Herz-Kreislauf-Erkrankungen betreffen Frauen und Männer. Einige Risikofaktoren, Erkrankungen und Symptome zeigen sich bei Frauen jedoch anders. Unsere Spezialistin, Carolin Lerchenmüller, beantwortet häufige Fragen zur Herzgesundheit von Frauen und zur kardiologischen Vorsorge.
Ich fühle mich gesund. Warum sollte ich mich trotzdem mit meiner Herzgesundheit beschäftigen?
Viele Risikofaktoren verursachen lange keine Beschwerden. Dazu gehören Bluthochdruck, erhöhte Cholesterinwerte und Diabetes. Deshalb spielt Prävention eine wichtige Rolle.
Bei Frauen liefern auch Ereignisse im Lebensverlauf wichtige Hinweise auf das spätere Herz-Kreislauf-Risiko. Dazu zählen Schwangerschaften, hormonelle Veränderungen und die Menopause. Ziel ist es nicht, jede gesunde Frau kardiologisch zu untersuchen. Wichtig ist, Frauen mit einem erhöhten Risiko frühzeitig zu erkennen.
Meine Schwangerschaft liegt viele Jahre zurück. Ist sie für mein Herz heute noch relevant?
Ja. Eine Schwangerschaft kann wichtige Hinweise auf die langfristige Herzgesundheit geben. Schwangerschaftsbluthochdruck, Präeklampsie, Schwangerschaftsdiabetes und andere Schwangerschaftskomplikationen stehen mit einem erhöhten späteren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung.
Diese Informationen gehören deshalb auch Jahre später zur medizinischen Vorgeschichte. Sie bedeuten nicht, dass eine Frau später zwangsläufig herzkrank wird. Sie helfen jedoch dabei, Risikofaktoren früh zu erkennen und rechtzeitig Massnahmen zu ergreifen.
Was haben die Wechseljahre mit dem Herzen zu tun?
Die Menopause ist ein guter Zeitpunkt, die eigene Herzgesundheit neu zu betrachten. Mit den hormonellen Veränderungen verändern sich unter anderem Blutdruck, Fettstoffwechsel und Körperzusammensetzung. Dadurch kann das Herz-Kreislauf-Risiko steigen.
Für die Beurteilung ist das Gesamtbild wichtig. Dazu gehören Blutdruck, Cholesterin, Blutzucker, Gewicht und Bewegung. Auch die Familiengeschichte, frühere Schwangerschaften, hormonelle Faktoren und weitere Erkrankungen spielen eine Rolle. Auf dieser Basis lässt sich eine individuelle Präventionsstrategie entwickeln.
Herzrasen und Herzstolpern: Ist das nur hormonell?
Herzklopfen, Herzrasen oder Herzstolpern treten bei vielen Frauen während der Schwangerschaft oder rund um die Menopause auf. Hormonelle Veränderungen können dabei eine Rolle spielen.
Beschwerden sollten jedoch nicht automatisch den Hormonen zugeschrieben werden. Herzrhythmusstörungen sind häufig harmlos. Bei wiederkehrenden Beschwerden, Schwindel, Bewusstlosigkeit oder ausgeprägtem Herzrasen kann eine genauere Abklärung sinnvoll sein.
Ich habe Brustschmerzen. Die grossen Herzkranzgefässe sind unauffällig. Kann es trotzdem das Herz sein?
Ja. Bei Frauen treten auch Herzerkrankungen auf, bei denen die grossen Herzkranzgefässe nicht klassisch verengt sind. Dazu gehören Funktionsstörungen der kleinen Herzgefässe oder Koronarspasmen.
Auch eine spontane Koronardissektion oder das Takotsubo-Syndrom kommen bei Frauen häufiger vor. Wiederkehrende oder anhaltende Beschwerden sollten deshalb ernst genommen werden, auch wenn eine erste Untersuchung keine relevante Verengung der grossen Herzkranzgefässe gezeigt hat.
Wann ist die Frauen-Herzsprechstunde die richtige Anlaufstelle?
Die Frauen-Herzsprechstunde richtet sich an Frauen mit Herz-Kreislauf-Beschwerden oder einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko. Sie ist auch eine Anlaufstelle bei Fragen zur Prävention oder wenn geschlechtsspezifische Faktoren eine Rolle spielen könnten.
6 Fragen zur Frauen-HerzsprechstundeDazu gehören beispielsweise Risikofaktoren rund um die Menopause, Schwangerschaftskomplikationen in der Vorgeschichte, Herzrhythmusstörungen, bestimmte Formen der koronaren Herzerkrankung, Herzinsuffizienz oder kardiologische Fragen im Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen.
Am USZ arbeiten Fachpersonen aus verschiedenen Disziplinen eng zusammen. Dazu gehören unter anderem Gynäkologie, Geburtshilfe, Endokrinologie, Neurologie, Angiologie und Rheumatologie. Ziel ist es, biologische und geschlechtsspezifische Faktoren dort zu berücksichtigen, wo sie für Prävention, Diagnostik und Therapie relevant sind.