Krankheiten der Niere
Zu den häufigsten Nierenproblemen gehören Nierenbeckenentzündungen wie die Pyelonephritis, Nierensteine, aber auch langwierige Erkrankungen wie die chronische Niereninsuffizienz, die durch Diabetes oder Bluthochdruck hervorgerufen werden kann. Unbehandelt können diese Erkrankungen die Funktion der Nieren stark einschränken und im schlimmsten Fall zum Nierenversagen führen.
Nierenzysten und Zystennieren
Einzelne Nierenzysten sind meist harmlos und beeinträchtigen die Nierenfunktion nicht. Zystennieren hingegen sind erblich bedingt und führen zur Bildung zahlreicher flüssigkeitsgefüllter Zysten in beiden Nieren, wodurch sich die betroffene Niere vergrössert. Im schlimmsten Fall kann das zu einem Nierenversagen führen. Die häufigste Form einer Zystenniere ist die autosomal-dominante polyzystische Nierenerkrankung (ADPKD). Eine Heilung ist bisher nicht möglich, aber es gibt neue Therapieansätze, um die Symptome zu lindern und das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen. Im Endstadium ist oft eine Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig.
Nierenbeckenentzündung
Die Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) gehört zu den häufigsten Nierenerkrankungen. Sie betrifft vor allem Frauen, da ihre deutlich kürzere Harnröhre den Bakterien einen schnellen Aufstieg zur Blase erleichtert. Von dort kann sich die Infektion bis ins Nierenbecken ausbreiten. Im Gegensatz zur Blasenentzündung, die lokal begrenzt bleibt, verursacht die Nierenbeckenentzündung ein ausgeprägtes Krankheitsgefühl im ganzen Körper. Fieber, Erbrechen oder Rückenschmerzen sind weitere Symptome einer Nierenentzündung oder von Nierenproblemen.
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Nierensteine (Nierenkolik, Urolithiasis, Nephrolithiasis)
Nierensteine sind feste Ablagerungen von Bestandteilen des Urins. Sie entstehen, wenn bestimmte Mineralien und Salze in hoher Konzentration vorliegen und sich kristallisieren. Nierensteine können starke Schmerzen verursachen (Nierenkoliken). Je nach Lage spricht man von Nierensteinen (Nephrolithiasis), Harnleitersteinen (Ureterolithiasis) oder Blasensteinen (Zystolithiasis). Die Grösse variiert zwischen winzig klein bis hin zu mehreren Zentimetern. Meist gehen kleine Nierensteine von alleine mit dem Urin ab. Einige lassen sich mit Medikamenten auflösen. Eine Operation ist nur selten notwendig.

Chronische Nierenerkrankung
Eine chronische Nierenerkrankung entwickelt sich meist unbemerkt über einen längeren Zeitraum. Sie wird oft zufällig diagnostiziert. Zu den Hauptursachen von chronischen Nierenerkrankungen zählen Bluthochdruck und Diabetes. Obwohl eine vollständige Heilung nicht möglich ist, lässt sich das Fortschreiten der Erkrankung durch gezielte Massnahmen verlangsamen. Dazu gehören eine angepasste Ernährung, blutdrucksenkende Medikamente und eine gute Blutzuckereinstellung. Im fortgeschrittenen Stadium kann eine Dialyse oder eine Nierentransplantation notwendig werden.
Chronische Niereninsuffizienz (Nierenschwäche, Nierenversagen)
Bei einer Niereninsuffizienz arbeiten die Nieren nur noch eingeschränkt und können das Blut nicht mehr ausreichend filtern, um Stoffwechselendprodukte auszuscheiden. Medizinerinnen und Mediziner unterscheiden eine akute und eine chronische Form. Während das akute Nierenversagen plötzlich auftritt, verschlechtert sich die Nierenfunktion bei der chronischen Niereninsuffizienz (CKD) schleichend über einen längeren Zeitraum. In der Schweiz sind schätzungsweise 10% der erwachsenen Bevölkerung betroffen.
Nebennierenunterfunktion (Morbus Addison)
Morbus Addison ist eine seltene chronische Erkrankung der Nebennierenrinde, die zu einem Mangel an lebenswichtigen Hormonen wie Cortisol und Aldosteron führt. Diese Hormone sind für die Regulierung vieler wichtiger Körperfunktionen verantwortlich. Zu den häufigsten Symptomen zählen anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung. Ein weiteres auffälliges Zeichen der Erkrankung ist eine bräunliche Verfärbung der Haut, weshalb die Addison-Krankheit auch Bronzehautkrankheit genannt wird. Die Hautveränderungen treten vor allem an sonnenexponierten Stellen auf.
Therapie bei Nebennierenunterfunktion
Nierenarterienstenose (NAST)
Bei einer Nierenarterienstenose ist die Arterie, die das Blut zur Niere führt, verengt – meist aufgrund von Arteriosklerose oder fibromuskulärer Dysplasie. Diese Verengung reduziert die Blutversorgung der Niere, was zu Bluthochdruck führen kann. Die Niere reagiert auf die verminderte Durchblutung mit der Ausschüttung von Hormonen, die den Blutdruck erhöhen. Unbehandelt kann die Stenose zu Nierenversagen führen. Häufige Symptome sind Bluthochdruck und eine eingeschränkte Nierenfunktion. Die Behandlung kann medikamentös oder durch Verfahren wie die Ballondilatation erfolgen.
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Nussknacker-Syndrom
Das Nussknacker-Syndrom gilt als seltene Erkrankung, bei der die linke Nierenvene zwischen zwei Arterien eingeklemmt wird, was den Blutfluss beeinträchtigt. Besonders häufig sind Frauen betroffen, aber auch Kinder und Jugendliche können erkranken. Das Hauptsymptom der Erkrankung sind häufige und zum Teil starke Unterbauchschmerzen – verursacht durch die Durchblutungsstörung der betroffenen Vene. Die Schmerzen können akut oder chronisch auftreten und sind unterschiedlich stark. In einigen Fällen kommen auch noch andere Symptome dazu, wie Blut im Urin oder Beschwerden beim Wasserlassen.
Therapie bei Nussknacker-Syndrom
Conn-Syndrom
Das Conn-Syndrom ist eine Erkrankung der Nebennieren. Das sind zwei pyramidenförmige Hormondrüsen, die in unmittelbarer Nähe der Nieren im Bauchraum liegen. Die Nebennieren produzieren Aldosteron, ein Hormon, das eine wichtige Rolle bei der Regulierung des Blutdrucks und des Salzhaushalts spielt. Normalerweise arbeitet Aldosteron eng mit anderen Hormonen zusammen, um diese Funktionen genau zu steuern. Beim Conn-Syndrom wird jedoch zu viel Aldosteron produziert. Das stört das feine Gleichgewicht dieser Regulation und führt in der Regel zu einem dauerhaft erhöhten Blutdruck – und manchmal auch zu einem niedrigen Kaliumspiegel im Blut.
Thrombotische Mikroangiopathie
Die thrombotische Mikroangiopathie (TMA) gehört auch zu den seltenen Erkrankungen: Bei der TMA werden kleine Blutgefässe in verschiedenen Organen, insbesondere in den Nieren, geschädigt. Diese Schädigung führt zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben) in den feinen Gefässen, die den Blutfluss behindern und Organschäden verursachen. Für TMA gibt es verschiedene Ursachen, wie Infektionen, Medikamente oder bestimmte genetische Erkrankungen. Typische Symptome sind Blutarmut (Anämie), Blutplättchenmangel (Thrombozytopenie) und Nierenprobleme.
Tubulopathie
Die Tubulopathie ist eine Erkrankung der kleinen Nierenkanälchen (Tubuli). Sie sind verantwortlich für die Filtration und das Gleichgewicht von Flüssigkeit, Elektrolyten und Säuren im Körper. Bei einer Tubulopathie funktioniert diese Filtration nicht richtig, was zu Problemen wie Elektrolytstörungen, Nierenversagen oder Störungen des Säure-Basen-Gleichgewichts führen kann. Tubulopathien können angeboren oder erworben sein.
Nierenkrebs (Nierenzellkarzinom, Nierenkarzinom)
Nierenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, bei der sich Tumore in den Nieren bilden. Die häufigste Form ist das klarzellige Nierenzellkarzinom. Als eine eher seltene Unterart gilt das chromophobe Nierenzellkarzinom. Obwohl Nierenzellkarzinome nicht so häufig auftreten wie andere Krebsarten, wachsen sie oft lange Zeit unbemerkt, da sie in frühen Stadien selten Symptome verursachen. Erst wenn der Tumor wächst, können Schmerzen im unteren Rücken, Blut im Urin oder eine tastbare Raumforderung auftreten. Risikofaktoren sind Rauchen, Übergewicht oder eine familiäre Vorbelastung. Eine frühe Diagnose ist wichtig, da Nierenkrebs im fortgeschrittenen Stadium schwerer zu behandeln ist. Mit der richtigen Behandlung, die oft aus einer Operation oder einer Immuntherapie besteht, ist die Prognose gut, vor allem wenn der Krebs früh erkannt wird.