose gestellt werden. Die Diagnose muss jedoch durch eine ärztliche Auswertung der Schlafuntersuchung bestätigt werden. Eine Untersuchung zuhause eignet sich nicht zum Ausschluss einer Schlafapnoe. Gegebenenfalls ist eine Untersuchung im Schlaflabor in einem zweiten Schritt notwendig.

Die Wahl der Maske hängt von individuellen Faktoren wie Anatomie, Schlafposition und persönlichem Komfort ab. Es gibt Nasenmasken, Nasenpolstermasken und Mund-Nasen-Masken; die bestgeeignete Variante wird im Rahmen der Therapieanpassung getestet.

Neben der obstruktiven Schlafapnoe (häufigste Form) gibt es auch verschiedene Formen der zentralen Schlafapnoe (seltener) und kombinierte Formen von obstruktiver und zentraler Schlafapnoe. Weitere Formen der Schlaf-bezogenen Atmungsstörung sind die Hypoventilation (z.B. Adipositas-Hypoventilationssyndrom) und die Hypoxämie. Zudem gibt es spezielle Formen der obstruktiven Schlafapnoe wie REM-dominante obstruktive Schlafapnoe, Rückenlage-dominante obstruktive Schlafapnoe oder das Upper Airway Resistance Syndrome (UARS) und kann die obstruktive Schlafapnoe zusammen mit einer anderen Form einer Schlaf-bezogenen Atmungsstörung auftreten

Neben etablierten Methoden wie CPAP kommen moderne Ansätze wie die Hypoglossusnerv-Stimulation oder individualisierte, digital gesteuerte Unterkieferprotrusionsschienen zum Einsatz. Forschung und Technik entwickeln kontinuierlich weitere patientenspezifische Lösungen.

Typische Hinweise sind lautes, unregelmässiges Schnarchen, beobachtete Atemaussetzer, häufiges nächtliches Erwachen mit Luftnot sowie ausgeprägte Tagesmüdigkeit. Eine sichere Diagnose kann nur durch eine medizinische Untersuchung gestellt werden.

Zu den häufigsten Symptomen zählen lautes Schnarchen, Atemaussetzer im Schlaf, morgendliche Kopfschmerzen, unerholsamer Schlaf, fragmentierter Schlaf, Konzentrationsstörungen, Tagesmüdigkeit, Stimmungsschwankungen und verminderte Leistungsfähigkeit. Manche Betroffene berichten zudem über Mundtrockenheit, nächtliches Schwitzen oder Herzrasen.