Was versteht man unter Genderinkongruenz oder Genderdysphorie?
Genderinkongruenz beschreibt eine anhaltende Nichtübereinstimmung zwischen dem bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht und der eigenen empfundenen Geschlechtsidentität. Wenn diese Diskrepanz zu erheblichem psychischen Leidensdruck führt, spricht man von Genderdysphorie – dem entsprechenden medizinischen Fachbegriff.
Genderinkongruenz ist kein einheitlich erlebtes Phänomen. Sie äussert sich individuell und vielfältig – als Teil eines Spektrums geschlechtlicher Identitäten, das sich nicht auf die binäre Einteilung in „männlich“ oder „weiblich“ reduzieren lässt.
Menschen mit Genderinkongruenz werden mit einem körperlichen Geschlecht geboren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, empfinden dieses im Verlauf ihrer Entwicklung jedoch nicht als stimmig mit ihrem inneren Geschlechtserleben.
So kann sich beispielsweise eine Person mit männlichem Körper als Mädchen oder Frau empfinden – oder umgekehrt. Darüber hinaus gibt es Menschen, die sich weder eindeutig als männlich noch weiblich identifizieren. Diese Personen bezeichnen sich häufig als nicht-binär, genderqueer oder verwenden andere geschlechtsinklusive Begriffe.
Im Gegensatz zur Intergeschlechtlichkeit, bei der biologische Unterschiede im Chromosomensatz oder bei den Geschlechtsmerkmalen vorliegen, ist bei Genderinkongruenz die körperliche Ausprägung in der Regel eindeutig. Dennoch kann der eigene Körper als unpassend oder belastend erlebt werden.
Diagnostik und medizinische Unterstützung
Obwohl Geschlechtsinkongruenz und Genderdysphorie keine Erkrankungen im engeren Sinn darstellen, ist eine medizinische und psychotherapeutische Begleitung oft sinnvoll – insbesondere bei starkem Leidensdruck oder dem Wunsch nach geschlechtsangleichenden Maßnahmen.
Eine Diagnose ist die Voraussetzung dafür, dass die Behandlungen von der Krankenkasse übernommen werden und folglich auch auf Kosten der Kassen medizinische Massnahmen durchgeführt werden können. Die medizinischen Diagnosebegriffe lauten neben dem altmodischen Begriff „Transsexualismus“: „Geschlechtsinkongruenz“ und „Geschlechtsdysphorie“. Die Diagnostik erfolgt im Rahmen eines vertrauensvollen Gesprächs, in dem die individuelle Entwicklung, Lebenssituation und das persönliche Erleben im Mittelpunkt stehen.
Interdisziplinäres Behandlungsteam
Am Universitätsspital Zürich ist ein interdisziplinäres Team für die Begleitung und Behandlung von Menschen mit einer Inkongruenz der Geschlechtsidentität zuständig. Wir koordinieren und organisieren die medizinische Transitionsbegleitung von trans Personen nach individuellen Bedürfnissen.
Behandlung und Therapie
Neben psychiatrischer Begleitung gehört auch dazu, dass Sie sich umfassend über die hormonelle Behandlung, mögliche Operationsschritte und stationären Aufenthalte sowie potenzielle Risiken aufklären lassen. Auch der endgültige Schritt zur Transition (geschlechtsangleichende Operation) bedarf umfassender Information und Begleitung.