Überblick: Was ist eine Osteoporose?
Bis etwa zum 25. Altersjahr bauen wir unser Skelett auf. Danach bleibt unser Knochen während Jahren mehr oder weniger stabil. Ab dem 40. Lebensjahr beginnt der natürliche Alterungsprozess unserer Knochen: Der Mineralsalzgehalt und damit die Stabilität nehmen langsam ab. Bei einer Osteoporose verlieren Betroffene allerdings zu viel Knochenmasse in kurzer Zeit. Ein gesunder Knochen ist schwammartig aufgebaut mit dichten und festen Strukturen, den Knochenbälkchen. Die Abnahme der Knochendichte und die verminderte Knochenqualität führen zu einer Abnahme von Stabilität und Belastbarkeit der Knochen. Schreitet dieser Prozess fort, kann es bei geringsten Unfällen, Alltagstätigkeiten oder sogar spontan zu Knochenbrüchen kommen. Davon betroffen ist oft die Wirbelsäule, ausserdem Oberschenkel, Oberarme und Unterarme.
Obwohl vor allem Frauen nach den Wechseljahren von Osteoporose betroffen sind, kann die Erkrankung auch bei Männern im fortgeschrittenen Alter auftreten. Gewisse Krankheiten oder Medikamente können aber auch bereits bei jungen Menschen zu einer verminderten Knochendichte führen. Die Osteoporose selbst tut nicht weh, aber Knochenbrüche sind meist schmerzhaft und können zu einem Verlust an Lebensqualität führen, vor allem wenn es sich um Hüftbrüche oder Wirbelbrüche handelt. Deshalb empfiehlt es sich, frühzeitig mit vorbeugenden Massnahmen zu beginnen.

6 Tipps für starke Knochen
1. In Bewegung kommen und bleiben
Schon Kinder und Jugendliche sollten sich viel bewegen und Sport treiben. Denn Belastung durch Joggen oder etwa Ballsportarten regt das Knochenwachstum an. Nach dem 30. Lebensjahr sinkt die Knochendichte allmählich. «Mit Sportarten wie Joggen, Tanzen oder Wandern lässt sich dieser Prozess stark verlangsamen», sagt Gregor Freystätter, stellvertretender Oberarzt und Klinikdirektor an der Klinik für Altersmedizin am Universitätsspital Zürich. Das Prinzip ist einfach: Bewegungen, welche schnelle, kurze Stösse verursachen wie Joggen oder Hüpfen, regen die Knochenzellen mehr an als Bewegungen mit geringer Belastung wie etwa Schwimmen oder Radfahren. Um die Knochendichte und -masse so stabil wie möglich zu halten, sollten Sie sich auch im höheren Alter viel bewegen. Trainieren Sie auch Ihre Ausdauer und Kraft sowie Ihren Gleichgewichtssinn.
2. Auf die richtigen Lebensmittel setzen
Die beiden Nährstoffe Kalzium und Eiweiss tragen wesentlich zum Aufbau und im höheren Alter zum Erhalt starker Knochen und Muskeln bei. Gute Eiweisslieferanten sind Fleisch, Milchprodukte, Tofu, Nüsse und Hülsenfrüchte. Besonders viel Kalzium steckt in Milchprodukten, Tofu, Feigen, grünem Gemüse sowie Mineralwasser. «Wer drei Portionen Milchprodukte pro Tag isst – beispielsweise ein Joghurt, 30 g Hartkäse und 2 dl Milch –, kann den Tagesbedarf an Kalzium decken und hat bereits einiges an Eiweiss aufgenommen», sagt Claudia Vogt, Ernährungsberaterin an der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Klinische Ernährung am Universitätsspital Zürich. Mit zusätzlich 300 g Gemüse und 100 g Fleisch oder 150 g Tofu sei der tägliche Eiweissbedarf ebenfalls gedeckt.
3. Sonne tanken
Vitamin D sorgt dafür, dass wir Kalzium besser aufnehmen können und ist wichtig für die Mineralisierung der Knochen. Unser Körper bildet durch das Sonnenlicht, das auf unsere Haut trifft, Vitamin D. «Täglich etwa 30 Minuten sonnenbaden um die Mittagszeit, wäre ideal, damit unser Körper genügend Vitamin D bildet», sagt Freystätter. Da dies aber nur möglich sei, wenn man auf Sonnencreme verzichte, sollten besonders empfindliche Hauttypen die Zeitspanne eher kürzer halten. Über die Nahrung kann unser Körper Vitamin D nur in sehr geringen Mengen aufnehmen. Dadurch fehlt vielen Menschen gerade in den Wintermonaten genügend Vitamin D. «In diesem Fall kann eine Ergänzung mit Vitamin D-Präparaten hilfreich sein», sagt Freystätter. Wichtig ist, dass Sie die Dosierung mit der Hausärztin, dem Hausarzt oder der Apothekerin beziehungsweise dem Apotheker besprechen. Vogt weist darauf hin, dass viele Produkte, die sich im Internet erwerben lassen, deutlich zu hoch dosiert sind.
4. Alkohol nur in geringen Mengen
Übermässiger Alkoholkonsum kann das Osteoporoserisiko erhöhen. «Als Grenzwert beziehungsweise risikoarmer Konsum gilt für Männer zwei Standardgläser und für Frauen ein Standardglas pro Tag», sagt Vogt. Ein Standardglas entspricht einem dl Wein oder drei dl Bier.
5. Auf das Rauchen verzichten
Rauchen entzieht dem Körper wertvolle Vitamine und Nährstoffe. Das schadet unseren Knochen. Deshalb sollten Sie auf das Rauchen ganz verzichten.
6. Aufs Gewicht achten
Auch Untergewicht ist ein Risikofaktor für Osteoporose. Als Richtwert dient hier der Body Mass Index, BMI. Als ideal gilt ein BMI zwischen 20 und 25. Liegt er darunter, fehlen unserem Körper wichtige Nährstoffe wie Kalzium und er produziert weniger Geschlechtshormone. «Bei älteren Menschen darf der BMI auch etwas höher liegen, denn sie bauen Muskelmasse schneller ab, wenn sie Gewicht verlieren», sagt Freystätter. Gerade Muskeln, die mit den Knochen eng verbunden sind, sorgen aber für zusätzliche Stabilität. Umgekehrt belastet Übergewicht die Gelenke und Knochen und sollte ebenfalls vermieden werden.
Osteoporose: Ursachen und Risikofaktoren
Für die Abnahme der Knochendichte und der Mikroarchitektur, die schliesslich zu Osteoporose führen, können verschiedene Gründe verantwortlich sein.
Primäre Osteoporose
Die primäre Osteoporose umfasst Formen der Erkrankung, die ohne eine direkte zugrundeliegende Krankheit oder Medikamenteneinnahme entstehen. Sie tritt meist altersbedingt auf und kann in zwei Hauptgruppen unterteilt werden:
- Postmenopausale Osteoporose: Diese häufigste Form der Osteoporose entsteht durch einen Mangel an Östrogenen (weibliche Sexualhormone). Östrogene regulieren den weiblichen Zyklus und ermöglichen eine Schwangerschaft. Zusätzlich schützen Östrogene aber auch die Knochen und verhindern unter anderem ihren Abbau. Da nach den Wechseljahren im weiblichen Körper weniger Östrogene gebildet werden, erhöht sich das Risiko für eine Osteoporose. Etwa 30 Prozent der Frauen entwickeln nach den Wechseljahren die Erkrankung. Wenn die Wechseljahre vor dem 45. Altersjahr eintreten, ist das Risiko für eine Erkrankung zusätzlich erhöht. Genetische Faktoren können die Erkrankung ebenfalls begünstigen.
- Altersosteoporose: Diese betrifft Männer wie Frauen gleichermassen und kann etwa ab dem 70. Lebensjahr einsetzen. Der Knochenabbau ist durch das höhere Lebensalter soweit fortgeschritten, dass die Bruchhäufigkeit zunimmt.
- Sekundäre Osteoporose: Manchmal können andere Erkrankungen eine Osteoporose auslösen. Neben rheumatoider Arthritis, entzündlichen Darmerkrankungen und Zuckerkrankheit sind häufig Hormonerkrankungen (zum Beispiel Schilddrüsenüberfunktion) und auch Nierenerkrankungen für die Abnahme von Knochendichte und Mikroarchitektur verantwortlich. Auch bestimmte Medikamente können zu einer Osteoporose führen. Dazu gehören insbesondere Kortison, Antiepileptika und Medikamente gegen Krebs. Hier zeigt sich die Osteoporose auch bei jüngeren Menschen.
Verschiedene weitere Faktoren können das Risiko für Knochenschwund erhöhen:
- Bewegungsmangel und daraus resultierende Muskelschwäche
- Rauchen
- Untergewicht
- Mangelernährung mit Zufuhr von zu wenig Calcium und Eiweiss
- Vitamin-D-Mangel
- übermässiger Alkoholkonsum
Osteoporose Symptome
Im frühen Verlauf machen sich kaum Anzeichen für eine Osteoporose bemerkbar. Eine Diagnose ist deshalb in diesem Stadium nur durch eine zielgerichtete Suche möglich. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, kommt es zu Knochenbrüchen, die wiederum Beschwerden nach sich ziehen. Je nachdem wie und wo der Bruch entstanden ist, können Schmerzen akut oder chronisch auftreten.
Betroffen ist häufig die Lenden- oder Brustwirbelsäule. Damit verbundene Schmerzen sind oft diffus und für Betroffene nicht konkret lokalisierbar. Darüber hinaus kann eine Osteoporose andere Symptome mit sich bringen:
- Grössenabnahme um mehrere Zentimeter
- Rundrücken und sogenanntes „Osteoporose-Bäuchlein“, das durch die veränderte Körperhaltung entsteht
- Tannenbaumphänomen (Abfallen der Haut in Falten von der Rückenmittellinie zu beiden Seiten)
- Verringerung des Abstands zwischen Becken und Rippen
- Hohlkreuz
Eine andere häufig betroffene Stelle ist die Hüfte. Hüftbrüche müssen meistens operativ versorgt werden und führen oft zu einer langen Einschränkung der Mobilität und eventuell dauernder Hilfebedürftigkeit.
Osteoporose Abklärung im USZ
Treten erste Symptome oder Knochenbrüche auf, die auf eine Osteoporose hindeuten, werden wir eine entsprechende Untersuchung vorschlagen. Ebenso ist es wichtig, bei Vorliegen von Risikofaktoren oder gewissen anderen Krankheiten gezielt nach einer Osteoporose zu suchen. Zur Erkennung einer Osteoporose wenden wir verschiedene diagnostische Methoden an:
- Messung der Knochendichte an Lendenwirbelsäule und Hüfte, sowie eventuell am Vorderarm: der bei der sogenannten DXA-Messung gewonnene T-Wert (T-Score) zeigt die Abweichung der ermittelten Knochendichte vom Durchschnittswert
- Seitliche DXA-Messung der Wirbelsäule zur schnellen Erkennung von Wirbelbrüchen («Vertebrale Morphometrie»)
- Blutuntersuchungen zur Erkennung von anderen Erkrankungen und zum Überprüfen der Nährstoffversorgung
- Überprüfung der Risikofaktoren
- Beurteilung des Risikos für zukünftige Knochenbrüche aufgrund der Risikofaktoren, der körperlichen Untersuchung, der Messresultate und der Laboruntersuchungen
Zur Untermauerung der Diagnose können wir zusätzliche Untersuchungen durchführen:
Das Gesamtbild der Ergebnisse ermöglicht eine zielgerichtete Therapie.
Osteoporose: Vorbeugen, Früherkennung, Prognose
Osteoporose lässt sich zwar nicht immer völlig verhindern oder aufhalten, aber es gibt verschiedene Methoden, um der Erkrankung vorzubeugen. Viele Massnahmen sind einfach umzusetzen:
- Verzicht auf Rauchen und Alkohol: Vor allem Rauchen raubt dem Körper wichtige Vitamine und Mineralstoffe und schädigt den Knochen ganz direkt. Deshalb ist ein völliger Verzicht empfehlenswert. Auch Alkohol soll nur in geringen Mengen genossen werden.
- Knochenfreundliche Ernährung: Empfohlen ist eine tägliche Zufuhr von ungefähr 1’000 bis maximal 1’500 mg Calcium. Integrieren Sie wenn möglich in Ihren Speiseplan calciumreiche Lebensmittel wie Milchprodukte, Vollkorngetreide, Hülsenfrüchte, grüne Gemüse und Mineralwasser. Auch genügend Eiweiss ist wichtig für die normale Funktion der Muskeln und zur Erhaltung der Knochenstabilität. Die tägliche Zufuhr sollte etwa ein Gramm pro Kilogramm Körpergewicht betragen. Eine zusätzliche Versorgung über Nahrungsergänzungen kann ebenfalls hilfreich sein; dies werden wir Ihnen bei Bedarf verschreiben.
- Sonnenbad: Damit Calcium in den Knochenbau integriert werden kann, wird Vitamin D benötigt. Der menschliche Körper bildet dieses selbst unter Einwirkung von Sonnenlicht. Die Bildung von genügend Vitamin D können Sie als betroffene Person sicherstellen, wenn Sie ungefähr dreimal wöchentlich Gesicht, Hände und Arme mehrere Minuten ohne Schutz der Sonne aussetzen. Allerdings ist die Sonne in den Wintermonaten zu schwach um eine genügende Vitamin D – Bildung zu ermöglichen. Eine zusätzliche Einnahme von Vitamin D ist in Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt deshalb oft sinnvoll.
- Gewichtsregulierung: Bei Untergewicht stehen dem Körper zu wenig Nährstoffe und Hormone zur Verfügung, deshalb begünstigt eine zu geringe Körpermasse Osteoporose. Umgekehrt ist Übergewicht ein hoher Belastungsfaktor für die Gelenke und sollte ebenfalls vermieden werden.
- Aktiv bleiben: Regelmässige Bewegung stärkt Knochen, Muskulatur und Ihr Immunsystem – am besten an der frischen Luft. Speziell zur Vorbeugung der Osteoporose und ihrer Folgen ist ein Kräftigungstraining empfehlenswert. Auch alle Sportarten, die das Skelett belasten, wie Tanzen, Hüpfen und Wandern führen zur Stärkung der Knochen. Daneben sind auch Gleichgewichts- und Koordinationsübungen wichtig.
Wird eine Osteoporose nicht behandelt, nimmt die Knochendichte stetig ab. Es kann zu Knochenbrüchen kommen, vor allem an der Wirbelsäule, aber auch im Oberschenkel und der Hüfte. Erhebliche Schmerzen und zunehmende Einschränkung des Lebens sind die Folge. Da dauerhafte Schmerzen eine massive geistige und emotionale Belastung sind, sollten sich Betroffene, wenn nötig, psychologische Unterstützung holen. Auch wenn Osteoporose nicht heilbar ist, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung doch verhindern oder wenigstens verlangsamen.
Selbsthilfegruppen
Der Austausch mit Gleichbetroffenen kann bei der Bewältigung einer Krankheit eine grosse Unterstützung sein. Beratung auf der Suche nach einer geeigneten Selbsthilfegruppe erhalten Sie bei Selbsthilfe Zürich. Selbsthilfe Zürich und das Universitätsspital Zürich sind Kooperationspartner im nationalen Projekt «Gesundheitskompetenz dank selbsthilfefreundlicher Spitäler».
Behandlung der Osteoporose
Je nach Stadium der Osteoporose ist das Ziel einer Therapie, den Verlauf der Erkrankung zu stoppen oder zu verlangsamen und vorhandene Knochenbrüche optimal zu versorgen. Je früher es Ihnen gelingt, mögliche Risikofaktoren zu beseitigen und einen gesunden Lebensstil zu führen, umso eher können Sie belastende Folgen der Osteoporose reduzieren oder vermeiden.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Osteoporose
Osteoporose selbst verkürzt nicht direkt das Leben, aber das erhöhte Risiko für Knochenbrüche, insbesondere an Hüfte oder Wirbelsäule, kann zu Komplikationen führen. Mit einer frühzeitigen Diagnose, gezielter Behandlung und einem gesunden Lebensstil lässt sich die Lebensqualität lange erhalten.
Eine Heilung ist nicht möglich, aber die Erkrankung kann behandelt werden und somit das Frakturrisiko reduziert werden. Durch bestimmte Medikamente, eine ausgewogene Ernährung und gezieltes Training lässt sich der Knochenabbau verlangsamen und das Frakturrisiko deutlich senken.
Ja, bis zu einem gewissen Grad kann die Knochendichte stabilisiert oder erhöht werden. Entscheidend sind eine Kombination aus medikamentöser Therapie, ausreichend Kalzium, Protein und Vitamin D sowie regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Krafttraining.
Problematisch wird Osteoporose, wenn sie unbemerkt fortschreitet und zu Frakturen führt. Besonders gefährlich sind Brüche an Hüfte und Wirbelsäule, da sie die Mobilität stark einschränken und langfristige Folgen haben können. Ein erhöhtes Sturzrisiko, unbehandelte Osteoporose oder ein schneller Knochenabbau können das Risiko für schwerwiegende Frakturen zusätzlich erhöhen.
Bei Osteoporose sind insbesondere folgende Knochenbrüche, auch osteoporotische Frakturen genannt, häufig:
- Wirbelkörper: Kompressionsfrakturen der Wirbelsäule können zu Rückenschmerzen und einer verminderten Körpergrösse führen. Diese können aber auch asymptomatisch verlaufen.
- Oberschenkelhals: Hüftfrakturen sind besonders gefährlich, da sie oft eine Operation und längere Rehabilitationszeiten erfordern.
- Handgelenk: Ein Sturz auf die ausgestreckte Hand kann zu einer Speichenfraktur (distale Radiusfraktur) führen.
- Oberarmknochen und Rippen: Auch diese Knochen sind bei Osteoporose anfälliger für Frakturen.